: Friedrich Gerstäcker
: Señor Aguila
: OTB eBook publishing
: 9783965374577
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 396
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Excerpt: 'Wunderbare Inselwelt! Wie still und friedlich schlummerst du da draußen im weiten Ozean, gegen dessen bäumende Wogen dich der Korallengürtel deiner Riffe schützt! Ein kleines Paradies ein jedes Eiland, von einem sonnigen Himmel überspannt, ein sorglos heiteres, zufriedenes Völkchen bergend. Dort lebte ein Menschenstamm, der wirklich glücklich war, der alles hatte, was er zum Leben brauchte – nicht mehr, nicht weniger, und doch auch gerade wieder wenig genug, um nicht die Habgier anderer Menschen zu reizen. Kokospalmen und Brotfruchtbäume deckten sein fruchtbares Land; das stille Binnenwasser zwischen den Riffen barg Fische im Überfluß, die wenigen Kleidungsstücke lieferte die zähe Rinde seiner Bäume, den Schmuck für seine jungen Mädchen der nächste Blütenbusch – und Sorgen? Sie hatten das Wort nicht einmal in ihrer Sprache, sie kannten die Bedeutung nicht, und wenn die Sonne abends ins Meer versank, sammelte sich das fröhliche, blumengeschmückte Volk zum Tanz – und träumte nachher dem anderen Tag entgegen. Glückliches Volk! Glücklich, weil es ungekannt, unbeachtet und nur sich selber überlassen dort draußen auf seinen Palmeninseln hauste! Dann kamen die Schiffe der weißen Männer, dann kam die christliche Religion, dann kamen Kisten mit Tand, mit Glaskorallen und Spiegeln, die ihre Habgier weckten – dann kam fremdes, nichtsnutziges Gesindel, das sich zwischen ihnen niederließ, und wo war das Glück – wo der Friede geblieben?'

In der Südsee


Wunderbare Inselwelt! Wie still und friedlich schlummerst du da draußen im weiten Ozean, gegen dessen bäumende Wogen dich der Korallengürtel deiner Riffe schützt! Ein kleines Paradies ein jedes Eiland, von einem sonnigen Himmel überspannt, ein sorglos heiteres, zufriedenes Völkchen bergend.

Dort lebte ein Menschenstamm, der wirklich glücklich war, der alles hatte, was er zum Leben brauchte – nicht mehr, nicht weniger, und doch auch gerade wieder wenig genug, um nicht die Habgier anderer Menschen zu reizen.

Kokospalmen und Brotfruchtbäume deckten sein fruchtbares Land; das stille Binnenwasser zwischen den Riffen barg Fische im Überfluß, die wenigen Kleidungsstücke lieferte die zähe Rinde seiner Bäume, den Schmuck für seine jungen Mädchen der nächste Blütenbusch – und Sorgen? Sie hatten das Wort nicht einmal in ihrer Sprache, sie kannten die Bedeutung nicht, und wenn die Sonne abends ins Meer versank, sammelte sich das fröhliche, blumengeschmückte Volk zum Tanz – und träumte nachher dem anderen Tag entgegen.

Glückliches Volk! Glücklich, weil es ungekannt, unbeachtet und nur sich selber überlassen dort draußen auf seinen Palmeninseln hauste! Dann kamen die Schiffe der weißen Männer, dann kam die christliche Religion, dann kamen Kisten mit Tand, mit Glaskorallen und Spiegeln, die ihre Habgier weckten – dann kam fremdes, nichtsnutziges Gesindel, das sich zwischen ihnen niederließ, und wo war das Glück – wo der Friede geblieben?

Aber das leichte, sorglose Element schwamm dennoch oben. Besser waren sie durch den Verkehr mit den Fremden nicht geworden, glücklicher auch nicht, aber das Leben hatte einen neuen Reiz gewonnen – sie hatten hoffen und auch einen unbestimmten Drang nach außen kennengelernt. Früher waren die Riffe, die ihre Insel umgaben, die äußersten Grenzen ihrer Fahrten, ja, ihres ganzen Strebens gewesen – jetzt sehnten und dachten sie darüber hinaus, und ihr ungeduldiger Blick strich oft über den weiten Horizont, ob sie nicht ein Schiff der Fremden erspähen konnten, das ihnen neuen Tand und – neue Sünden, neue Bedürfnisse brachte. Kokosnuß und Brotfrucht, ja, das war alles recht schön und gut, aber Tabak und Branntwein gaben doch erst dem Leben die rechte Würze. Und die jungen Mädchen und Frauen, die früher draußen im schattigen Hain, von den jungen Leuten umlagert, gesessen hatten, um ihre TapaF1 zu klopfen, und die dabei aus der Arbeit ein Fest machten – was brauchten sie jetzt noch zu arbeiten, wo ihnen die Fremden viel weichere, prächtig bunte Stoffe brachten und nichts dafür forderten, als was an ihren Bäumen reichlich wuchs, Kokosnüsse und Brotfrucht!

Trotzdem aber sehnten sich die Eingeborenen nicht fort von ihren schönen Inseln, sooft sie auch dazu von dann und wann anlegenden Walfischfängern verlockt wurden. Was sollten sie auch draußen? Arbeiten? Die härteste Arbeit, die sie kannten, war, eine Kokospalme zu ersteigen und die saftgefüllten Früchte hinabzuwerfen, oder draußen auf dem stillen Binnenwasser in ihrem Kanu zu schaukeln, um mit dem nachschleifenden Perlmutterhaken Bonitos und Albicores zu fangen. Ja, die Frauen klopften wohl auch noch dann und wann einmal ein Stück Tapa aus, flochten eine Matte oder schliffen mit Korallensand unter Wasser ein paar Kokosschalen zu Trinkbechern aus – aber die Männer? Vielleicht daß sie einmal ihr Dach ausbesserten, wenn ihnen der durchdringende Regen zu unbequem wurde, oder eine kleine Grube auswarfen, um in ihr mit heißen Steinen ein von