: Alice Romanus-Ludewig
: Resilienz- und bindungsorientierte Traumatherapie (RebiT) Ein Handbuch
: Junfermann Verlag
: 9783955718459
: 1
: CHF 32.60
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 224
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Konsequente Unterstützung für Therapeut und Klient Der Wunsch nach Unterstützung und Orientierung sowohl bei angehenden als auch fortgeschrittenen Traumatherapeuten ist groß. Die spezifischen Bedürfnisse der Klienten und die besonderen Erfordernisse im Therapieprozess machen die Traumatherapie zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Was ist konkret notwendig, damit das Gelernte im Anschluss an Aus- und Weiterbildung sinnvoll in den therapeutischen Alltag integriert werden kann? Orientiert an den anerkannten Richtlinien für die Behandlung von traumatischen Störungen bietet dieses Buch den Praktizierenden Hilfen, um ihr Wissen und Können effektiv und nach einem festen Gerüst anzuwenden. Mithilfe der regelmäßigen Bindungsgespräche gelingt der wichtige Austausch über die Qualität der therapeutischen Beziehung. Der gezielte Einbezug von Sinneserfahrungen sowie explizite Erklärungen über Vorgehen und Wirkweise der angewandten Methoden machen den Klienten zum Mitgestalter und führen ihn so zu seiner Selbstwirksamkeit zurück.

Dr. Alice Romanus-Ludewig ist Ärztliche Psychotherapeutin in eigener Praxis in Hannover. In ihren Seminaren erfahren Therapeuten alles Wesentliche über Trauma, Traumatisierungsfolgen und Grundlagen von traumatherapeutischer Behandlung nach dem RebiT-Ansatz.

2. Die fünf wichtigsten Traumamechanismen


In diesem Kapitel soll es primär um folgende Fragen gehen:

  • Was genau ist ein Trauma?
  • Unter welchen Bedingungen entsteht ein Trauma?
  • Was passiert bei einem Trauma im Gehirn und im Körper?
  • Warum zieht ein Trauma oft Folgeerkrankungen nach sich?
  • Und vor allem: Wie kann ein Trauma heilen?

Durch die Beantwortung dieser Fragen lernt man sehr viel über die fünf wichtigsten Traumamechanismen:

  1. Bedingungen zum Entstehen eines Traumas
  2. (Hirn-)physiologische Reaktionen im traumatischen Geschehen
  3. Folgen des traumatischen Geschehens
  4. Ursachen für die Persistenz der Traumafolgen
  5. Wirkung von Traumatherapie

Meines Erachtens hat man als Traumatherapeutin eine gute Wissensgrundlage, wenn man diese Mechanismen verstanden und verinnerlicht hat. Ich versuche, sie möglichst prägnant und übersichtlich darzustellen. Das soll natürlich nicht davon abhalten, noch tiefer in diese Materie einzutauchen und sich mit den Forschungserkenntnissen der Stressforschung (traumatischer Stress ist im Grunde genommen eine Extremform von Stress) zu beschäftigen. Hilfreiche Literatur bieten zum Beispiel Herman (Die Narben der Gewalt, 2018) oder Huber (Trauma und die Folgen, 2003a, undWege der Traumabehandlung, 2003b).

2.1 Bedingungen zum Entstehen eines Traumas


Welche Bedingungen ein Trauma entstehen lassen und welche Auswirkungen dies im Moment des Entstehens auf den Menschen hat, kann wesentlich eingängiger durch Metaphern und Bilder dargestellt werden. Rein sprachlich existiert dafür der Begriff „Annihilationsdrohung“ (Huber, 2003a, S. 39), was man mit „Vernichtungsdrohung“ oder „Auflösungsgefahr“ übersetzen könnte: Das Gehirn wird von Informationen überflutet, welche größtmögliche Gefahr signalisieren. Das subjektive Erleben der betroffenen Person umfasst intensive Gefühle von Bedrohung, oft verbunden mit Gedanken wie „Es ist aus mit mir““ oder „Ich sterbe jetzt!“.

Das Erleben größtmöglicher Gefahr …

Ein Mann fährt nach einer anstrengenden Nachtschicht mit dem Auto nach Hause. Auf der Autobahn nimmt er nicht wahr, dass nach starkem Regen Aquaplaning herrscht. Plötzlich spürt er, wie er bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert und von der Fahrspur abkommt. Er sieht die Leitplanke auf sich zukommen.

Eine Frau geht mit ihrer neunjährigen Tochter zum Arzt, weil diese seit mehreren Wochen unter zunehmenden Schmerzen im rechten Unterschenkel klagt. Nach einer Röntgenuntersuchung und anschließender Biopsie teilt der Arzt der Mutter mit, dass ihre Tochter unter einer sehr aggressiven Form von Knochenkrebs leidet.

Ein sechsjähriger Junge muss mit ansehen, wie sein betrunkener Vater auf seine Mutter mit einer zerbrochenen Bierflasche losgeht. Er hört einen Schrei und sieht Blut im Gesicht seiner Mutter.

Ein zwölfjähriges Mädchen wird nach dem Turntraining von ihrem Trainer in ein längeres Gespräch verwickelt, bis alle anderen Mädchen weg sind. Der Trainer geht