: Ulrike Sosnitza
: Sternenblütenträume Roman
: Heyne Verlag
: 9783641248253
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nur wenn Liebe im Vertrauen wurzelt, kann sie zum Himmel wachsen

Die Hochzeitsfotografin Nina braucht eine neue Wohnung und einen neuen Mann. In dieser Reihenfolge. Seit sie wieder Single ist, lebt sie notgedrungen bei ihren Eltern, und das hält sie einfach nicht aus. Da trifft sie auf einer sonnendurchfluteten Lichtung im Wald auf den Schulsozialarbeiter Felix, der so gerne Bäume umarmt. Sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Und er in sie. Alles ist perfekt. Sogar die riesige Narbe auf ihrem Bauch stört ihn nicht. Doch dann entdecken die beiden, welch schreckliches Geheimnis sie verbindet.

Ulrike Sosnitza, 1965 in Darmstadt geboren, durchstreifte als junge Frau gerne den Wald, um alte Bäume zu fotografieren. Heute liebt sie ihren Garten, auch wenn die Blumen dort meist nicht so wachsen, wie sie sich das vorstellt. Die frühere Bibliothekarin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Würzburg. »Sternenblütenträume« ist ihr vierter Roman bei Heyne.

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Meine Großeltern lernten sich über eine Zeitungsannonce kennen.Junge Frau für Fahrradtouren gesucht lautete sie. Sie waren zweiundfünfzig Jahre lang glücklich verheiratet, und das, obwohl meine Großmutter Radfahren nicht ausstehen konnte.

Ich suchte meinen Mann fürs Leben über eine Dating-App und ein Foto, auf dem ich aussah wie Mona Lisa mit blonden Haaren.Nina, 32 – Fotografin stand darunter. Anonym wie in der Nachkriegszeit war heute nichts mehr. Die Zeitungsannonce meiner Großeltern lag ausgeschnitten in unserem Familienstammbuch und sagte jedem, dass man die Hoffnung nie aufgeben sollte. Da draußen wartete der Mensch fürs Leben, man musste ihn nur finden, egal wie.

Und es funktionierte – meine Familie war riesig. Durch meinen Bruder war ich bereits zweifache Tante und genoss diese Rolle sehr.

Doch ich war Single. Schon wieder, seitdem ich René den Laufpass gegeben hatte. Vier Wochen war das her, vier Wochen und fünf Online-Dates. Und eine Wohnungsbesichtigung. Aber das hieß nicht, dass es leichter wäre, einen Mann als eine neue Wohnung zu finden, ganz bestimmt nicht. Es gab nur einfach mehr Singles als leer stehende Wohnungen.

René Bauer, der gut aussehende Erbe einer Pharmafirma. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen gehabt, doch leider wollte er auch Spaß haben, wenn ich samstagabends arbeitete. Ich bin Hochzeitsfotografin, da bleibt das natürlich nicht aus. Und irgendwann erwischte ich ihn an einem dieser Abende mit einer anderen.

Kurz war ich verzweifelt, aber dann fielen mir die Zeitungsannonce und ihr Versprechen wieder ein. Ich hatte bereits Hochzeitspaare fotografiert, die sich per Dating-App kennengelernt hatten. Ganz unmöglich war das also nicht.

Und deshalb war ich an diesem Samstagabend im April, an dem ich ausnahmsweise mal keine Bilder eines glücklichen Paares machte, unterwegs ins Lemontree. Ein Blind Date per App. Wobei, blind war es nicht, er hatte ja mein Profilfoto gesehen. Und ich seins.

Darunter waren richtig professionelle Aufnahmen. Aber es gab auch misslungene Selfies im Spiegel, und manchmal auch von Körperteilen, über die ich hier gar nicht reden will. Die schob ich sowieso so schnell es ging nach links in den Papierkorb.

Wischte man ein Bild nach rechts, hieß es: Interesse. Wenn der andere darauf einging, ergab das ein »Match«. Und wie beim Tennis ging es dann hin und her. Meist fing der Mann mit irgendeinem Spruch an. Harmlos wäre:Hallo, du Schöne. Abschreckend:You wanna lick my dick? Möglichst mit Rechtschreibfehlern. Nicht jedes Match zündete. Und dann höre ich auch schon auf mit den Wortwitzen.

Simon fiel da angenehm auf. Von ihm stammte dasHallo, du Schöne. Be