: Chanel Cleeton
: Wir träumten von Kuba Roman
: Heyne Verlag
: 9783641249274
: Die Kuba-Saga
: 1
: CHF 8.90
:
:
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Havanna, wann sehe ich dich wieder?

Palm Beach 1960: Schon seit einiger Zeit lebt Beatriz mit ihrer Familie in Florida. Und doch kann sie ihn nicht verwinden – den Verlust ihrer Heimat, ihrer Freunde und den ihres Bruders. Sie ist getrieben von der Sehnsucht nach Havanna und dem Wunsch nach Vergeltung. Während die Kluft zwischen Amerika und Kuba immer größer wird, gerät Beatriz plötzlich zwischen die politischen Fronten, und dann verliebt sie sich auch noch in einen mächtigen Mann, auf den sie sich niemals einlassen darf ...

Chanel Cleetons Familie stammt ursprünglich aus Kuba. Sie selbst wuchs in Florida auf, bevor sie für das Studium der Internationalen Beziehungen nach England ging. An der Londoner School of Economics& Political Science machte sie schließlich ihren Masterabschluss in Internationaler Politik.

1


Januar 1960

Palm Beach

Mit dem Sammeln von Heiratsanträgen verhält es sich ähnlich wie mit dem Entwickeln exzentrischer Wesenszüge. Um in der feinen – oder auch nicht ganz so feinen – Gesellschaft Anerkennung zu finden, ist einer davon unbedingte Voraussetzung. Zwei stellen sicher, dass man auf Partys ein viel umworbener Gast ist. Drei fügen dem Ganzen das gewisse Etwas hinzu. Vier sind ein Skandal. Und fünf? Nun, fünf machen einen zur Legende.

Ich blicke hinunter auf den Mann, der in spektakulärer Geste vor mir aufs rechte Knie gesunken ist.Wie war bloß noch sein Name? Ein Übermaß an Sekt und Albernheit lässt seinen Oberkörper gefährlich schwanken. Es handelt sich um einen Cousin zweiten Grades des altehrwürdigen Preston-Clans, angeheiratet verwandt mit einem ehemaligen Vizepräsidenten und darüber hinaus Cousin eines amtierenden US-Senators. Sein Smoking ist elegant, seine Vermögenslage wohl eher bescheiden – es sei denn man kalkuliert optimistisch eine großzügige Berücksichtigung beim Erbe einer verstorbenen Tante ein –, und sein schwach ausgeprägtes Kinn spricht dafür, dass bereits zu viele Prestons andere Prestons geheiratet haben.

Andrew? Vielleicht Albert. Oder Adam?

Wir sind uns in Palm Beach auf einem halben Dutzend Partys wie dieser begegnet. Früher in Havanna hätte ich auf solchen Festen den Ton angegeben, heute muss ich katzbuckeln, um überhaupt Einlass zu finden. Der zweite Cousin von Amerikas höchsten Kreisen klingt da gar nicht so übel, schließlich können Bettler sich nicht erlauben, wählerisch zu sein, und Exilanten schon gar nicht. Vernünftig wäre es also, seinen Antrag – die sich so glücklich fügende Nummer fünf in meiner Sammlung – anzunehmen und, dem Beispiel meiner Schwester Elisa folgend, in den heiligen Stand der Ehe zu treten.

Nur wo bleibt da der Spaß?

Getuschel umschwirrt mich, Münder zischen meinen Namen –Beatriz Perez –, neugierige Blicke bohren sich in den Rücken meines Abendkleids, geraunte Wörter strömen auf mich ein, krallen sich meinen bauschigen Rock hinauf, grapschen nach den falschen Juwelen um meinen Hals und schmeißen sie zu Boden.

Sieh dir die an.

Hochnäsig. Genau wie der Rest der Sippe. Jemand sollte denen mal klarmachen, dass wir hier nicht auf Kuba sind.

Wie sie die Hüften bewegt! Und dann dieses Kleid!

Haben die nicht alles verloren? Fidel Castro hat doch die Zuckerrohrplantagen, die ihrem Vater gehörten, allesamt verstaatlicht.

Besitzt die denn keinen Funken Schamgefühl?

Mein Lächeln wird noch breiter, bis es die falschen Edelsteine an meinem Hals