Einführung
Beziehungen haben mich seit jeher fasziniert. Ich bin in England aufgewachsen und habe in dem Pub, den mein Vater betrieb, viel Zeit damit verbracht, die Gäste zu beobachten, die sich dort miteinander unterhielten, tranken, stritten, tanzten und flirteten. Die Hauptrolle in meinem jungen Leben aber spielte letztlich die Ehe meiner Eltern, denn ich musste hilflos mit ansehen, wie sie ihre Beziehung und sich selbst zerstörten. Dennoch wusste ich, dass sie einander trotz allem innig liebten. In seinen letzten Lebensjahren weinte mein Vater bitterliche Tränen um meine Mutter, obwohl sie seit mehr als 20 Jahren getrennt waren.
Meine Reaktion auf das Leid meiner Eltern bestand darin, dass ich schwor, niemals zu heiraten. Ich glaubte erkannt zu haben, dass Verliebtheit und Liebe nichts als Illusion sind und den Menschen in eine Falle locken. Mir würde es allein, unabhängig und jeder Fessel ledig besser ergehen. Doch natürlich habe ich mich verliebt und auch geheiratet. Die Liebe, vor der ich davonlief, holte mich ein.
Was hat es mit dieser geheimnisvollen, starken Emotion auf sich, an der meine Eltern scheiterten, die mein eigenes Leben kompliziert machte und die sich für so viele Menschen als ein wesentlicher Quell der Freude und des Leidens erweist? Gibt es, so fragte ich mich, einen Weg, der durch dieses Labyrinth hindurch zu dauerhafter Liebe führt?
Mein fasziniertes Interesse an Liebe und Verbundenheit veranlasste mich zum Studium der Psychologie und zur therapeutischen Ausbildung. In diesem Zusammenhang studierte ich das Drama der Liebe, wie es von Dichtern beschrieben und von Wissenschaftlern analysiert wird. Ich unterrichtete psychisch gestörte Kinder, die nie Liebe erfahren hatten. Ich beriet Erwachsene, die am Verlust der Liebe verzweifelten. Ich arbeitete mit Familien, deren Mitglieder einander liebten, es aber weder miteinander noch getrennt voneinander aushielten. Die Liebe blieb mir ein Rätsel.
Kurz bevor ich an der University of British Columbia in Vancouver meine Dissertation über psychotherapeutische Beratung abschloss, begann ich, mit Paaren zu arbeiten. Augenblicklich faszinierten mich die Intensität ihrer Auseinandersetzungen und die Art und Weise, wie sie über ihre Beziehung sprachen – es ging für sie um Leben und Tod.
Ich hatte durchaus erfolgreich Therapien mit Einzelpatienten und Familien durchgeführt, die Beratung streitender Ehepaare aber überforderte mich. Weder die Bücher aus der Bibliothek noch die Behandlungstechniken, die ich erlernt hatte, schienen mir weiterzuhelfen. Meine Paare interessierten sich nicht für Einsichten in ihre Kindheitsbeziehungen. Sie wollten nicht vernünftig sein und lernen, wie man miteinander verhandelt. Und erst recht wollten sie keine Regeln lernen, um sich dann erfolgreicher streiten zu können.
Die Liebe drehte sich offenbar ausschließlich um Dinge, die nicht verhandelbar sind. Man kann sich Mitgefühl oder Verbundenheit nicht „erhandeln“. Es sind keine intellektuellen, sondernemotionale Reaktionen. Infolgedessen begann ich, mich voll und ganz auf das Erleben der Partner einzulassen und von ihnen etwas über die emotionalen Rhythmen und Muster im Tanz der Paarliebe zu lernen. Außerdem beschloss ich, meine Paarsitzungen auf Video aufzunehmen und die Filme immer wieder zu studieren.
Während ich die Paare beobachtete, die sich anschrien und weinten, sich stritten und „dichtmachten“, begann ich zu begreifen, dass es negative und positive emotionale Momente gibt, die eine solche Bedeutung erlangen, dass sie eine ganze Beziehun