II
Nimm dankbar an, was das Leben dir in den Weg
stellt und an Möglichkeiten bietet.
Wir traten aus dem Aufzug. Hier befanden sich keine Verkaufsräume mehr, aber die Flure und abgehenden halb offenen Räume wirkten noch schicker als unten. Wenn ich könnte, würde ich am liebsten versinken mit meiner leicht angeschmuddelten Jeans. Sicher roch ich inzwischen auch nach kaltem Angstschweiß. Ich passte hierher wie eine billige Leuchtreklame in einen Zen-Garten. Der Mann bat mich, durch eine dunkelgraue Rauchglastür zu treten. Spöttisch sagte er: „Hier, die Dame möchte zu Ihnen. Ich überlasse sie Ihren zauberhaften Händen.“ Hinter dem Schreibtisch saß eine elegante Frau, die nun von ihrem Laptop aufschaute und mich kurz prüfend, aber nicht unfreundlich musterte. „Danke, Henning, Sie können gehen.“
Er nickte und drehte ab. Ließ es sich aber nicht nehmen, mir noch mal kurz in den Arm zu zwicken!
Die Dame stand auf und gab mir die Hand. Ihr Händedruck fühlte sich fest und trocken an. Dieser Hand kann man vertrauen, dachte ich. Tja, mir leider nicht mehr. Ich war jetzt eine Diebin Hatte ich schon ganz vergessen, weil hier alles so schick war. Ich schaute ihr ein wenig trotzig in die Augen oder wollte es zumindest tun Eigentlich war mir aber gar nicht wohl in meiner Haut.
„Lassen Sie doch mal sehen“, sagte sie. Und ich wusste sofort, was sie meinte. Ich reichte ihr die D’Orsays, die man mir interessanterweise nicht abgenommen hatte. „Gute Wahl“, nickte sie, „aber überteuert.“ Fast hätte ich gegrinst.
„Tja, was machen wir jetzt mit Ihnen?“, sie schaute mich prüfend an,