1.
Die Farm in Texas.
In den Jahren 1841 und 1842 war es, daß sich die westlichen Ansiedler der Vereinigten Staaten von Nordamerika genötigt sahen, gegen das überhandnehmende Gesindel der Pferdediebe und Buschklepper selber energisch aufzutreten, denn die Gesetze konnten oder wollten sie nicht mehr darin schützen. Ein Verbrechen nach dem andern wurde verübt, ohne daß man der Verbrecher habhaft werden konnte, und geschah das wirklich einmal, so erhielten diese fast stets durch bestechliche Advokaten und falsche Zeugen ihre Freiheit wieder und trieben ihr Unwesen ärger als je.
Damals bildeten sich, endlich zum äußersten getrieben, besonders in Missouri und Arkansas, Vereine von Männern, die sich Regulatoren nannten und ihre furchtbaren Gerichte im freien Walde hielten. Jetzt half dem Gesindel kein erkaufter Advokat, kein heimlicher Genosse mehr; man dachte gar nicht daran, sie den machtlosen Gerichten des Staates zu überliefern. War einer der Burschen ertappt, so fand er sich plötzlich den furchtbaren Rächern gegenüber, und er wurde, wenn er überführt, je nach dem Frevel, den er verübt – entweder ausgepeitscht und aus dem Staat gewiesen, oder auch noch viel häufiger am nächsten Baum aufgehangen.
Das half. Das Gesindel fand bald, daß gerade der Staat, in dem es sich sonst am freiesten und ungestörtesten bewegt, Arkansas, zu heiß für sie wurde. Schon der Name Regulator schreckte sie aus ihrer sicheren Ruhe auf, und was sich irgend noch retten konnte, floh nach dem benachbarten Texas hinüber, das, noch wilder als Arkansas, ihnen vorläufige Sicherheit und ein offenes Feld für ihr rechtloses Leben bot.
Schon in damaliger Zeit betrachteten aber die Amerikaner Texas als ihr Eigentum, wenn es auch erst dem späteren Kriege mit Mexiko, im Jahre 1846, vorbehalten blieb, das weite reiche Land für immer der spanischen Rasse zu entreißen und der Union als Staat einzuverleiben. Viele Amerikaner hatten sich deshalb schon dort angesiedelt, und im Innern entstanden Farmen und Kolonien, und wurden Plantagen und Städte angelegt. Trotzdem war das eigentliche Texas noch ein entsetzlich wildes Land. Zahlreiche Indianerhorden lebten im Innern von Jagd und Fischfang, und es gehörte wirklich der zähe, ausdauernde Charakter amerikanischer Backwoodsmen oder Hinterwäldler dazu, um mit Frau und Kind in eine solche Wildnis zu ziehen und sich dort häuslich niederzulassen.
Wilde Nachbarschaft fanden sie da jedenfalls genug, und zu den Indianern und Squattern gesellten sich dann noch, besonders in jenen Jahren, die aus den Staaten ausgestoßenen Individuen: flüchtige Pferdediebe und Straßenräuber, bankerotte Kaufleute, entflohene Sklaven, Deserteure und Kassendiebe, kurz alle die im Osten ein Verbrechen verübt und Entdeckung fürchteten, oder sich sonst lästigen Verbindlichkeiten entziehen wollten. Brauchten sie ja doch auch nur den Redriver zu kreuzen und in diese weiten Wälder einzutauchen, um vor einer Verfolgung, die aber auch nur in den seltensten Fällen versucht wurde, vollständig sicher zu sein.
Er ist nach Texas gegangen, lautete denn auch in damaliger Zeit die allgemeine Redensart für solche, die plötzlich von dem Schauplatz eben nicht ruhmvoller Taten verschwanden, und go to Texas! war gleichbedeutend mit geh zum Teufel!
Und trotzdem bildete sich schon damals in dem weiten, herrlichen Land der Kern einer tüchtigen Bevölkerung, der anwuchs und sich mehrte, bis er imstande war, seine Unabhängigkeit zu erklären und offen die Waffen gegen das faule mexikanische Regiment zu ergreifen. Freilich mußte es erst einen Gärungsprozeß durchmachen, welcher es von vielen Schlacken läuterte, und dieser verlang