: Julia Arnhold, Hannah Hoppe
: Ausstieg aus Verhaltenssüchten Wie Schematherapie helfen kann Mit CD
: Junfermann Verlag
: 9783955718718
: 1
: CHF 32.60
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: Lebenshilfe, Alltag
: German
: 224
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn die Lust zur Sucht wird Haben Sie das Gefühl, bestimmte Aktivitäten in ihrem Ausmaß nicht mehr kontrollieren zu können? Ist zum Beispiel Surfen im Internet, Glücksspiel, Sex, Sport, Einkaufen oder Arbeiten zu Ihrem Lebensmittelpunkt geworden? Kreisen Ihre Gedanken ständig darum, wann Sie diesem Verhalten wieder nachkommen werden? Nicht nur Drogen, sondern auch Verhaltensweisen können süchtig machen. Und diese sogenannten Verhaltenssüchte gehen auf Dauer mit verheerenden gesundheitlichen und sozialen Schäden einher. Dieses Selbsthilfebuch ist zur selbstständigen Anwendung oder auch als Begleitung während einer Therapie geeignet. Auf Grundlage des schematherapeutischen Ansatzes und mithilfe von Reflexions- und Entspannungsübungen lernen Sie, Ihre wahren Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen. Sie erarbeiten sich Schritt für Schritt Strategien, mit den Herausforderungen des Lebens konstruktiv umzugehen, anstatt sie durch eine Flucht in die Verhaltenssucht zu kompensieren.

Dr. Julia Arnhold ist Verhaltens- und Schematherapeutin in eigener Praxis in Berlin. Hannah Hoppe ist Verhaltens- und Schematherapeutin in eigener Praxis in Köln und Leiterin des Schematherapie-Instituts Rhein-Ruhr sowie einer Lehrpraxis für Verhaltenstherapie in Köln.

2. Ich bin viele: das schematherapeutische Modus-Modell


2.1 Wunde Punkte


Gefühle sind universell und haben wichtige allgemeingültige Funktionen, wie wir inAbschnitt 1.3.1 gelernt haben. Jeder Mensch ist prinzipiell in der Lage, das gesamte Spektrum an Gefühlen zu empfinden. Worin wir uns jedoch unterscheiden, sind unsere „wunden Punkte“ und die Art und Weise, wie wir mit diesen wunden Punkten umgehen. Dass bei Ihnen ein wunder Punkt getroffen ist, merken Sie im Alltag daran, dass Sie emotional in einer so starken Art und Weise reagieren, dass es der Situation nicht mehr angemessen erscheint, weder Ihnen selbst noch anderen Menschen. Von anderen kommt vielleicht eine verwunderte Rückmeldung: „Ich kann schon verstehen, dass es dich trifft, wenn dein Freund kurzfristig eine Verabredung absagt, aber dass du gleich so verzweifelt bist und meinst, er hätte kein Interesse mehr an dir und könnte dich jeden Moment verlassen, das scheint mir doch etwas übertrieben.“ Ihnen selbst erscheint es mit einigem zeitlichen Abstand womöglich ebenso übertrieben. Das Gefühl selbst passt zur Situation und ist nachvollziehbar, die Intensität jedoch nicht. Die Heftigkeit des Gefühls erinnert eher an das Erleben eines Kindes als an das eines Erwachsenen. Und wenn wir den wunden Punkten nachgehen, ihren Ursprung erforschen, kommen wir meist genau dort an: bei dem Kind, das (um in diesem Beispiel zu bleiben) immer wieder erlebt hat, dass wichtige Bezugspersonen nicht verlässlich verfügbar sind oder plötzlich einfach verschwinden. Es hat immer wieder erlebt, wie es ist, verlassen zu sein. Für ein Kind ist Verlassenheit eine sehr starke Bedrohung, da es körperlich wie emotional davon abhängig ist, dass sich jemand um es kümmert und es versorgt (emotionales Grundbedürfnis nach sicherer Bindung,Abschnitt 1.3.2).

Oder denken Sie an einen kleinen Jungen, der von seiner Mutter und / oder einem Lehrer immer wieder herabgewürdigt und gedemütigt wird. Er fühlt sich klein, ungenügend und minderwertig. Schon als Jugendlicher flüchtet er sich in Computerspiele. In den virtuellen Welten erlebt er ein Gefühl von Größe und Erfolg, wenn er immer höhere Level erreicht und Gegner besiegt. Im Erwachsenenalter ist er in seiner Ehe häufig unglücklich, weil seine Frau beruflich und sozial sehr eingebunden und viel beschäftigt ist. Sie ist sehr erfolgreich und beliebt. Wann immer zur Sprache kommt, dass sie ein höheres Einkommen hat und auch häufiger zu sozialen Anlässen eingeladen wird als er, überkommt ihn ein quälendes Gefühl von Kränkung und Unzulänglichkeit. Vor einer Weile hat er neben dem Online-Gaming damit angefangen, in Dating-Portalen im Internet mit anderen Frauen zu flirten. Damit verbringt er inzwischen seine ganze Freizeit, und selbst auf der Arbeit loggt er sich manchmal in das Portal ein. Beim Chatten erlebt er wohltuende Aufmerksamkeit von seiner Chat-Partnerin und fühlt sich plötzlich viel besser, manchmal richtig euphorisch. Der Weg in die Verhaltenssucht ist geebnet.

Wunde Punkte reichen meist bis in die Kindheit zurück

Im Folgenden möchten wir Ihnen das schematherapeutische Modus-Modell im Detail vorstellen. Es macht anschaulich begreifbar, wie aus kindlichen Erfahrungen wunde Punkte werden und was das mit Ihrer Verhaltenssucht zu tun hat. Ebenso geht es darum, wie Sie lernen können, mit diesen wunden Punkten, also mit in Kindheit und Jugend verletzten Gefühlen und vernachlässigten Bedürfnissen, umzugehen.

Nach dem schematherapeutischen Modus-Modell gehen wir davon aus, dass jeder Mensch