2. KAPITEL - DIE SACHE MIT DEM ABWASCH
Ermutigt durch meine Erfolge, kochte ich in der Folgezeit nun öfters, ganz zum Ärgernis meiner damaligen Freundin. Der Hauptgrund hierfür war, dass ich bei jeder Zubereitung fast das ganze Inventar ihrer Küche benutzte. Jedes Mal, wenn ich es geschafft hatte, das eine oder andere Gericht einigermaßen hinzubekommen, türmten sich wahre Berge von Geschirr in dem kleinen Raum. Damals und noch über weitere Jahre hinweg war ich der Ansicht, dass ich mit meiner Kocherei meinen Teil getan hätte. Großmütig überließ ich ihr den Abwasch und das Reinigen der von mir verlassenen Küche. Nur hin und wieder half ich, das von mir angerichtete Chaos zu beseitigen. Logischerweise sah sie es daher nicht so gerne, wenn ich mich in die Küche zurückzog, um meinem neu entdeckten Hobby zu frönen.
In dieser Zeit veränderten sich meine Essgewohnheiten zusehends. Von Schnitzeln und Currywurst war nicht mehr die Rede. Stattdessen fand ich in der Rezeptsammlung immer neue Ideen, die ich, wann immer möglich, in die Tat umsetzte, mit den bekannten Folgen.
Insbesondere die Küche rund um den Mittelmeerraum sollte zukünftig jene bevorzugte Geschmacksrichtung werden. Waren es erst Pasta und Pizza, so erkannte ich zu meinem Erstaunen, wie vielfältig gerade die italienische Küche war. Zudem hatte ich durch leidvolle Erlebnisse manch einen Trick gelernt. Ich machte die Erfahrung, dass ein Schuss kaltes Wasser ins Eiweiß eine festere Konsistenz schuf. Auch schlug ich es nicht mehr mit der Gabel, sondern mit dem Mixer, was ein wirklich ansehnliches Ergebnis brachte.
Wären da nicht der Abwasch und die Unordnung gewesen, man hätte glauben können, unsere Beziehung wäre bestens gewesen.
Apropos Beziehung: Aus der anfänglichen Freundschaft wurde Liebe, und als ich mich kaum vier Monate nach unserem ersten Kennenlernen mit meiner damaligen Freundin verlobte, schien sich eine feste Verbindung abzuzeichnen. Dabei hatte nicht ich ihr, sondern sie mir den Antrag gemacht, und das auch nicht irgendwo, sondern am Ostbahnhof von Paris. Das ist jedoch eine andere Geschichte. Jedenfalls ergab es sich, dass wir bestrebt waren, den zukünftigen Lebensweg gemeinsam zu meistern. Das alles war damals noch graue Theorie, denn meine Abneigung gegen das Aufräumen und den Abwasch führte nicht allzu selten zu intensiven Auseinandersetzungen.
Das steigerte sich dramatisch, als ich, kaum dass wir fünf Monate zusammen waren, meinen Arbeitsplatz verlor. Zu jener Zeit lebten wir noch in unterschiedlichen Orten. Da ich nun sehr viel Zeit hatte, bot ich ihr an, mich verstärkt um das Kochen zu bemühen. Ich weiß nicht, warum sie es zugelassen hat.
Vielleicht erkannte sie, dass ich ohne eine Aufgabe nicht leben konnte, und so willigte sie trotz enormer Vorbehalte ein. Der Streit um den besagten Abwasch führte in der Folgezeit hin und wieder so weit, dass unsere Beziehung auf eine harte Probe gestellt wurde. Wie oft tadelte sie mich, doch endlich organisiert zu kochen. Wie oft stand sie resigniert vor meinen Hinterlassenschaften? Entweder hatte sie es aufgegeben, oder sie liebte mich derartig, dass sie diese Eigenart nunmehr in Kauf nahm.
An einem dieser Tage musste sie wohl die Nase voll gehabt haben, denn sie weigerte sich, den Abwasch zu machen. „Du hast gekocht, und du wäschst ab“ war ihre Antwort auf meine Frage, wann sie denn gedenke, die Küche zu säubern. Da das Essen auch ziemlich danebengeraten war, begannen wir beide, uns auf einen Kampf einzustellen. Das Säbelrasseln war unüberhörbar, und ihre sonst so sanftmütigen Augen funkelten mich wütend an. Würde es Krieg geben, fragte ich mich. Es hatte den Anschein, denn so, wie sie jetzt aussah, hatte sie die Waffen