First Serve (Prolog)
Am Sonntagnachmittag des 23. Juli 2017 spielte der Argentinier Leonardo Mayer auf dem Center Court am Hamburger Rothenbaum gegen den Berliner Rudolf Molleker. Es war die letzte Runde der Qualifikation. Mayer hatte das größte deutsche Tennisturnier vor drei Jahren gewonnen. Er musste durch die Qualifikation, weil er wegen Verletzungen in der Weltrangliste abgerutscht war. Für Molleker, 16 Jahre alt, war es der erste Auftritt bei einem großen Turnier. Mayer spielte schlecht. Molleker frech. Er hatte nichts zu verlieren und gewann mit 6:3 im dritten Satz. Die Zuschauer erhoben sich nach dem Matchball und klatschten, minutenlang.
Mayer hätte nach seiner Niederlage gedemütigt abreisen können, aber er beschloss, noch ein paar Tage in Hamburg zu trainieren. Er mochte den langsamen Sandplatz, schrieb sich als Lucky Loser ein. Sollte ein Spieler aus dem Hauptfeld absagen, käme er auf diesem Weg vielleicht doch zum Zug. Nach dem letzten Match der Qualifikation wurde eine Reihenfolge unter den Lucky Losern ausgelost. Der erste auf der Liste würde der erste Nachrücker sein, der achte hatte wenig Chancen.
Mayer stand oben auf der Lucky-Loser-Liste. Der Slowake Martin Kližan zog zurück. Mayer durfte im Hauptfeld antreten.
Leonardo Mayer steigerte sich von Runde zu Runde und gewann am Ende das Turnier. Eine Woche nach seiner Niederlage gegen Rudi Molleker erhielt er 500 Weltranglistenpunkte und 323 145 Euro Preisgeld. Mayer war der erste Lucky Loser, der ein Turnier der 500er-Kategorie gewann.
Ein Lucky Loser ist kein Verlierer. Ein Lucky Loser ist ein Tennisspieler, der eine zweite Chance bekommt. So wie Leonardo Mayer. Oder ich. Mayer nutzte seine zweite Chance für den Turniersieg in Hamburg. Aus meiner zweiten Chance entstand dieses Buch.
Ich heiße Felix Hutt, bin 1,88 Meter groß und wurde am 1. Februar 1979 im Kreiskrankenhaus Stuttgart-Bad Cannstatt geboren. Ich habe blaugrüne Augen, glaube an Horoskope und Pearl Jam, wiege nie, was ich sollte, weiß zu selten, was ich will, aber immer, wovon ich träume. Ich träumte seit meiner Jugend von einem ATP-Punkt. Mit ei