: Victoria Brownlee
: Mit Liebe gemacht Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641233457
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Frisch verliebt und sorgenfrei genießen Ella und Serge ihr Leben in Paris, wo Serge eine kleine Fromagerie führt. Als Ella aber entdeckt, dass sie schwanger ist (was neun lange Monate ohne Camembert bedeutet), fragen sich beide, ob die Großstadt der richtige Ort für ein Kind ist. Hals über Kopf beschließen sie, eine Ziegenfarm im Loire-Tal zu übernehmen. Doch das Landleben haben sie sich idyllischer und romantischer vorgestellt, als es ist, und ihre Beziehung leidet unter der neuen Situation. War es ein Fehler, die Stadt der Liebe hinter sich zu lassen?

Victoria Brownlee stammt aus Melbourne, Australien. Sie arbeitet als freie Journalistin und schreibt über Essen, Reisen und allgemeine Lifestyle-Themen. Nach einigen Jahren als Redakteurin bei »Time Out Shanghai« lebt sie nun in Paris und lässt sich dort zu ihren bezaubernden Romanen inspirieren.

Kapitel 1

Ungläubig starrte ich auf den Test. Dass sich ein derartig lebensverändernder Moment bei heruntergelassener Hose ereignet, ist wirklich krass. Ein Baby,un bébé, es klang furchteinflößend – egal, in welcher Sprache.

Merde!, fluchte ich innerlich, zog die Hose hoch und drückte auf die Klospülung. Wie konnte das nur passieren?

Als ich mir am Vorabend den Test besorgt hatte, war er nur zur Beruhigung gedacht, weil ich – so nahm ich jedenfalls an – ein bisschen hysterisch reagierte. Ich hatte nicht im Traum damit gerechnet, dass das Ergebnis positiv ausfallen würde. Rasch stopfte ich das Stäbchen mit den zwei blauen Strichen in meinenBH und atmete tief durch.

»Bonjour, ma belle!«, rief Serge aus der Küche.

»Bonjour«, antwortete ich und ging zu ihm.

»Hast du gut geschlafen?«, fragte er mich auf Französisch und reichte mir eine große Tasse Kaffee.

Wir bekommen ein Baby und werden nie wieder schlafen!, wollte ich schreien, sagte aber stattdessen wie auf Autopilot:»Très bien. Et toi?« Meine Gedanken kreisten nur um die Frage, wann ich Serge sagen sollte, dass erpapa wurde. Er nickte und wollte mich umarmen. Aber ich duckte mich weg, durfte auf keinen Fall riskieren, dass das Teststäbchen aus meinemBH rutschte und alles verriet.

»Ich muss mich beeilen«, ergänzte ich auf Englisch und warf ihm eine Kusshand zu. »Vor der Arbeit muss ich noch in die Apotheke …«Um ein Dutzend weitere Schwangerschaftstests zu kaufen, fügte ich im Kopf hinzu.

»Ist alles in Ordnung?«, fragte er.

»Aber klar, nur Stresskopfschmerzen«, versicherte ich. Zumindest der Teil mit dem »Stress« war nicht gelogen.

Hastig trank ich einen Schluck Kaffee und spuckte ihn sofort wieder aus – Koffein ist schlecht für Schwangere!

Serge sah mich stirnrunzelnd an, und ich wedelte mit der Hand vor dem Mund herum. »Zu heiß«, murmelte ich mit entschuldigendem Blick und schüttete den Rest des köstlichen Getränks in den Ausguss.

»Kein Problem, Bella«, sagte er lächelnd. Serge nannte mich seit neuestem Bella. Eine Kombination ausbelle und Ella. Das war charmant und liebevoll, genau wie er selbst. Ich dachte daran, ihm auf der Stelle die Neuigkeit zu erzählen, während mich seine muskulösen Arme umschlossen und sein Gesicht strahlte, aber aus irgendeinem Grund brachte ich die Wörter nicht über die Lippen. Zuerst musste ich begreifen, was es für Konsequenzen hatte, dass ich in Frankreich schwanger war.

Serge und ich ware