Algerien 1909
Am Institut Pasteur in Tunis, in dem heute noch Impfstoffe produziert werden, entdecken die Ärzte Nicolle und Manceaux 1909 Toxoplasma gondii. „Das“ Instrument schlechthin dafür ist das Lichtmikroskop, das Mikroskopieren wird zu dieser Zeit ganz selbstverständlich von vielen Ärzten und Forschern ausgeübt. Sie untersuchen Gewebsproben eines verendeten „Gundi“ (ein kleines Nagetier in Meerschweinchengröße) und finden dort seltsame kommaförmige Mikroorganismen, die in den Geweben Zysten bilden und sich nicht wirklich wie Bakterien verhalten. Sie stufen ihre Entdeckung als Protoplasmen (kleinste einzellige Tierchen) ein und nennen sie „Toxoplasma gondii“ (ein Schreibfehler), also etwa „gekrümmtes Wesen im Gundi“. Sie können dazu einen Artikel mit dem TitelSur un protozoario nouveau du gondii in einer angesehenen Fachzeitschrift veröffentlichen (88). Da auch andere Kollegen mikroskopieren, werden in den folgenden Jahren im Zusammenhang mit Krankheitsfällen auch beim Menschen Toxoplasmen mehrfach nachgewiesen und die daraus folgenden Erkrankungen beschrieben.
Prag, 1923, Tschechisches Kinderhospital
Ein Augenarzt, Josef Janků, beschreibt den traurigen Fall eines Kindes, das im Alter von 11 Monaten verstirbt. Es litt an einem „Hydrozephalus“, einer angeborenen Missbildung. In der Übersetzung ist dies ein „Wasserkopf“, ein unschönes aber sehr zutreffendes Wort, und es beschreibt eine Zirkulationsstörung des Hirnwassers, die zu einem Anschwellen des ganzen Kopfes führen kann. Im Augenhintergrund finden sich deutliche Zeichen einer Toxoplasmose. Dies gilt als der erste bewiesene Fall einer toxoplasmabedingten Erkrankung eines Menschen, auch gelingt dem Arzt das erste Foto von Toxoplasmen. Wir wissen heute, dass ein Hydrozephalus als Folge einer Toxoplasmainfektion im Mutterleib entstehen kann. Quelle: Janků, 1923 (66)
New York 1938, Babies Hospital
Am 23. Mai 1938 wird ein kleines Mädchen geboren, es ist krank und schon nach drei Tagen entwickelt sich eine Entzündung der Netzhaut beider Augen, das Kind verstirbt traurigerweise nach einem Monat. In Gewebsproben der Netzhaut und des Gehirnes wird Toxoplasma gondii nachgewiesen. Mit diesen Proben wird auch gezeigt, dass Toxoplasma gondii auf Versuchstiere übertragen werden kann. Dies ist wahrscheinlich der erste gesicherte Hinweis, dass es für diesen Parasiten keine biologische Grenze zwisc