1. KAPITEL
Der Lotus oder »Die vollkommene Stellung«
(Sanskrit: Siddhasana)
Damit du dich im Lotussitz auch entspannen kannst, setzt du dich am besten auf deine Yogamatte, überkreuzt die Beine und verankerst beide Sitzbeinhöcker gut im Boden. Den Rücken hältst du gerade, den Kopf auch. Und die Hände legst du auf die Knie, sodass sich Daumen und Zeigefinger berühren. Dies ist eine besonders beruhigend wirkende Yoga-Grundstellung, die es dir erlaubt, dich ganz auf deinen Körper, deinen Geist, die Umgebung zu konzentrieren.
TRENT
»Wach auf, du elender Mistkerl!«
Ein Knurrlaut, gefolgt von einem scharfen Schmerz in meinem Bein, ließ mich ins viel zu grelle Licht blinzeln. Mein Mund fühlte sich an, als wäre ein Häufchen Wollmäuse hineingekrochen und hätte Wurzeln geschlagen. Durstig schmatzte ich mit den Lippen, blinzelte ein paarmal und griff mir oben an mein gesundes Bein, um mich irgendwie per Hebelwirkung in eine aufrechte Position zu stemmen. Ein Stressknoten, der sich in meinem Nacken eingenistet hatte, protestierte sofort, als ich mich sitzend lagerte.
»Ross?« Kopfschüttelnd betrachtete ich die grauhaarige, tickende Zeitbombe vor mir, die aussah wie mein Agent. Seine große Silhouette verdeckte einen Teil des Tageslichts, das durch die Fenster hinter ihm hereinströmte – Fenster, die ich fest verschlossen hatte aus Angst vor diesem Moment, in dem ich sie öffnen musste, um zu einem weiteren Schmerzenstag voller Physiotherapie und noch mehr verdammter Physiotherapie aufzuwachen. »Was machst du hier?«, fragte ich durch die pelzigen Freunde in meinem Mund hindurch. Ich schnappte mir die erstbeste Flasche, die ich in die Finger kriegen konnte, eineGatorade Orange, setzte sie an, kippte gierig etwas davon in mich hinein –