: Birgit Rabisch
: Putzfrau bei den Beatles
: duotincta
: 9783946086314
: 1
: CHF 8.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 168
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
50 Jahre 1968! Ein Grund zu feiern? Ja. Ein Grund zu kritisieren? Durchaus. Ein Grund zu lachen? Oft. In 'Putzfrau bei den Beatles' heuert die junge Möchtegern-Schriftstellerin Jana als Putzfrau auf dem 'Yellow Submarine' an, um mit Ringo, George, John und Paul in die Vergangenheit ab- und in der Gegenwart wieder aufzutauchen. Doch nichts ist, wie es scheint, und dann entert auch noch ein Zwölfjähriger das Boot, der behauptet, Pauls Enkel zu sein ... Die Begegnungen, Konflikte und Krisen zwischen der Generation '68 und ihren pragmatischeren Nachkommen werden von Birgit Rabisch seit längerem thematisiert, zuletzt auch in ihren Romanen Die vier Liebeszeiten und Wir kennen uns nicht.

Birgit Rabisch wurde in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Soziologie und Germanistik war sie als Dozentin an der VHS tätig. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in Hamburg. Birgit Rabisch hat viele Bücher veröffentlicht. Ihr dystopischer Roman 'Duplik Jonas 7' (ausgezeichnet mit dem Literaturpreis NRW) avancierte zum Bestseller und Standardwerk, wurde mehrfach übersetzt, dramatisiert und 2018 verfilmt.

JANA



George stimmt seine Gittarre und blickt nicht auf, als ich den Wohnraum betrete, John lächelt mich an, Paul winkt mir zu und Ringo schlägt einen kurzen Trommelwirbel.

Ich stelle mich vor die offene Tür zwischen Wohnzimmer und Studio und rechtfertige meine Verspätung:

»Ewige Warterei beim Zahnarzt!«

Normalerweise frühstücken sie noch, wenn ich zum Putzen komme, aber heute hat mich der verdammte Dr. Nolte fast eine Stunde dem Gedudel des Gute-Laune-Senders in seinem Wartezimmer ausgeliefert, so dass meine Laune auf dem Tiefpunkt war, als er mein Zahnfleisch endlich mit seinerprofessionellen Zahnreinigung malträtierte. Nein, auf dem Tiefpunkt war sie, als mir seine Assistentin danach lächelnd die Rechnung über den Tresen schob. Achtzig Euro!

»Und, Jana? Hast du dich wenigstens diesmal gegen den Raffke gewehrt?«, fragt John. Er hat mir vor ein paar Tagen einen langen Vortrag darüber gehalten, dass dieprofessionelle Zahnreinigung von der Krankenkassezu Recht, völlig zu Recht! nicht bezahlt würde, dass ihr Nutzenwissenschaftlich nicht nachgewiesen sei und sie nur dazu diene,den ach so verarmten Zahnärzten die Taschen zu füllen. Ich habe nicht die geringste Lust, mich schon wieder auf eine Diskussion mit John einzulassen. Warum bin ich so feige und wehre mich nicht gegen Dr. Noltes Griff in mein ohnehin nicht gut gefülltes Portemonnaie? Warum ist meine Generation generell so duckmäuserisch? Ja, ja, ich weiß, John würde sich dasniemals bieten lassen, niemals!, obwohl er es in seinem Portemonnaie gar nicht merken würde, aber es ist eineFrage des Prinzips, ja, des Prinzips! Für John ist andauernd etwaseine Frage des Prinzips. Und das, obwohl er die ewige Prinzipienreiterei seines Vaters angeblich so gehasst hat. Oder gerade deshalb? Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, oder? Aber wenn ich den Spruch bringen würde, oh, oh, oh! Dann müsste ich mir garantiert eine endlose Belehrung über Evolution, Biologismus, reaktionäre Weltsicht und was sonst noch alles gefallen lassen!

»Ich muss mich beeilen«, sage ich, »sonst siegt der Staub.«

»Der siegt letztlich sowieso«, knurrt John, lässt aber von mir ab und schlägt auf seiner Gitarre ein paar Akkorde an. Ich werfe einen kurzen Blick in die Küche, aber hier gibt es für mich heute nichts zu tun. DieFab Four haben brav ihr Frühstücksgeschirr in den Geschirrspüler gestellt und von ihrer abendlichen Kocherei kann ich auch keine Spuren mehr entdecken. Ich steige die Wendeltreppe zum ersten Stock hoch, wo ihre Zimmer sind. Heute ist nach meinem Putzplan Johns Zimmer dran. Bei ihm liegt nie etwas herum und ich kann gleich anfangen, mit einem Staubtuch über die Möbel zu wischen. Ich lasse die Tür offen, wie ich es meistens tue, außer beim Staubsaugen natürlich. Von unten klingen die ersten Takte eines Songs herauf, den ich schon erkenne, bevor Pauls Stimme erklingt:

  

It’s been a hard day’s night,

and I’ve been working like a dog …

  

Ich höre ihrer Musik gern zu, abe