: Franziska Hidber, Christian Ruch
: VENNER Ein Krimi zwischen Nordkap und Sarganserland
: Driftwood
: 9783907178072
: 1
: CHF 8.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Auslandschweizer Reto Anrig wird tot auf der nördlichsten Landzunge Europas gefunden. War es wirklich ein Unfall auf der Nordkap-Insel Magerøya? Ja, sagen Polizei und Rechtsmedizin. Doch Selina, die Tochter des Toten, und ihr Kindheitsfreund, der junge Dorfpolizist Einar, folgen ihrem Instinkt und entdecken Ungereimtheiten und dunkle Geheimnisse - im hohen Norden ebenso wie in Retos Heimat, dem Sarganserland. VENNER ist ein rasanter, witziger Kriminalroman mit viel schweizerischem und norwegischem Lokalkolorit und einem Schuss Liebe. Mit zwei Schauplätzen und zwei Protagonisten, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Without detracting from the North Cape (Nordkapp), it’s not actually the northernmost point of mainland Europe. Unbeknownst to all but a few savvy travelers, nearby Knivskjellodden is actually 1,457 meters farther north.
(…) For comparison, approximately 300,000 tourists visit the North Cape annually but less than 1,500 make it to Knivskjellodden.

10 Great Hikes in Norway

1
EINAR


Honningsvåg

Natürlich regnete es auch an diesem Nachmittag. Wie es immer nur zu regnen schien in diesem bis dahin so beschissenen Sommer. Mir war das eigentlich egal, ich hatte ohnehin keine Ferien. Wenn es regnet, gibt es für uns auf dem Polizeiposten von Honningsvåg mehr zu tun, und es ist etwas spannender als sonst. Denn schlechtes Wetter macht die Touristen aufsässig. Sie meinen, wenn sie schon für alles Unsummen hinblättern müssen und dafür nur Regen serviert bekommen, können sie sich alles erlauben. Also parken sie ihre Wohnmobile kreuz und quer, sind frech und rücksichtslos, weil jeder die wenigen Momente Trockenheit ausnützen will. Und wenn sie dann nach 3500 Kilometern oder mehr am Nordkap sind und vor lauter Nebel und Regen gar nichts sehen, werden sie erst recht unerträglich. Bei schönem Wetter sind die Touristen dagegen nett, gut gelaunt und angenehm. Dann helfen wir auch gern weiter. Wenn sie zum Beispiel das Scandic-Hotel Nordkapp in Skarsvåg nicht finden, weil es gar nicht in Skarsvåg steht, sondern in Skipsfjorden. Wir sind sogar dann hilfsbereit, wenn man uns merkwürdige Fragen stellt. An einem bitterkalten Januartag wollte mal ein amerikanischer Hurtigruten-Passagier wissen, ob er für den Ausflug zum Nordkap einen Mückenschutz brauche. Und im Juni wurde ich schon gefragt, um wie viel Uhr denn das Nordlicht zu sehen sei.

Dass es ausgerechnet an diesem Nachmittag wieder wie aus Kübeln schüttete, tat mir leid für Selina. Zur Beerdigung ihres Vaters hätte ich ihr und uns allen, die gekommen waren, wenigstens ein paar trockene Momente gewünscht. Aber kaum hatte Pastor Raudeberg die Feier in der Kirche beendet und uns eingeladen, nun am Grab von Reto Abschied zu nehmen, hatte wieder ein durchdringender Regen eingesetzt, den ein kalter Wind von Nordwesten auf unsere Insel Magerøya trieb. Es waren gerade noch sechs Grad, und der Wetterdienst von yr.no hatte gemeldet, dass Schneeschauer von Hammerfest bis rüber nach Kirkenes nicht ausgeschlossen seien. «Ein grässlicher Mittsommer», hörte ich unsere Grundschullehrerein Siv Hønefoss murmeln, als alle die Schirme aufspannten und im Gefolge von Pastor Raudeberg auf schlammigen Wegen zum offenen Grab stapften. Unmittelbar hinter ihm war Selina, die sich bei Henri eingehakt hatte. Er kümmerte sich rührend um Selina. Henri war ein sehr guter, vielleicht sogar der beste Freund von Selinas Vater. Ich kannte ihn vom Sehen, er besuchte Reto und Selina regelmässig.

Retos Tod machte mich traurig. Wir hatten ab und zu mal ein Bier miteinander getrunken und uns gut verstanden. Offenbar war ich, abgesehen von Selina, einer der ganz wenigen Menschen gewesen, die er noch vertragen ha