: Arthur Conan Doyle
: Sherlock Holmes - Der Bund der Rothaarigen und andere Detektivgeschichten, illustrierte Fassung
: OTB eBook publishing
: 9783965373235
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 144
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dieser Band beinhaltet folgende Kurzgeschichten: Ein Skandal in Böhmen (A Scandal in Bohemia). Sherlock Holmes muss einen Skandal im europäischen Hochadel verhindern. Dabei macht er die Bekanntschaft mit der berüchtigten Abenteurerin Irene Adler. Der Bund der Rothaarigen (The Red-Headed League). Der klamme und rothaarige Jabez Wilson antwortet auf eine dubiöse Annonce, in der einem rothaarigen Herrn ein lukrativer Job in Aussicht gestellt wird. Wird Holmes das Geheimnis ergründen? Der Mord im Tale von Boscombe (The Boscombe Valley Mystery). Sherlock Holmes und Dr. Watson brechen auf, um den Mord an Charles McCarthy zu untersuchen. Der Tat verdächtigt wird dessen Sohn James, doch der bestreitet alles. Eine sonderbare Anstellung (The Stockbroker’s Clerk). Holmes und Watson bekommen Besuch in der Baker Street: Hall Pycroft, ein alter Freund, hat ein Problem. Nach langer Arbeitslosigkeit hat dieser gleich zwei äußerst lukrative Jobangebote erhalten. Das weckt Misstrauen. Der Mann mit der Schramme (The Man with the Twisted Lip). Im Hafenviertel verschwindet der angesehene Gentleman Neville St. Clair spurlos. Alle Beweise sprechen für Mord und der einzige Verdächtige ist ein entstellter Bettler. Aber wo ist die Leiche? Und was ist das Motiv? Die Geschichte des blauen Karfunkels (The Blue Carbuncle) Der Kommissionär Peterson gelangt zufällig in den Besitz einer Weihnachtsgans, in der er einen wertvollen Edelstein findet. Dieser wurde kurz zuvor offensichtlich einer Gräfin gestohlen. Wie wird Holmes dieses Rätsel lösen, wenn ihm als Hinweis nur ein Hut verbleibt? (Goodreads)

Ein Skandal in Böhmen


I.

Ich war damals erst kurz verheiratet und hatte darum eine Zeit lang nur wenig von meinem Freunde Sherlock Holmes gesehen. Mein eigenes Glück und meine häuslichen Interessen nahmen mich völlig gefangen, wie es wohl jedem Mann ergehen wird, der sich ein eigenes Heim gegründet hat, während Holmes, seiner Zigeunernatur entsprechend, jeder Art von Geselligkeit aus dem Wege ging. Er wohnte noch immer in unserem alten Logis in der Baker Street, begrub sich unter seinen alten Büchern und wechselte zwischen Kokain und Ehrgeiz, zwischen künstlicher Erschlaffung und der aufflammenden Energie seiner scharfsinnigen Natur. Noch immer wandte er dem Verbrecherstudium sein ganzes Interesse zu, und seine bedeutenden Fähigkeiten, sowie seine ungewöhnliche Beobachtungsgabe ließen ihn den Schlüssel zu Geheimnissen finden, welche die Polizei längst als hoffnungslos aufgegeben hatte. Von Zeit zu Zeit drang irgend ein unbestimmtes Gerücht über seine Tätigkeit zu mir. Ich hörte von seiner Berufung nach Odessa wegen der Mordaffäre Trepoff, von seiner Aufklärung der einzig dastehenden Tragödie der Gebrüder Atkinson in Trincomalee und schließlich von der Mission, die er im Auftrage des holländischen Herrscherhauses so taktvoll und erfolgreich zu Ende geführt hatte. Sonst wusste ich von meinem alten Freund und Gefährten wenig mehr als alle Leser der täglichen Zeitungen.

Eines Abends, es war der 20. März 1888, führte mich mein Weg durch die Baker Street; ich kam gerade von einer Konsultation her, da ich wieder meine Privatpraxis aufgenommen hatte. Als ich mich der wohlbekannten Tür näherte, ergriff mich der unwiderstehliche Drang, Holmes aufzusuchen, um zu erfahren, welcher Angelegenheit er augenblicklich sein außergewöhnliches Talent widmete. Seine Zimmer waren glänzend erleuchtet, und beim Hinaufsehen gewahrte ich den Schatten seiner großen, mageren Gestalt. Den Kopf auf die Brust gesenkt und die Hände auf dem Rücken, durchmaß er schnell und eifrig das Zimmer. Ich kannte seine Stimmungen und Angewohnheiten viel zu genau, um nicht sofort zu wissen, dass er wieder in voller Tätigkeit war. Er hatte sich aus seinen künstlich erzeugten Träumen emporgerafft und war nun einem neuen Rätsel auf der Spur. Ich läutete sofort und wurde in das Zimmer geführt, das ich früher mit ihm geteilt hatte.

Sein Benehmen war nicht übermäßig herzlich zu nennen. Das war bei ihm überhaupt selten der Fall, und doch hatte ich das Gefühl, dass er sich freute, mich zu sehen. Er sprach kaum ein Wort, aber nötigte mich mit freundlichem Gesicht in einen Lehnstuhl, reichte mir seinen Zigarrenkasten herüber und zeigte auf ein Likörschränkchen in der Ecke. Dann stellte er sich vor das Feuer und betrachtete mich in seiner sonderbar forschenden Manier.

»Die Ehe bekommt dir, Watson«, bemerkte er. »Ich glaube, du hast siebeneinhalb Pfund zugenommen, seit ich dich zuletzt sah.«

»Sieben«, antwortete ich.

»Wirklich? Ich hätte es für etwas mehr gehalten. Nur eine Kleinigkeit mehr, Watson. Und du praktizierst wieder, wie ich bemerke; du erzähltest mir nichts von deiner Absicht, wieder ins Joch gehen zu wollen.«

»Woher weißt du es denn?«

»Ich sehe es, ich folgere es eben. Ich weiß auch, dass du kürzlich in einem tüchtigen Unwetter draußen gewesen bist, und dass du ein sehr ungeschicktes, nachlässiges Dienstmädchen haben musst.«

»Mein lieber Holmes«, sagte ich, »nun hör’ auf; vor einigen Jahrhunderten würden sie dich wahrscheinlich verbrannt haben. Ich habe allerdings am vorigen Donnerstag eine Landtour gemacht und kam furchtbar durchnässt und beschmutzt nach Hause, aber woraus du das schließen willst, weiß ich doch nicht, da ich ja sofort meine Kleider wechselte. Und unser Mädchen ist wirk