: Patrick deWitt
: Letzte Rettung: Paris Roman
: Verlag Kiepenheuer& Witsch GmbH
: 9783462320121
: 1
: CHF 10.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Letzte Rettung: Paris - Eine skurrile Mutter-Sohn-Reise voller Humor und Herz Der Überraschungserfolg aus den USA: Patrick deWitts verrückt-liebenswürdiger Roman Letzte Rettung: Paris erzählt von einer ungewöhnlichen Mutter-Sohn-Beziehung und einer Reise, die es in sich hat. Frances und Malcom Price sind das wohl unterhaltsamste Mutter-Sohn-Duo der New Yorker Upper East Side. Ein Großteil von Frances' Bekanntheit beruht darauf, dass sie, als sie den toten Körper ihres Mannes entdeckte, zu einem Skiwochenende aufbrach, anstatt die Behörden zu alarmieren. Gewöhnt an ein Leben voller Luxus, muss sich Frances etwas einfallen lassen, denn sie hat das Erbe ihres Mannes jahrzehntelang verprasst und ist jetzt pleite. Zusammen mit ihrem Kater Kleiner Frank, den Frances für die Reinkarnation ihres verstorbenen Gatten hält, fliehen die Prices nach Paris. Als Kleiner Frank in der Stadt der Liebe verschwindet, trommeln sie allerlei skurriles Personal zusammen, um den Kater, der ein Geheimnis mit sich trägt, wiederzufinden. Dieser Comedyroman voller schwarzem Humor und schrulligen Charakteren begeistert mit seinem einzigartigen Charme. Fans von deWitts internationalem Bestseller The Sisters Brothers kommen voll auf ihre Kosten.

Patrick deWitt wurde 1975 auf Vancouver Island in Kanada geboren. Sein Roman »Die Sisters Brothers« war für den Man Booker Prize, den Giller Prize sowie den Walter Scott Prize nominiert und von Publishers Weekly, der Washington Post sowie der Canadian Booksellers Association zu den besten Romanen des Jahres gezählt. Patrick deWitt lebt heute mit seiner Frau und seinem Sohn in Portland, Oregon.

New York


1.


»Alles Gute hat sein Ende«, sagte Frances Price.

Sie war eine wohlhabende, bemerkenswerte Frau von fünfundsechzig Jahren, die sich gerade auf der Treppe eines Stadthauses in der Upper East Side von New York ihre Handschuhe aus Kalbsleder überzog. Ihr Sohn Malcolm, zweiunddreißig, stand neben ihr, wie immer mit düsterer Miene und zerzaustem Haar. Der Abend dämmerte an diesem Tag im späten August. Die Fenster des Hauses waren erleuchtet, es war Klaviermusik zu hören – eine gediegene Feier war im Gange. Frances hatte ihren frühzeitigen Aufbruch einer ähnlich reichen, wenn auch weitaus weniger schönen Person kundgetan, der Gastgeberin. Ihr Name spielt keine Rolle. Sie fühlte sich gekränkt.

»Bist du sicher, dass du schon gehen musst? Ist es wirklich so schlimm?«

»Der Tierarzt sagt, es sei nur noch eine Frage der Zeit«, sagte Frances. »Wie schade. Es war so ein schöner Abend.«

»Findest du wirklich?«, fragte die Gastgeberin hoffnungsvoll.

»Es war ein wunderschöner Abend. Und ich gehe wirklich nur ungern. Aber es klang, als handele es sich tatsächlich um einen Notfall. Was kann man in solch einer Situation machen?«

Die Gastgeberin sann über eine Antwort nach. »Nichts«, sagte sie schließlich. Stille trat ein. Dann machte sie zu Frances’ Erschrecken einen Schritt auf sie zu und klammerte sich an sie. »Ich habe dich immer so sehr bewundert«, flüsterte sie.

»Malcolm«, sagte Frances.

»Momentan mache ich mir etwas Sorgen um dich. Ist das dumm von mir?«

»Malcolm, Malcolm.«

Die Gastgeberin erwies sich als gefügig, als Malcolm sie von seiner Mutter pellte und anschließend ihre Hand nahm, um sie zu schütteln. Sie betrachtete das Auf und Ab ihrer Hand mit einem Ausdruck der Verwirrung. Sie hatte zu viel getrunken und nichts weiter im Magen als eine zähe Pastete. Sie kehrte in ihr Haus zurück, und Malcolm führte Frances die Treppe hinunter auf den Gehweg. Sie gingen an der wartenden Limousine vorbei und setzten sich auf eine zwanzig Meter vom Haus entfernte Bank, denn es gab keinen Notfall, keinen Tierarzt, und die Katze, dieses alte Kuriosum namens Kleiner Frank, war, soweit ihnen bekannt war, wohlauf.

Frances zündete sich mit ihrem goldenen Feuerzeug eine Zigarette an. Es war ihr Lieblingsfeuerzeug, weil es gebührend schwer in der Hand lag und, wenn man es betätigte, ein galantes Klicken von sich gab. Sie deutete mit dem glühenden Ende ihrer Zigarette auf die Gastgeberin, die nun hinter einem der oberen Fenster zu erkennen war und sich mit einem Mann unterhielt. Frances schüttelte den Kopf. »Die Langeweile in Person.«

Malcolm begutachtete ein gerahmtes Foto, das er aus dem Schlafzimmer der Gastgeberin entwendet hatte. »Sie ist bloß betrunken. Hoffentlich kann sie sich morgen an nichts mehr erinnern.«

»Falls doch, wird sie sicher Blumen schicken.« Frances nahm ihm die Fotografie aus der Hand, es war ein Studioporträt der Gastgeberin. Es zeigte sie mit zurückgeworfenem Kopf, aufgerissenem Mund und einem Ausdruck von wilder Freude in den Augen. Frances fuhr mit dem Finger über den Rand des verzierten Rahmens. »Ist das Jade?«

»Ich denke, ja«, sagte Malcolm.

»Er ist außerordentlich schön«, sagte sie und gab ihm das Bild zurück. Malcolm öffnete den Rahmen und holte das Foto heraus. Dann faltete er es viermal und warf es in einen Mülleimer, der neben ihrer Bank stand. Den Rahmen steckte er zurück in seine Jackentasche und fuhr fort, die Feier zu analysieren. Er zeigte auf einen Mann üb