: Arthur Conan Doyle
: Sherlock Holmes - Sein letzter Fall und andere Geschichten, illustrierte Fassung
: OTB eBook publishing
: 9783965373228
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 149
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dieser Band beinhaltet folgende Kurzgeschichten: 'Fünf Apfelsinenkerne' ('The Five Orange Pips') Sherlock Holmes und Dr. Watson werden von dem jungen John Openshaw um Hilfe gebeten. Sein Onkel und sein Vater starben nach dem Erhalt fünf getrockneter Apfelsinenkerne, 'Der Katechismus der Familie Musgrave' ('The Musgrave Ritual' Holmes erzählt Watson von einem seiner ersten Aufträge: Reginald Musgrave, ein Bekannter aus Sherlocks College-Zeiten, bat ihn damals um Hilfe.'Die Gutsherren von Reigate' ('The Reigate Puzzle' Holmes befindet sich zur Erholung auf dem Lande. Der Einbruch bei einem der Gutsherren weckt sein Interesse und gegen Dr. Watsons Rat macht er sich auf, den Fall zu lösen. 'Der Krüppel' ('The Crooked Man' Colonel Barclay wird in einem verschlossenen Raum tot aufgefunden, neben ihm seine ohnmächtige Frau. Ist sie die Schuldige 'Der Doktor und sein Patient' ('The Resident Patient') Der junge Arzt Percy Trevelyan wendet sich an Sherlock Holmes, da er sich um seinen Dauerpatienten Blessington sorgt. Kurz darauf wird dieser in seinem Zimmer gefunden, er hat sich offenbar erhängt. 'Der Marinevertrag' ('The Naval Treaty') Percy Phelps, ein ehemaliger Schulkamerad Dr. Watsons, erbittet Hilfe. Dem Regierungsangestellten wurde ein brisantes Dokument gestohlen. 'Sein letzter Fall' ('The Final Problem') Professor James Moriarty, der 'Napoleon des Verbrechens' droht seinem Widersacher Holmes mit Vergeltung. Holmes sieht ein, dass eine finale Konfrontation zwischen den beiden genialen Widersachern unausweichlich ist. (Amazon)

Der Katechismus1 der Familie Musgrave


Unter den mancherlei Widersprüchen im Charakter meines Freundes Sherlock Holmes war mir einer immer besonders auffallend. Es gab wohl in geistiger Beziehung keinen methodischeren Menschen auf Erden als ihn, und auch was den Anzug betraf, trug er stets eine gewisse Genauigkeit und Pünktlichkeit zur Schau. Trotzdem war er aber im täglichen Leben so unordentlich, dass es seinen Stubengefährten zur Verzweiflung treiben konnte.

Ich selbst hänge durchaus nicht zu sehr an Äußerlichkeiten. Das raue, harte Leben in Afghanistan, vereint mit meinem natürlichen Hang zur Ungebundenheit, hat mich in manchen Dingen weit nachlässiger gemacht, als es sich eigentlich für einen Mediziner schickt. Aber immerhin beobachte ich gewisse Grenzen, und wenn ich mit jemand zusammenwohne, der seine Zigarren im Kohlenkasten und den Tabak in einem persischen Pantoffel aufbewahrt und der seine unbeantworteten Briefe mit dem Jagdmesser einfach an dem hölzernen Kaminsims aufspießt, dann komme ich mir, im Vergleich zu ihm, musterhaft ordentlich vor. Auch bin ich stets der Meinung gewesen, dass, wer sich im Pistolenschießen üben will, es draußen im Freien tun sollte; wenn sich daher Holmes in einer seiner wunderlichen Stimmungen mit der Schießwaffe und hundert Stück Patronen in den Lehnstuhl setzte und auf die Wand gegenüber, als Verzierung, seinen Namenszug mit Kugelnarben einschrieb, so wurde dadurch, meiner Überzeugung nach, weder die Luft noch das Aussehen unseres Zimmers verbessert.

Unsere Wohnung war voller Chemikalien und allerlei Andenken an Kriminalfälle, die sich überall herumtrieben und oft in der Butterdose oder an noch unpassenderen Orten auftauchten. Mein größtes Kreuz waren aber seine Papiere. Ein Schriftstück zu vernichten widerstand ihm im höchsten Grade, besonders wenn es sich auf einen seiner interessanten Fälle bezog, und doch brachte er es höchstens einmal alle Jahre zu dem Entschluss, die Sachen durchzusehen und zu ordnen. Wie ich schon öfters erwähnt habe, folgten bei ihm auf die Tage leidenschaftlicher Erregung, in denen er die merkwürdigen Taten vollbrachte, die seinen Namen berühmt gemacht haben, Zeiten völliger Erschlaffung. Er lag dann meist mit der Geige und seinen Büchern auf dem Sofa und rührte sich kaum vom Fleck, außer um sich zur Mahlzeit an den Tisch zu setzen. So häuften sich also seine Papiere von einem Monat zum anderen auf, bis es keinen Winkel des Zimmers mehr gab, in dem nicht Bündel von Manuskripten umherlagen, die unter keiner Bedingung verbrannt werden durften und über die, außer ihrem Eigentümer, niemand verfügen konnte.

Als wir einmal an einem Winterabend miteinander beim Kamin saßen, erlaubte ich mir die Bemerkung, er werde nun wohl genug Auszüge von Kriminalakten in sein Sammelbuch geklebt haben und solle die nächsten zwei Stunden dazu verwenden, unser Wohnzimmer nur einigermaßen aufzuräumen und einen menschlichen Zustand herzustellen. Dass mein Verlangen vollständig gerechtfertigt war, ließ sich nicht leugnen; so begab sich denn Holmes mit einem sehr langen Gesicht in seine Schlafstube, und als er gleich darauf wiederkam, schleifte er einen großen Blechkoffer hinter sich drein. Er stellte ihn mitten ins Zimmer, kauerte sich auf einen Schemel daneben und schlug den Deckel zurück. Der Koffer war etwa zu einem Drittel mit vielen einzelnen rotverschnürten Papierbündeln angefüllt.

»Hier gibt’s Fälle im Überfluss, Watson«, sagte mein Freund mit schlauem Lächeln. »Wenn du wüsstest, was ich alles in diesem Koffer habe, du bätest mich vielleicht, ein paar Pakete herauszunehmen, statt noch mehr hineinzulegen.«

»Das sind wohl die Akten über deine älteren Sachen?«, fragte ich. »Schon oft habe ich mir gewünscht, Auszüge davon zu besitzen.«

»Jawohl, mein Junge, das sind la