: Friedrich Gerstäcker
: General Franco Lebensbilder aus Ecuador
: OTB eBook publishing
: 9783965374515
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 402
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Excerpt: 'Bodegas, das sonst so friedliche, sonngebrannte Städtchen, das, am Bodegasstrom unweit Guajaquil belegen, den eigentlichen Centralpunkt für den ganzen Binnenhandel der Republik bildet, befand sich heute in einer fast fieberhaften Aufregung, und während überall kleine Trupps wild genug aussehender Soldaten mit klingendem Spiel einherzogen, sammelten sich die Bürger und zahlreiche Arrieros und Maulthiertreiber in Gruppen und betrachteten mißtrauisch das geräuschvolle Leben um sich her. Grund dazu hatten sie auch wahrlich genug. Heute war nämlich zu noch ganz früher Stunde der ecuadorianische Usurpator, General Franco, der sich am liebsten Excellenz, als künftiger Präsident, tituliren ließ, eingerückt, um Bodegas zu seinem Hauptquartier zu machen und von hier aus seine Operationen gegen die Hauptstadt des Reiches, gegen Quito, zu beginnen, und heute schon sollte ein junger quitenischer Officier, den man noch in Bodegas angetroffen und jetzt beschuldigte, ein Spion des Generals Flores zu sein, standrechtlich erschossen werden. Ganz Bodegas war dazu auf den Füßen, aber wahrlich nicht allein aus Neugier, um das blutige Schauspiel mit anzusehen, sondern mehr aus einem Gefühl eigener Beunruhigung, denn was hier einem vollkommen unschuldigen Manne geschah, konnte unter der Willkür dieses Menschen jedem Andern von ihnen auch geschehen. Und wer hätte sich ihm widersetzen wollen?'

1.


Die Familie Buscada.

Bodegas, das sonst so friedliche, sonngebrannte Städtchen, das, am Bodegasstrom unweit Guajaquil belegen, den eigentlichen Centralpunkt für den ganzen Binnenhandel der Republik bildet, befand sich heute in einer fast fieberhaften Aufregung, und während überall kleine Trupps wild genug aussehender Soldaten mit klingendem Spiel einherzogen, sammelten sich die Bürger und zahlreiche Arrieros und Maulthiertreiber in Gruppen und betrachteten mißtrauisch das geräuschvolle Leben um sich her. Grund dazu hatten sie auch wahrlich genug.

Heute war nämlich zu noch ganz früher Stunde der ecuadorianische Usurpator,General Franco, der sich am liebsten Excellenz, als künftiger Präsident, tituliren ließ, eingerückt, um Bodegas zu seinem Hauptquartier zu machen und von hier aus seine Operationen gegen die Hauptstadt des Reiches, gegen Quito, zu beginnen, und heute schon sollte ein junger quitenischer Officier, den man noch in Bodegas angetroffen und jetzt beschuldigte, ein Spion des Generals Flores zu sein, standrechtlich erschossen werden.

Ganz Bodegas war dazu auf den Füßen, aber wahrlich nicht allein aus Neugier, um das blutige Schauspiel mit anzusehen, sondern mehr aus einem Gefühl eigener Beunruhigung, denn was hier einem vollkommen unschuldigen Manne geschah, konnte unter der Willkürdieses Menschen jedem Andern von ihnen auch geschehen. Und wer hätte sich ihm widersetzen wollen?

Mit einer Horde gedungenen Gesindels behauptete er seine Macht in diesem südlichen Theile der Republik. Die uniformirten und bewaffneten Banden waren aber, wenngleich schlecht bezahlt und lediglich auf diePlünderung der reichen Stadt Quito vertröstet, doch dem Usurpator so ergeben, daß er mit ihnen machen konnte, was er wollte – und das wußte er. Nur durch den Schrecken, durch die Furcht, die er um sich her verbreitete, regierte er, und weil er vielleicht ahnte, daß das eigentliche Volk doch im Herzen der quitenischen Regierung ergeben sei undseine Herrschaft nur gezwungen duldete, nutzte er die so gewonnene, unbeschränkte Gewalt in boshafter Schadenfreude auch jetzt gründlich aus.

Umsonst hatte man deshalb auch schon Alles an diesem Morgen versucht, um das Herz des Generals zur Milde gegen den Unglücklichen zu stimmen. Umsonst erbot sich eine Deputation der Einwohner, Bürgschaft für ihn zu leisten. Es lag kein anderer Beweis gegen ihn vor, als daß man ihn, nachdem ein kleiner Trupp quitenischer Soldaten, der Uebermacht weichend, abgezogen, allein noch in Bodegas – Morgens um sieben Uhr – aufgefunden. Franco selber glaubte vielleicht nicht einmal an seine Schuld, aber auf alle Bitten erwiderte er nur: man müsse ein Exempel statuiren, um diesen vermaledeiten Quitenern zu zeigen,was sie zu erwarten hätten, wenn sie sich nicht gutwillig seinem milden Scepter unterwürfen – und dabei blieb es.

Die Execution war geschlossen, selbst ohne eine nicht für nöthig erachtete Untersuchung, und um elf Uhr sollte der Unglückliche draußen vor der Stadt erschossen werden.

In Bodegas hatte sich indessen ein so wunderliches wie romantisches Gerücht verbreitet, daß jener junge quitenische Officier BenitoEspinoza nicht etwa der Politik sondern derEifersucht des Generals zum Opfer falle. Franco hatte nämlich in demselben Haus, in dem er sich jetzt auch wieder einquartirt, bei der Señora Buscada, schon vor einigen