: Friedrich Gerstäcker
: Unter den Pehuenchen
: OTB eBook publishing
: 9783965374584
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 331
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Synopsis: Die Pehuenchen sind jener große indianische Volksstamm, der seinen Aufenthalt in Südamerika auf der Ostseite der Kordilleren, und zwar südlich von dem bei Carmen in den Atlantischen Ozean mündenden Kusu leufu oder Schwarzen Fluß, hat. Sie streifen wohl zuzeiten auch nördlich darüber hinaus, aber sie beanspruchen das Gebiet nicht. Südlich werden sie von den patagonischen Stämmen begrenzt, mit denen sie aber nicht in großem Verkehr stehen. Allerdings besteht ihr Hauptstamm aus verschiedenen Horden, die auch für sich andere Namen führen; da sie aber einen einzigen erblichen Oberhäuptling oder Kaziken, den sogenannten Apo, anerkennen, nennen sie sich gemeinsam Pehuenchen und werden besonders auch von den Nachbarn so genannt. Die Pehuenchen kommen nur auf ihren Wanderungen nach der Westseite der sie von den Araukanos und Huilliches trennenden Kordilleren.

1. Kapitel


Über die Kordilleren sandte die Sonne ihre ersten Strahlen und beleuchtete, hoch in den Bergen drinnen, ein ebenso eigentümliches als wildes Bild.

Inmitten eines weiten Rohrbruchs, der sich über den ganzen Hang zog, und aus welchem mächtige Buchen- und Lorbeerbäume emporwuchsen, lagerte ein Schwarm von trotzigen braunen Gestalten um fünf oder sechs Feuer, die an verschiedenen Stellen angezündet, aber jetzt schon fast niedergebrannt waren, wenigstens nicht mehr mit dem überall umhergestreuten trockenen Holz genährt wurden. Die Schar richtete sich auch augenscheinlich zum Aufbruch und gedachte wohl kaum eine zweite Nacht an dieser Stelle zu verbleiben.

So wild verwachsen war das Dickicht, daß man es nicht einmal für nötig befunden, die Pferde weiter zu sichern, die ungesattelt und ungezäumt überall das saftige Schilflaub abweideten.

Nur die Stelle, wo ein schmaler Pfad in die natürliche Lichtung ein- und an der anderen Seite wieder ausmündete, war durch querüber gezogene Lassos geschlossen, und keins der Tiere hätte die starre Hecke von Schilf und Unterholz nach irgendeiner Richtung hin durchbrechen können.

An der westlichen Seite des Platzes, wo sich das Land allmählich der Niederung zusenkte, war ein Einschnitt zwischen den Bäumen durch den Sturz eines der Waldriesen in das Laubmeer gerissen. Dorthin konnte der Blick weit ausschweifen, bis er den nebelumflorten Horizont des Stillen Meeres traf – und diesem Einschnitt gerade gegenüber, an einem hell brennenden Feuer und auf ein paar Guanakofelle ausgestreckt, lag der Häuptling und Kazike dieses Trupps.

Es war eine schlanke, kräftige, noch jugendliche Gestalt, dieser wilde Krieger, wie er dort neben der Flamme und, auf den linken Ellbogen gestützt, finster brütend lehnte. Sein Haupt, von dem das lange schwarze Haar straff niederhing, war unbedeckt, der Oberkörper trotz des ziemlich rauhen Morgens nackt. Nur ein paar kurze und eng anliegende blaue Hosen trug er und die aus roher Pferdehaut verfertigten Botas an den Füßen. Neben ihm aber lag der buntgewirkte Poncho, lagen die großen, schweren, silbernen Sporen und der aus seinen Streifen roher Haut kunstvoll geflochtene Zaum und Lasso. Die Bolas, das tödliche Wurfgeschoß der Pampas-Indianer, trug er wie alle Übrigen, um den Leib gewunden, das lange Messer steckte im Gürtel, und hinter ihm, an einem Baum, lehnte die wohl vierzehn Fuß lange, mit scharfem Messer bewehrte Lanze – alles zum augenblicklichen Dienst bereit und im Griff des Kriegers.

Und was wollten die dunklen Gestalten hier in der unmittelbaren Nähe von Ansiedlungen der Weißen, und doch so tief verborgen im schützenden Wald? Hatten sie Böses im Sinn? – Es war schon viel Blut geflossen von beiden Seiten, und Indianer wie Chilenen hatten i