Social Media Relationships
May your life be as amazing, as your social media profiles make it seem.
Heute schon gelebt? Ich meine in deinem Instagram-, Facebook-, Twitter- oder Social-irgendwas-Leben?
Manchmal beschleicht mich ein seltsames Gefühl: Wie wäre es, wenn ich keinen Social-Media-Account hätte, auf dem ich täglich einige Fotos poste? Dann hätte ich doch irgendwie nur halb gelebt. Oder einmal, statt wie andere zweimal. Denn unsere Social-Media-Leben sind im Grunde doch nur semi-identisch mit dem, was wir hinter Filtern, Weichzeichnern, perfekten Bildausschnitten und geistreichen Zitaten wirklich Leben nennen.
Freunde, wenn wir nicht höllisch aufpassen, verlernen wir oder zumindest kommende Generationen irgendwann gänzlich, echte und vor allem gesunde Beziehungen im realen Leben aufzubauen!
Wie ich darauf komme? Unsere Kommunikation basiert heute mehr denn je auf sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten. Selbst die Partnerwahl findet vermehrt online statt. Und die Auswahl ist riesig: Große Nase mit Doktortitel, blond mit Diplom oder doch lieber ganzkörpertätowiert mit beidem? Ich bin ja schon viel zu lange raus aus dem Geschäft, aber das ist doch so, als würde man sich einen Partner aus dem Versandhauskatalog aussuchen. Nur dass dieser dann nicht im Karton, mit 14 Tage Rückgaberecht direkt zu dir nach Hause geliefert wird. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wir fangen doch gerade erst an, uns in unseren sozialen Netzwerken einzuleben.
Nie hatten wir eine solche Flut von scheinbar zu uns passenden Menschen zur Auswahl, mit denen wir uns in Sekundenschnelle über den gesamten Globus vernetzen könnten. Freundschaft – das ist eigentlich etwas, das Zeit braucht, etwas, das man sich in der Beziehung zu anderen Menschen erarbeiten muss. Das hat mit Vertrauen zu tun, mit gemeinsamen Werten, mit magischen Momenten, die zwei Menschen auf eine ganz besondere Art miteinander verbinden – oft ein Leben lang.
Freundschaft in sozialen Netzwerken hingegen ist mit einem Klick akzeptiert – aber genauso schnell auch wieder gelöscht. Hier vermischt sich etwas, das wir für uns unbedingt trennen sollten. Unsere »Likes« sind längst zu virtuellen Umarmungen geworden. Forscher an der University of California haben 2016 im Zuge einer Social-Media-Studie sogar herausgefunden, dass Likes auf sozialen Medienplattformen das Belohnungszentrum in unserem Gehirn aktivieren. Die Wissenschaftler haben Menschen in einen Magnetresonanztomographen geschoben, ihnen Bilder mit Likes gezeigt und festgestellt, dass dabei die gleichen Hirnregionen aktiviert werden wie bei anderen Tätigkeiten, die uns glücklich machen – zum Beispiel wenn wir ein Stück Schokolade essen, Sex haben oder anderweitig Freude empfinden. Ist das nicht gruselig?
Wenn wir ein Like für unsere Posts bekommen, werden im limbischen System, dem Belohnungszentrum unseres Gehirns, vermehrt Botenstoffe ausgeschüttet, die uns glücklich machen. Und weil unser Gehirn gerne glücklich ist, möchte es, dass wir diese Aktionen regelmäßig wiederholen. Das legt nahe, dass positive Reaktionen auf unsere Social-Media-Aktivitäten ein gewisses Suchtpotenzial bergen. Die Aufmerksamkeit und das Gefühl, anderen zu gefallen, tut uns einfach so gut, dass wir beides immer wieder brauchen. Und diese Form der Bestätigung ist schnell verfügbar, auch wenn es uns gerade schlecht geht – ein schnelles Selfie mit drei Sonnenscheinfiltern und sofort kommt ein bisschen digitales Dopamin bei uns an.
Viele wachen morgens auf und checken noch vor dem Aufstehen ihre Mails, die neuesten Likes und Status-Updates, um sich mit anderen verbunden zu fühlen. Und wir wissen ja: Was man oft genug wiederholt, wird für unser Gehirn zur Normalität.
Dieser eindimensionale Kontakt zu unserer Umwelt lässt uns allerdings so unendlich vieles verlieren – vor allem den Kontakt zu den echten Menschen dahinter. Menschen ohne Filter, die uns permanent Perfektion suggerieren. Es gibt Menschen, die ich im echten Leben gar nicht wiedererkennen würde. Was früher den Stars aus Hollywood vorbehalten war, kann sich heute jeder aufs Handy laden: »Einmal Fake-Leben to go, bitte.« Und dann wundern wir uns ernsthaft, dass wir nicht mehr wissen, wie wir in echte Beziehung zu unseren Mitmenschen treten, geschweige denn bleiben?
Woher sollen unsere Kinder wissen, dass es sich bei diesem virtuellen Fake-Leben nicht um einen Teil der Realität handelt – aus Erfahrung? Aus welcher denn? Selbst uns Erwachsenen fällt es doch manchmal schwer, hinter diese perfekte Fassade zu schauen und uns in Erinnerung zu rufen, dass soziale Medien niemals die Realität abbilden. Was tun wir da eigentlich? Wir geben vor, das perfekte Leben zu leben, und vergleichen uns permanent mit einer Scheinwelt, die gar nicht existiert. Ganz schön kompliziert, oder?
Überhaupt nicht kompliziert, denn das wissen wir doch alles. Aber wissen wir es wirklich? Oder verspüren wir nicht doch manchmal diese unterschwellige Angst, es könnte bei anderen alles schöner, besser, toller sein und der Filter, den wir vermuten, ist vielleicht gar keiner? Haben wir nicht manchmal das Gefühl, dass um uns herum ganz viel perfektes Leben ist und nur wir kriegen das nicht so hin?
Versteht mich bitte nicht falsch: Die sozialen Medien sind natürlich eine tolle Sache, um sich zu vernetzen. Ich erreiche Menschen damit, die sonst niemals auf mich aufmerksam geworden wären. Es ermöglicht meiner Crew, unkompliziert Bewohnerfrei-Treffen mit immenser Reichweite zu initiieren – und so Menschen, die gleich denken, ähnliche Ideen vom Leben haben und weiterkommen wollen, auf unseren Events zusammenzubringen. Wir nutzen Social-Media-Kanäle, um das echte Leben dahinter gemeinsam zu feiern.
Denn wir dürfen nicht verlernen, auf das zu schauen, was uns hinter diesem Profil wirklich ausmacht. Auf das, was bleibt, wenn der Filter weg ist. Das, was uns menschlich macht, dem anderen näherbringt und so viel mehr ist, als Photoshop jemals faken könnte. Dein Wert kann nicht in Likes gemessen werden.
Hör auf dich zu vergleichen!
Die Schönheit eines anderen Lebens nimmt dir nicht die Schönheit deines eigenen! Du weißt nie, was dahintersteckt. Meine Erfahrung aus den letzten Jahren hat