Ich sehne mich nach meinen Tabletten, den täglichen Sitzungen mit meinem Psychiater, Doktor Voss. Für den Klinikfraß würde ich sterben.
Schaler Kaffee ohne Koffein.
Das Lallen meiner Mitpatienten. Das herrische Auftreten mancher Pfleger. Doktor Voss natürlich. Und – wie sehne ich mich nach ihr: Schwester Gisela.
Schwester Gisela war die Blüte des gesamten Klinikpersonals. Sobald sie Dienst hatte, ging die Sonne in meinem Herzen auf. Schwester Gisela war eine Wucht. Nicht nur vom Aussehen her. Die ganze Art und Weise wie sie mich und meine Mitinsassen behandelte – mit Respekt und, wie ich mir einredete: Liebe. Schwester Gisela gab uns die Zuneigung, die wir von keinem Menschen mehr erwarteten. Und ich spreche hier nicht von sexuellen Aufwartungen. Dergleichen hätte sie nie getan – und sie hatte es auch nicht nötig gehabt (wir hingegen schon, aber das änderte nichts). Schwester Gisela war einfach die gute Seele der Anstalt.
Doch das ist alles lang her. Viel ist passiert.
Jetzt befinde ich mich in einem U-Bahn-Schacht. Ich kann nicht behaupten, mich hier wohlzufühlen, aber hier unten ist es nicht ganz so schlimm wie auf der Erdoberfläche. Scheinbar verirren sich diese … diese Irren … nur selten hier hinunter.
Da gibt es einen Raum, den ich entdeckt habe. Es war wohl mal eine Art Überwachungsraum des Sicherheitspersonals der Verkehrsgesellschaft. Durch ein Fenster kann ich den Bahnsteig bis hinter zu den Rolltreppen überblicken. Monitore, die von einem unabhängigen Generator betrieben werden, geben mir den Überblick über den kompletten Bahnhof. Eine Art Notlicht hat hier alles in diffus mattes Rot getaucht. Es ist gespenstisch hier unten, aber sicher.
Hier kann ich schlafen. Essen. Leben. Das Gefährlichste ist der Weg nach oben. Die Suche nach neuer Nahrung. Noch habe ich zwei Dosen Ravioli. Schmecken kalt fast genauso scheußlich wie der Klinikfraß, nach dem ich mich so sehr sehne.
Während ich mich ausruhe, schreibe ich. Das Schreiben hilft. Falls