1. Der Entschluß.
Im Zimmer des Regierungsrats Wessel saß dessen Sohn, der etwa achtundzwanzigjährige Fritz Wessel, ruhig am Frühstückstisch, trank seinen Kaffee, rauchte seine Zigarre und las dabei die neben der Tasse liegende Zeitung.
Der Vater schritt indessen in tiefem Nachdenken in demselben Zimmer auf und ab. Er hatte, während er mit der Linken die lange Pfeife hielt, die rechte Hand auf den Rücken gelegt, und stieß, fast unbewußt, dichte blaue Dampfwolken wirbelnd aus. Auch sein Blick streifte zuweilen wie in schwerer Sorge den Sohn, obgleich dieser, in größter Gemütsruhe, nichts davon zu ahnen schien, daß das ernste, vielleicht sogar schmerzliche Grübeln des Vaters ihm oder seiner Zukunft gelten könne. Weshalb auch? Die Zigarre schmeckte ihm ausgezeichnet, der Kaffee ebenfalls – in der Zeitung stand nicht das Geringste, was ihn hätte aufregen oder betrüben können – er bekümmerte sich nicht einmal um Politik – was sonst also sollte eine Falte auf seine Stirn rufen?
Fritz Wessel war einer der beliebtesten Porträtmaler in der ganzen Stadt, und seine Arbeit, besonders in Kinderbildern, so gesucht, daß er jeden geforderten Preis bekam und dann noch nicht einmal alle ihm übertragene Arbeit bewältigen konnte. Außerdem galt sein Vater, – die Mutter hatte er schon vor langen Jahren verloren – wenn nicht gerade für reich, doch für sehr wohlhabend, und er als einziger Sohn besaß in dem eigenen Hause ein prächtiges und bequem eingerichtetes Atelier, in dem er ungestört schaffen konnte. Fritz Wessel ließ denn auch die Zeit ruhig an sich kommen, und da er sich selber niemals Sorge machte, dachte er natürlich nicht daran, daß ein anderer das für ihn tun könne.
Der Regierungsrat mußte aber in der Tat Ähnliches auf dem Herzen haben. Er blieb ein paarmal stehen, nahm die Pfeife aus dem Mund und sah seinen Sohn gerade so an, als ob er etwas mit ihm zu besprechen wünsche; und doch setzte er seinen Spaziergang imme