Menstruation! Menstruation! Menstruation! – Ein Vorwort
Nein, ich bin nicht verrückt geworden
Finally. Ich habe meine Bachelorarbeit zum Thema »Tabu und Menstruation« erfolgreich verteidigt. Nachdem mir die offensichtlich eher konservativ eingestellte Koordinatorin meiner Hochschule zunächst mit klaren Worten davon abgeraten hatte, über solch abstruse Widerlichkeiten wie die Periode zu schreiben und mir sogar aktiv die Hilfe verweigerte, dafür eine*n Erstprüfer*in zu finden (bei dem Thema bestünde »keine Wissenschaftlichkeit« – wörtlich: »Das Thema geht so gar nicht, sorry. Das ist eine Art Tabuthema.«), mussten nun doch alle Beteiligten einsehen, dass die fehlende Kommunikation über Menstruation Negativfolgen für Umwelt, Wirtschaft sowie die finanzielle und soziale Geschlechtergleichstellung hat.
Ich rufe nicht zur kollektiven Perioden-Party auf und will auch keinem einen benutzten Tampon unter die Nase halten. Aber einfach nur mal ein paar Facts:
Die Hälfte der Menschheit verliert im Monat durchschnittlich eine halbe Tasse voll Blut. Obwohl dies eine essenzielle Grundlage für unser aller menschliche Existenz ist, werden Menstruierende in fast allen religiösen Schriften sowie in medizinischen Berichten bis Mitte des 20. Jahrhunderts wie ansteckende Giftmonster dargestellt, mit dem Teufel, psychischen und körperlichen Defiziten und Giftigkeit in Verbindung gebracht (im 3. Buch Mose steht, dass eine Frau nach der Periode erst wieder »rein« sei, nachdem sie eine Woche lang mit niemandem in Kontakt war, sich einer entwürdigenden Waschung unterzogen hat und von einem Priester gesegnet wurde – die zwei Tauben nicht zu vergessen, die für ihre wiederhergestellte Reinheit geopfert werden müssen. Kein Scheiß).
Gut, man kann jetzt sagen, das sei doch alles Schnee von vorgestern. Aber bis heute werden Frauen* stigmatisiert (»die hat doch ihre Tage und zickt deswegen rum bzw. ist nicht bei Sinnen/zurechnungsfähig oder hysterisch« etc. An der Stelle verweise ich auch gerne auf den Trump-Kommentar gegenüber Fox-Moderatorin Megyn Kelly), schämen sich, fühlen sich unwohl, flüstern sich wie Kriminelle zu, wenn sie aufgrund ihrer biologisch bedingten »Schwächen« einen Tampon brauchen und werden bei Beschwerden nicht ernst genommen.
Frauen* und Mädchen* werden weltweit im Alltag, in sozialen Situationen, Bildung und Arbeit gehemmt und behindert, haben keinen Zugang zu »Monatshygiene«, werden aufgrund fehlender Aufklärung aus der Gesellschaft ausgeschlossen, für unrein und unterlegen erklärt. In Indien brechen laut einer Studie von Plan International 20 Prozent der Mädchen* mit dem ersten Tag ihrer Menstruation die Schule ab, in vielen anderen Ländern verbietet man ihnen, während ihrer Menstruation aus dem Haus zu gehen, weil die Verbreitung von Krankheiten wie Krebs befürchtet wird.
In Deutschland fühlt sich laut Umfragen die Hälfte der Frauen* in sozialen Situationen unwohl, wenn sie menstruieren – 16 Prozent der Frauen* haben auch hierzulande schon mal Schule, Arbeit oder eine Veranstaltung verpasst, aufgrund der Angst (!), jemand könne bemerken, dass sie gerade menstruieren (wie unvorstellbar widerlich!). Viele Frauen* schämen sich dafür, wenn sie im Supermarkt Tampons kaufen (laut Umfragen mehr als jede 5.) und bezahlen sich dabei dumm und dämlich. Binden und Tampons sind fast überall auf der Welt verdammt hoch besteuert. In Deutschland mit 19 Prozent Mehrwertsteuer sogar maximal und damit höher als so unverzichtbare Produkte wie Lachskaviar oder Schnittblumen.* Wer sich diese Regel ausgedacht hat, kann man sich schon denken: Menschen, die nicht menstruieren.
Die Kosten, die für Frauen* durch bis zu insgesamt 500 Monatszyklen im Leben anfallen, liegen im vierstelligen Bereich. (Berechnungen der Seite bloodyluxurytax.de zufolge beläuft sich der Durchschnittswert sogar auf 8600 Euro.)
Dabei könnte man meinen, bei der tatsächlich immer noch lange nicht erreichten finanziellen Gleichberechtigung in Deutschland, dass Frauen* nicht auch noch deftig