IN DER HITZE DES GEFECHTS
In der Schlacht, hatte Leos Vater immer gesagt, erkennt ein Mann, wer er wirklich ist.
Die Nordmänner wandten sich bereits zur Flucht, als sein Pferd mit einem imposanten Satz mitten in ihre Reihen sprang.
Einen dieser Kerle traf er mit der vollen Wucht des Aufpralls hinten am Helm und riss ihm halb den Kopf ab.
Mit wild verzerrtem Gesicht wandte er sich zur anderen Seite; kurz blitzten glotzende Augen auf, bevor seine Axt in den dazugehörigen Schädel fuhr und ein schwarzer Strahl Blut hervorschoss.
Andere Reiter stürmten ebenfalls in die Gruppe der Nordmänner und schleuderten sie beiseite wie leblose Puppen. Er sah, wie ein Pferd einen Speer in den Kopf bekam; der Reiter flog mit einem Überschlag aus dem Sattel.
Eine Lanze zerbrach, einer der Splitter schlug mit hallendem Krachen gegen Leos Helm, während er sich zur Seite wandte. Die Welt war ein flackernder Schlitz aus verzerrten Gesichtern, schimmerndem Stahl und wogenden Körpern, die er durch die schmale Sichtöffnung in seinem Visier nur eingeschränkt wahrnahm. Die Schreie der Männer, das Brüllen der Reittiere, das Krachen von Metall verband sich zu einem Lärm, der jegliche Gedanken auslöschte.
Ein Pferd kam ihm in die Quere, reiterlos und mit schwingenden Steigbügeln. Ritters Pferd. Das erkannte er an der gelben Satteldecke. Ein Speer stach nach ihm, der Schild an seinem Arm erzitterte von dem Aufprall, und er kam im Sattel kurz ins Wanken. Die Spitze schabte über die Beinschienen seiner Rüstung.
Während sein Ross sich aufbäumte und schnaubte, packte er die Zügel mit der Schildhand, das Gesicht zu einem verkrampften Grinsen verzogen und wild erst links, dann rechts mit seiner Axt drauflosschlagend. Reflexhaft prügelte er auf einen Schild ein, der mit einem schwarzen Wolf bemalt war, trat nach einem Mann, der daraufhin zurücktaumelte, bis Barnivas Säbel aufblitzte und ihm den Arm abschlug.
Er sah Weißwasser-Jin, der seinen Streitkolben schwang und dem das wirre, rote Haar bis vor die zusammengebissenen Zähne hing. Direkt vor ihm kreischte Antaup irgendetwas, während er versuchte, seinen Speer aus einem blutigen Kettenpanzer zu ziehen. Glaward rang mit einem Carl, beide unbewaffnet und in ihre Zügel verheddert. Leo schlug nach dem Nordmann und drückte ihm den Ellenbogen zur falschen Seite durch, schlug wieder zu und schaffte es, ihn zu Boden zu werfen.
Mit seiner Axt deutete er auf Stour Dunkelstunds Standarte – den schwarzen Wolf –, die im Wind flatterte. Er heulte, brüllte, schon ganz heiser. Wegen des geschlossenen Visiers konnte ihn sowieso niemand hören. Nicht, dass das bei offenem Visier so viel anders gewesen wäre. Er wusste kaum, was er da brüllte. Wild schlug er auf die wogenden Leiber ein.
Jemand klammerte sich an sein Bein. Lockiges Haar. Sommersprossen. Sah völlig verstört aus. Wie jeder hier. Schien auch keine Waffe zu haben. Wollte sich vielleicht ergeben. Leo schlug dem Sommersprossigen den Schildrand auf den Kopf, gab sei