: René Borbonus
: Relevanz Was, warum, wann, für wen wichtig wird
: Ullstein
: 9783843721615
: 1
: CHF 18.00
:
: Sozialwissenschaften allgemein
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was ist Relevanz? Wie wird Relevanz gesellschaftlich konstruiert? Wie extrahiere ich, was für mich persönlich relevant ist? Wie finde ich meine eigene Relevanz? Und vor allem: Wie formuliere ich meine eigenen Botschaften so, dass sie für andere relevant werden? Das sind die zentralen Fragen, denen sich René Borbonus in diesem Buch widmet. Relevanz ist eine Grundvoraussetzung für Aufmerksamkeit. Dem Empfänger hilft sie einzuordnen und Überflüssiges auszublenden. Dem Sender hilft sie, sein Ziel zu formulieren und gehört zu werden.

René Borbonus ist Spezialist für Rhetorik und Kommunikation. Topmanager und Politiker lassen sich von ihm ausbilden und auf schwierige Gespräche vorbereiten.

Kapitel 2

Glauben Sie nicht, was Sie denken:

Wie Relevanz unser Leben bestimmt

»Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.«

Carl Gustav Jung

Relevanz zum Runterspülen

Erste Frage: Wussten Sie, dass konservative Politiker sich den Po eher mit der linken Hand abwischen, während linke Politiker dafür eher ihre rechte Hand bemühen?

Zweite Frage: Wollten Sie es wissen?

Dritte Frage: Fragen Sie sich gerade, wie zum Teufel man das herausgefunden hat?

Die unerhörte Information verdanken wir einer Studie des britischen Wissenschaftlers Gary Lewis.15 Sie bezieht sich auf die sogenannte Social-Priming-Theorie. Sie besagt, dass Menschen, die zuvor unbewusst für ein bestimmtes Thema sensibilisiert wurden, anschließend entsprechende körperliche Reaktionen zeigen können. So beobachteten Forscher, dass Menschen sich langsamer bewegten, wenn sie zuvor mit dem Thema Altern konfrontiert wurden – etwa durch Bilder, die ihnen gezeigt wurden.

Auf der Grundlage dieser Theorie habe er britische Abgeordnete darüber befragt, welche Hand sie nach dem großen Geschäft zur Spurenbeseitigung bevorzugten, so Lewis über seine Studie. Publiziert wurde sie in dem renommierten MagazinPsychology and Psychotherapy.16 Interessant ist, neben dem frappierenden Zusammenhang zwischen politischer Einstellung und Handgebrauch, auch die prominente Riege von Befragten, die sich dieser Studie im Dienst der Wissenschaft stellten: Teilgenommen hätten unter anderen die Parlamentarier Boris Johnski, Terese Maybe und Placido Domingo. Ein Abgeordneter namens Nigel F. Arage habe dagegen kein Interesse am Forschungsgegenstand gezeigt.17

Spätestens nach dieser Aufzählung ist Ihnen klar, dass ich Ihnen gerade einen Bären aufbinde. Das Erschütternde ist nur: Die Studie, die Gary Lewis frei erfunden hat, ist tatsächlich im besagten Fachmagazin erschienen. Und das, obwohl die Zeitschrift von sich behauptet, jeden Beitrag vor Veröffentlichung einer Qualitätsprüfung zu unterziehen, der sogenannten »Peer-Review«. Wäre das tatsächlich geschehen, wäre vermutlich irgendjemand über die fiktiven Politikernamen gestolpert – ganz zu schweigen von Lewis’ angeblichem Arbeitsplatz, dem »Institut für interdisziplinäre Politik- und Fäkalwissenschaften«.

Mit seiner Aktion wollte der Wissenschaftler allerdings nicht nur Spaß haben, sondern auf ein reales Problem aufmerksam machen: Forscher stehen heute unter enormem Druck, ihre Ergebnisse möglichst oft und breit zu publizieren. Und es gibt Magazine, die das ausnutzen und sich die Publikation bezahlen lassen – während sie gleichz