Kapitel 1
Dort, wo der Wabasch die beiden Bruderstaaten Illinois und Indiana voneinander scheidet und seine klaren Fluten dem Ohio zuführt, wo er sich bald zwischen steilen Felsufern, bald zwischen blühenden Matten und blumigen Prärien oder auch unter dem ernsten Schatten und feierlichen Schweigen des dunklen Urwaldes murmelnd und plätschernd durch tausend stille Buchten drängt, mit dem Schilf und mit einzelnen schwankenden Weidenbüschen spielt und tändelt, hier bald leise und behaglich über runde Kiesel und grüne Rasen flecken dahingleitet, bald wieder plötzlich wie in tollem Mutwillen herausschießt in die Mitte des Bettes und dort, von der Gegenströmung erfaßt, kleine blitzende Wellen schlägt und glitzert und funkelt: da lagen im Frühling des Jahres 184–, die Büchsen neben sich in das schwellende Gras geworfen, zwei Männer auf einer dichtbewaldeten Anhöhe. Im Süden stemmte sich der Bergrücken dem Lauf des Stromes entgegen und zwang ihn, brausend und scheinbar unwillig über die trotzige Hemmung, wieder seitab zu fluten; mußte er doch den starren Gesellen umgehen, der weder durch das leise, schmeichelnde Plätschern der Wellen, noch durch den mächtigen Andrang der zornig aufgeschwellten Wasser hatte bewogen werden können, auch nur einen Zollbreit seines behaupteten Grundgebiets preiszugeben.
Der eine der Männer war noch jung und kräftig, kaum älter als drei- oder vierundzwanzig Jahre, und seine Tracht verriet eher den Bootsmann als den Jäger. Der kleine, runde und niedere Wachstuchhut mit dem breiten, flatternden Band darum saß ihm keck und leicht auf den krausen, blonden Haaren. Die blaue Matrosenjacke umschloß ein Paar Schultern, deren sich ein Herkules nicht hätte zu schämen brauchen, und das rotwollene Hemd wurde von einem schwarzen, seidenen Halstuch, wie die weißen, segeltuchenen Beinkleider von einem schmalen, festgeschnallten Gürtel über den Hüften zusammengehalten. Dieser trug zu gleicher Zeit noch die lederne Scheide mit dem einfachen Schiffsmesser und vollendete den seemännischen Anzug des Fremden.
Daß er aber auch in den Wäldern heimisch war, bewiesen die sauber gearbeiteten Mokassins, mit denen seine Füße bekleidet waren, wie die von seiner Hand erlegte Beute, ein stattlicher junger Bär, der vor ihm ausgestreckt auf dem blutgefärbten Rasen lag. Ein großer, schwarz und grau gestreifter Schweißhund aber saß daneben und hielt die klugen Augen noch immer fest auf das glücklich erjagte Wild geheftet. Die heraushängende Zunge, das schnelle heftige Atmen des Tieres, ja sogar ein nicht unbedeutender Fleischriß an der linken Schulter, von dem die klaren Blutstropfen noch langsam niederfielen, bewiesen, wie schwer ihm die Jagd geworden war und wie teuer er den Sieg über den stärkeren Feind erkauft hatte.
Der zweite Jäger, ein Greis von einigen sechzig Jahren, wurde zwar an Körperkraft und Stärke von seinem jüngeren Begleiter übertroffen, trotzdem sah man aber keiner seiner Bewegungen das