: Frank Herbert
: Der Gottkaiser des Wüstenplaneten Roman
: Heyne
: 9783641252052
: Der Wüstenplanet - neu übersetzt
: 1
: CHF 10.80
:
: Science Fiction
: German
: 560
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dreieinhalb Jahrtausende sind auf Arrakis vergangen, und die Welt hat sich gewandelt: Der ehemalige Wüstenplanet ist dank technischer Mittel eine grüne Oase geworden. Die einst so stolzen Fremen sind nur noch ein Schatten ihrer selbst, eine Touristenattraktion. Doch es gibt noch ein Stück Vergangenheit auf Arrakis, sorgfältig vor Feuchtigkeit geschützt: die Wüste Sareer. Dort lebt Leto II., der Sohn von Paul Muad'dib. Seit Jahrtausenden vollzieht sein Körper eine Wandlung, geht eine Symbiose mit dem Shai-Hulud ein. Er hat seine Menschlichkeit aufgegeben, um die Menschen zu retten, tritt jetzt als Gott auf und verlangt absolute Unterwerfung. Doch seine Gegner wissen, dass er verletzlich ist - und sie verfügen über die Waffen, um ihn zu vernichten ...

Frank Herbert (1920-1986) wurde in Tacoma, Washington, geboren. Nach einem Journalismus-Studium arbeitete er unter anderem als Kameramann, Radiomoderator, Dozent und Austerntaucher, bevor 1955 sein Debütroman 'The Dragon in the Sea' zur Fortsetzung in einem Science-Fiction-Magazin veröffentlicht wurde. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm schließlich Mitte der 1960er-Jahre mit seinem Roman 'Der Wüstenplanet', der sowohl mit dem Hugo Award als auch mit dem Nebula Award ausgezeichnet wurde. Bis heute gilt 'Der Wüstenplanet' zusammen mit den Nachfolgeromanen als einzigartige literarische Weltenschöpfung, die jede Generation von Leserinnen und Lesern neu für sich entdeckt.

Ich bin der leidenschaftlichste Menschenbeobachter, der je gelebt hat. Ich beobachte sie in meinem Inneren, und ich beobachte sie außerhalb von mir. Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich in mir. Und während sich die Metamorphose meines Fleisches fortsetzt, widerfährt meinen Sinnen Wunderbares. Es ist, als würde ich alles aus nächster Nähe wahrnehmen. Ich habe ein extrem feines Gehör und scharfe Augen und kann mit meinem Geruchssinn exakte Unterscheidungen treffen. Ich kann Pheromone in einer Konzentration von drei Teilen auf eine Million entdecken und bestimmen. Das weiß ich, ich habe es überprüft. Es gibt nicht viel, was sich vor meinen Sinnen verbergen lässt. Ihr wärt entsetzt, wenn ihr wüsstet, was ich allein anhand von Gerüchen herausfinden kann. Eure Pheromone verraten mir, was ihr gerade tut oder worauf ihr euch innerlich vorbereitet. Und eure Gesten und Körperhaltungen! Ich habe einmal einen halben Tag lang einen alten Mann beobachtet, der in Arrakeen auf einer Bank saß. Er war ein Nachfahre des Naibs Stilgar in fünfter Generation und wusste es nicht einmal. Ich betrachtete seine Nackenlinie, die Hautlappen unter seinem Kinn, die rissigen Lippen, die Feuchtigkeit um seine Nasenlöcher, die Poren hinter seinen Ohren, das feine graue Haar, das unter der Kapuze seines uralten Destillanzugs hervorschaute. Es fiel ihm nicht auf, dass ich ihn beobachtete. Ha! Stilgar hätte es nach einer oder zwei Sekunden bemerkt. Doch dieser alte Mann wartete nur auf jemanden, der nie auftauchte. Schließlich erhob er sich und trottete davon. Nach dem langen Sitzen waren seine Bewegungen steif. Ich wusste, dass ich ihn als Menschen aus Fleisch und Blut nie wiedersehen würde. Er war dem Tod nahe, und sein Wasser würde gewiss verschwendet werden. Aber darauf kam es inzwischen ja nicht mehr an.

– Die gestohlenen Tagebücher

Leto dachte, dass der Ort, an dem er seinen gegenwärtigen Duncan Idaho erwartete, der interessanteste Ort im Universum war. Nach allen menschlichen Maßstäben war es ein gewaltiger Raum, der das Zentrum einer sorgsam angeordneten Reihe von Katakomben unter seiner Zitadelle bildete. Dreißig Meter hohe und zwanzig Meter breite Gewölbe gingen wie Speichen von der Nabe ab, in der er wartete. Sein Wagen stand genau in der Mitte der Nabe, einem unterirdischen Dom, der an seinem höchsten Punkt hundert Meter hoch war und einen Durchmesser von vierhundert Metern hatte.

Leto empfand diese Ausmaße als beruhigend.

Es war früher Nachmittag, doch das einzige Licht in dem Kuppelgewölbe kam von einigen auf Suspensoren treibenden Leuchtgloben, die so eingestellt waren, dass sie einen schwachen, orangefarbenen Schein abgaben. Das Licht reichte nicht weit in die Speichen, aber Letos Erinnerungen sagten ihm, wo genau sich dort alles befand: das Wasser, die Knochen, der Staub seiner Vorfahren und jener Atreides, die auf dem Wüstenplaneten gelebt hatten und dort gestorben waren. Sie alle waren ebenso hier wie einige Behälter Melange, die den Eindruck erwecken sollten, dass es sich dabei um seinen ganzen Hort handelte – sollte es jemals zum Äußersten kommen.

Leto wusste, warum der Duncan kam. Idaho hatte erfahren, dass die Tleilaxu einen neuen Ghola herstellten, einen weiteren Duncan – nach den Maßgaben, die ihnen der Gottkaiser gesandt hatte. Und nun fürchtete dieser Duncan, dass man ihn nach beinahe sechzig Jahren Dienst ersetzen würde. Die moralische Zersetzung der Duncans begann immer mit solchen Vorgängen. Zuvor hatte ein Gildenbotschafter Leto seine Aufwartung gemacht und ihn darüb