: Frank Herbert
: Die Ketzer des Wüstenplaneten Roman
: Heyne
: 9783641258283
: Der Wüstenplanet - neu übersetzt
: 1
: CHF 11.70
:
: Science Fiction
: German
: 624
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Unter Gottkaiser Leto II. wurde die Menschheit über die Galaxis verstreut. Nun kehrt sie aus der Diaspora zurück, und der Orden der Bene Gesserit sieht sich mit neuen Technologien und neuen Mächten konfrontiert. Da taucht aus der Wüste des Planeten Arrakis ein Mädchen auf, das mit geheimnisvollen Kräften über Shai-Hulud, den riesigen Sandwurm, gebieten kann ...

Frank Herberts 'Wüstenplanet'-Romane, das erfolgreichste Science-Fiction-Epos aller Zeiten, in der neuen Übersetzung von Jakob Schmidt.

Frank Herbert (1920-1986) wurde in Tacoma, Washington, geboren. Nach einem Journalismus-Studium arbeitete er unter anderem als Kameramann, Radiomoderator, Dozent und Austerntaucher, bevor 1955 sein Debütroman 'The Dragon in the Sea' zur Fortsetzung in einem Science-Fiction-Magazin veröffentlicht wurde. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm schließlich Mitte der 1960er-Jahre mit seinem Roman 'Der Wüstenplanet', der sowohl mit dem Hugo Award als auch mit dem Nebula Award ausgezeichnet wurde. Bis heute gilt 'Der Wüstenplanet' zusammen mit den Nachfolgeromanen als einzigartige literarische Weltenschöpfung, die jede Generation von Leserinnen und Lesern neu für sich entdeckt.

Die meisten Disziplinensind verborgeneDisziplinen,geschaffen, nicht um zu befreien, sondern um zu beschränken.Frag nicht »Warum?«. Sei vorsichtig mit dem »Wie?«. Das »Warum?«führt unausweichlich in ein Paradox. Das »Wie?« sperrt dich ineinem Universum aus Ursache und Wirkung ein. Beide Fragen stellen das Unendliche in Abrede.

– Die Apokryphen von Arrakis

»Taraza hat Sie darauf hingewiesen, dass wir bereits elf dieser Duncan-Idaho-Gholas verbraucht haben, nicht wahr? Das hier ist der zwölfte.«

Die alte Ehrwürdige Mutter Schwangyu ließ bei diesen Worten bewusst ihre Verbitterung durchklingen, während sie von der Brüstung im dritten Stock auf das Kind hinabsah, das allein auf dem Rasen im Innenhof spielte. Die grelle Mittagssonne des Planeten Gammu wurde von den weißen Außenmauern reflektiert, sodass es wirkte, als hätte man einen Scheinwerfer auf den jungen Ghola dort unten gerichtet.

Verbraucht, dachte die Ehrwürdige Mutter Lucilla. Sie gestattete sich ein kurzes Nicken. Wie kalt und unpersönlich Schwangyus Tonfall und Wortwahl doch waren.Wir haben unsere Vorräte erschöpft – schickt uns mehr!

Dem äußeren Anschein nach war der Junge auf dem Rasen etwa zwölf Standardjahre alt, aber bei einem Ghola, der seine Erinnerungen noch nicht zurückerlangt hatte, konnte der Schein trügen. In genau diesem Moment blickte der Ghola zu den beiden Ehrwürdigen Müttern auf. Er war von kräftiger Gestalt und sah sie unter seinem schwarzen Haarschopf mit einem direkten Blick durchdringend an. Zu seinen Füßen warf das gelbe Licht der Frühlingssonne einen kleinen Schatten. Seine Haut war gebräunt, doch als sein blauer Einteiler bei einer Bewegung verrutschte, erkannte man, wie blass seine linke Schulter war.

»Diese Gholas sind nicht nur teuer, sondern auch sehr gefährlich«, sagte Schwangyu. Ihre Stimme war völlig emotionslos, was ihr umso mehr Macht verlieh. Es war die Stimme einer Leitenden Ehrwürdigen Mutter, die das Wort an eine ihr untergebene Akoluthin richtete, und diese Stimme teilte Lucilla mit, dass Schwangyu zu jenen gehörte, die offen Einspruch gegen das Ghola-Projekt erhoben.

Taraza hatte Lucilla gewarnt: »Sie wird versuchen, dich auf ihre Seite zu ziehen.«

»Elf Fehlschläge sind genug«, sagte Schwangyu.

Lucilla warf einen Blick auf Schwangyus zerfurchtes Gesicht und dachte:Eines Tages bin auch ich alt und grau. Und vielleicht werde ich dann ebenfalls eine mächtige Position bei den Bene Gesserit bekleiden.

Schwangyu war eine kleine Frau, deren Gesicht von ihrem langen Dienst an der Schwesternschaft gezeichnet war. Aus den Recherchen für ihre Mission wusste Lucilla, dass sich unter Schwangyus schwarzer Robe eine dürre Gestalt verbarg, die abgesehen von ihren Ankleiderinnen und der Männer, mit denen man sie gepaart hatte, praktisch niemand je zu Gesicht bekommen hatte. Schwangyu hatte einen breiten Mund, und ihre Unterlippe wurde von den Falten eingefasst, die fächerartig in ein vorspringendes Kinn ausliefen. Ihre schroffe, wortkarge Art wurde von Uneingeweihten nicht selten als ein Zeichen von Verärgerung interpretiert. Die Befe