: Alexandra Brown
: Die Villa an der Riviera Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641257262
: 1
: CHF 3.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Romantische Sommerlektüre mit traumhaften Schauplätzen, liebenswerten Charakteren und ein paar Geheimnissen ... Für alle Leserinnen von Karen Swan und Mandy Baggot.

Ein Bündel alter Briefe führt Grace zu einem bewegenden Frauenschicksal in den 30er-Jahren.

Einen Schatz zu entdecken gehört zu den seltenen Glücksmomenten im Leben von Grace Quinn. Ihr Job bei einem kleinen Londoner Lagerhaus fördert nämlich immer wieder Interessantes zutage. Als Grace den Lagerraum einer langjährigen Kundin auflöst, macht sie ihren bislang aufregendsten Fund: wertvolle Abendroben, Schmuck, Kunstgegenstände, Tagebücher und Bündel mit alten Briefen. Grace beginnt, nach der Besitzerin zu suchen, und begibt sich auf eine Reise, die zurück in die 1930er-Jahre und bis nach Italien führt. Dabei kommt sie einer großen Liebe auf die Spur ...

»Absolut bezaubernd!« Jill Mansell

Alex Brown ist eine britische Bestsellerautorin, deren herzerwärmende romantische Romane in sieben Sprachen übersetzt wurden und schon unzählige Leserinnen zum Träumen gebracht haben. Mit »Die Villa an der Riviera« erscheint erstmals eines ihrer bezaubernden Bücher auf Deutsch. Die Autorin lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und zwei Labradorhunden an der Küste von Kent.

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London, in der Gegenwart


Grace Quinn liebte ihren Job in der Cohen’s Convenient Storage Company. Eigentlich war es sogar das Einzige, was ihr derzeit richtig Freude bereitete. Abgesehen von ihrem Strickzeug und einem großen Becher heiße Schokolade mit einem Schuss Kirschlikör, wenn sie abends in ihre alten Filme flüchtete. Sie liebte die Klassiker. Das Gefühl, in eine Welt voller Nostalgie und Glamour hineingezogen zu werden, wo niemals etwas Schlimmes geschah – so schien es jedenfalls. Fred und Ginger, Doris Day. »Whip Crack Away«! Sie war ein großer Doris-Day-Fan und hatte durch ihre Filme unglaublich viel über Timing und Präzision gelernt. Das kam auch ihren eigenen Tanzkünsten zugute. Und Gene Kelly.Du sollst mein Glücksstern sein.Sie würde niemals müde werden, sich dieses Meisterwerk anzusehen. Auch wenn ihr absoluter Favorit – natürlich – die legendäre Audrey Hepburn inEin süßer Fratzwar. Vor allem, wie in der Technicolor-Szene Audrey und Fred »’S Wonderful, ’s Marvellous« sangen, während sie auf den Gewässern eines idyllischen Châteaus ein Floß bestiegen und tanzend davontrieben. Aber diese Magie konnte für Grace immer erst dann wirken, wenn ihre bettlägerige Mutter Cora endlich eingeschlafen war – was in letzter Zeit ständig später geschah.

Grace lauschte, während sie in ihre Schuhe schlüpfte, ihr Haar bürstete und das Chaos ihrer kupferbraunen Locken zu einem mehr oder weniger ordentlichen Knoten band, ob von oben, aus Coras Zimmer, etwas zu hören war. Sie betete stumm, dass sie es aus dem Haus und zur Arbeit schaffen würde, bevor ihre Mutter erneut nach mehr Frühstücksflocken und Toast brüllte. Grace hatte ihr bereits eine große Schale Cornflakes und zwei Toasts mit Butter und Marmelade gebracht, aber es hatte gestern im Laden nicht mehr das Brot mit den extra dicken, knusprigen Scheiben gegeben. »Deshalb brauche ich mehr, um satt zu werden, Grace«, hatte Cora gesagt, als sie weitere Toasts einforderte. Und dann hatte sich ihre Mutter in letzter Zeit auch noch angewöhnt, sie zu rufen, um die Lampe auf dem Schränkchen neben ihr anzuknipsen. Ihre eigene Hand, nur wenige Millimeter entfernt, spiele wieder verrückt. Das war vergangene Nacht gleich viermal vorgekommen.

Tja, es sollte wohl nicht sein.

»Grace. Grace.Grace!Himmelherrgottszeiten, wo steckst du?«, donnerte Cora mit ihrem schweren irischen Akzent und pochte mit dem Gehstock auf den Fußboden, sodass der Lampenschirm an der Wohnzimmerdecke gefährlich zu schwanken begann.

Resigniert legte sie die Haarbürste hin. Umklammerte die Kante des Kaminsimses mit beiden Händen, schloss die Augen, ließ den Kopf kurz sinken und atmete tief ein, bevor sie die Luft wieder ausstieß und jede Zelle ihres Körpers nach einem letzten Rest an Durchhaltevermögen durchforstete. Sie war müde.So müde.Nachdem sie die Augen wieder geöffnet hatte, musterte Grace ihr Gesicht im Spiegel. Ihre Augen waren um die grüne Iris herum gerötet, und ihre helle, sommersprossige Haut wirkte noch blasser als sonst, falls das überhaupt möglich war. Cora hatte eine schlechte Nacht gehabt, und Grace war deshalb bis drei Uhr morgens wach gewesen.