: Brooke Harris
: Das Versprechen der Sterne Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641244583
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Annie Talbot liegt im Sterben, doch Angst hat sie keine. Nach sechzig langen Jahren, die sie nun schon allein in dem alten irischen Bauernhaus neben dem Apfelgarten lebt, ist sie bereit, wieder mit ihrem geliebten Mann vereint zu werden. Zunächst muss sie aber ihre Enkelin Holly davor bewahren, sich ins Unglück zu stürzen. Holly hat ihren Verlobten verlassen, nachdem sie mit einer schrecklichen Diagnose konfrontiert wurde. Doch Annie weiß: Liebe zu erfahren, egal wie lange, ist das Einzige, was im Leben zählt ...

Brooke Harris hat Psychologie studiert und liebt es, in die unterschiedlichsten, dramatischen Gefühlswelten einzutauchen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Kildare, Irland.

1.


Holly

Als der Anruf kommt, bin ich nicht besonders überrascht. Schon seit einiger Zeit habe ich damit gerechnet, und dennoch stockt mir der Atem, als ich an das Handy gehe und meinen Bruder leise flüstern höre: »Es ist so weit.«

Meine Arbeit lasse ich stehen und liegen und mache nur eben Halt, um eine kurze Erklärung auf ein gelbes Post-it zu kritzeln; das klebe ich mitten auf Nates Laptopbildschirm, damit er es nach seinem Meeting auch gleich sieht. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich weg sein werde, und ich will es auch gar nicht wissen. Nicht einmal mehr zu meinem Apartment fahre ich, um mir ein paar Sachen einzupacken. Alles, was ich brauche, kann ich mir auch kaufen, wenn ich angekommen bin. Ich muss einfach dort sein, bevor es zu spät ist.

Der Motor macht seltsame Geräusche, als ich das Gaspedal durchtrete. Meine alte Rostlaube ist es nicht gewohnt, so schnell zu fahren. Die Türen klappern, und das Lenkrad vibriert in meinen Händen, um mich davon zu überzeugen, doch langsamer zu werden. Doch ich zwinge meinen Fuß, noch fester auf das Gaspedal zu treten, und schlängele mich durch den Verkehr auf der Autobahn, während ich leise alle langsamen Fahrer verfluche.

Die vertraute zweieinhalbstündige Fahrt von Dublin nach Galway kommt mir unendlich lang vor. Jede Minute, die ich noch nicht bei meiner Familie bin, reißt mir kleine Stücke aus dem Herzen. Ein orangefarbenes Warnlicht leuchtet auf dem Armaturenbrett auf; ich verdrehe die Augen, weil bei meinem kleinen Auto eine Inspektion mehr als überfällig ist, doch dafür habe ich im Augenblick einfach keine Zeit. Eigentlich hatte mir Nate letzten Monat versprochen, den Wagen für mich in die Werkstatt zu bringen, doch das war, bevor unsere Welt zusammengebrochen ist. Bevor ich meinen Verlobten von mir gestoßen habe wegen etwas, das gar nicht sein Fehler ist. Da war eine Autowerkstatt nun wirklich das Letzte, worüber ich mir den Kopf zerbrochen habe. Meine Finger klammern sich fester um das Lenkrad, und ich flehe mein Auto inständig an, noch bis Galway durchzuhalten.Warte auf mich, Nana. Bitte warte auf mich!

Der Verkehr hat ein Nachsehen mit mir, sodass mir schon nach gut zwei Stunden das vertraute Knirschen der kleinen Kieselsteine unter den Autoreifen einen Schauer über den Rücken jagt. Als Kind habe ich dieses Geräusch geliebt. Denn es bedeutete, dass wir die lange, kurvenreiche Auffahrt erreicht hatten, die zum Bauernhaus meiner Großmutter in Athenry im County Galway hinaufführt. Die Anreise von unserem Zuhause vor den Toren Dublins ist immer ermüdend gewesen. Ben und ich stritten die meiste Zeit auf dem Rücksitz miteinander und stellten die Geduld meiner Mutter gewaltig auf die Probe. Sie warnte uns immer wieder, da