Literatur träumt vom Totalen Kino: einer Reproduktion der Welt, die von der Realität nicht zu unterscheiden ist. Das Realismusversprechen des neuen Bewegtbildes entwickelte sich als Mythologem in Romanen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Als Faszinosum und Denunziation erzählt dieses Narrativ von dem aufkommenden Konkurrenzmedium und scheint bereits früh den Weg RichtungVirtual Reality zu weisen. Karin Jankers literaturwissenschaftliche Analyse dieser wirkmächtigen Imagination legt nicht nur deren Wurzeln in Illusions- und Mimesisdiskursen offen, ihre Lektüren demonstrieren auch die Literarizität des Traums vom Totalen Kino - und machen Mediengeschichte zu einer Sache der Literaturwissenschaft.
Karin Janker, geb. 1986, ist Redakteurin bei derSüddeutschen Zeitung in München und wurde 2018 an der Ludwig-Maximilians-Universitä München als Mitglied im Promotionsstudiengang Literaturwissenschaft (ProLit) promoviert. Sie schreibt, lehrt und forscht zu Literatur, Film und Politik sowie deren Schnittmengen. |