I. Der Mann aus Amerika.
Es war ein hohes gotisches Fenster, wie man es gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts in Paris allgemein fand. Über dem breiten Querbalken, der es durchschnitt, war ein zierliches Wappenschild – drei rote Disteln auf Silbergrund – in die rautenförmige Scheibe eingelassen. Darunter ragte eine starke Eisenstange hervor, von der das vergoldete Miniaturbild eines Wollballens herabhing, das sich bei jedem Windstoß knarrend hin und her bewegte. Gegenüber lagen hohe, schmale, stattliche Häuser, deren Fassaden mit kunstreichen Holzverzierungen geschmückt und von spitzem Giebelwerk und Ecktürmchen überragt wurden. Dazwischen lag das holprige Pflaster der Straße St. Martin, von dem das Geräusch zahlloser Fußtritte heraufschallte.
Innerhalb der Fenstervertiefung befand sich eine breite, mit braunem gepresstem Leder ausgeschlagene Bank, auf der die Hausgenossen es sich bequem machen und hinter den Vorhängen alles beobachten konnten, was in der geschäftigen Welt zu ihren Füßen vorging. Heute saßen zwei Personen in diesem lauschigen Winkel: ein Herr und eine Dame, aber sie hatten den Vorgängen draußen den Rücken und dem behaglich eingerichteten, großen Gemache das Antlitz zugewandt. Von Zeit zu Zeit sahen sie einander an, und ihre Augen zeigten klärlich, dass sie keines anderen Anblicks bedurften, um glücklich zu sein.
Das durfte auch nicht wunder nehmen, denn sie waren ein schönes Paar. Sie war sehr jung, höchstens zwanzig Jahr alt. Das schimmernde Weiß ihres schönen Gesichts machte den Eindruck einer Reinheit und Unschuld, die man auch nicht durch einen Hauch aufdringlicher Farbe hätte beeinträchtigt sehen mögen. Ihre Züge waren feingeschnitten und lieblich; ihr blauschwarzes Haar und ihre langen dunklen Wimpern bildeten einen anziehenden Kontrast mit den träumerischen grauen Augen und der elfenbeinartigen Haut. Die Ruhe und Zurückhaltung, die über ihrem ganzen Wesen lag, prägte sich auch in ihrer Tracht aus, einem einfachen schwarzen Taffetkleide, dessen einziger Schmuck in einer Brosche aus Jet und einem ebensolchen Armbande bestand. Das warAdèle Catinat, die einzige Tochter des großen hugenottischen Tuchhändlers.
Gegen den dunklen, schlichten Anzug des jungen Mädchens stach die Pracht ihres Gefährten seltsam ab. Er mochte etwa zehn Jahre älter sein, als sie. Sein Gesicht verriet den Soldaten: seine ausdrucksvolle Züge, ein s