: Ella Griffin
: Der kleine Laden der unerfüllten Wünsche Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641247324
: 1
: CHF 2.70
:
:
: German
: 528
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Es ist ein Ort voller Schätze und Erinnerungen. Ein Leben lang hat Noras Großmutter die wundervollen Geschenke gesammelt, die ihr Mann von seinen Reisen mitbrachte. Jetzt, wo Granny gestorben ist, soll das Haus in Dublin mitsamt den Kostbarkeiten verkauft werden. Doch Nora, die gerade eine schwierige Trennung durchlebt, ist noch nicht bereit für den Abschied. Beim Sichten und Stöbern kommt ihr der Gedanke, wie wundervoll es wäre, für jedes Ding einen passenden neuen Besitzer zu finden. Keine leichte Aufgabe, doch endlich beginnt Nora damit, die Vergangenheit loszulassen und dem Glück eine neue Chance zu geben.

Die irische Autorin Ella Griffin träumte bereits als Kind vom Bücherschreiben. Ihr beruflicher Weg führte sie jedoch zunächst in die Werbebranche. 2012 legte sie ihr literarisches Debüt vor. Ella Griffin lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann in County Wicklow.

In seiner letzten Nacht in der Wohnung an der Worth Street fand Will ganz unten in einer Ablagebox mit alten Werbebriefings, die er gerade wegwerfen wollte,die Schneekugel. Er schüttelte sie und sah zu, wie die weißen Flocken im Glas herumwirbelten und ein Schneesturm über ein Mini-New-York fegte. Vor langer Zeit hatte er sie für einen Glücksbringer gehalten. Aber an das Glück glaubte er schon lange nicht mehr.

Er packte zu Ende und zog seine Joggingklamotten an. In letzter Minute steckte er die Schneekugel in die Tasche seiner Shorts und trat hinaus in die schwüle New Yorker Sommernacht. Seine übliche Strecke führte ihn um den Columbus Park, aber heute bog er links in die Lafayette Street Richtung Fluss ab.

Er war außer Atem, als er mitten auf der Brooklyn Bridge kurz haltmachte und einen Blick zurück auf Manhattan warf. Die glitzernde Skyline war nicht dieselbe wie in der Schneekugel. Sie stammte aus einer Zeit, als die Twin Towers noch die Stadt überragten.

Will hatte das Gefühl, er müsse diesem Augenblick irgendwie Bedeutung verleihen. Vielleicht seine Faust in die Luft recken oder ein Träne verdrücken, aber er hatte seit Jahren nicht mehr geweint, und abgesehen davon waren hier zu viele Menschen unterwegs. Also zog er die Schneekugel aus seiner Tasche, beugte sich über das Geländer und hielt sie über das dunkle Wasser, in dem sich die Lichter spiegelten.

Am nächsten Morgen schaltete Will auf Autopilot, als wäre es eine ganz gewöhnliche Reise. Er prüfte, ob der Kühlschrank ausgeschaltet und die Fenster abgesperrt waren. Die Bedienungsanleitungen für die Klimaanlage, den Alarm und die Heizung lagen auf dem Tisch. Alles ging gut, bis er ins Foyer kam. Dort saß Carlos, derPortier, hinter dem Schreibtisch, und Will erinnerte sichdaran, wie er Julias Namen immer ausgesprochen hatte, als begänne er mit einem H.

»Ist Alice schon auf dem Weg?« Carlos warf einen Blick zum Lift.

»Nein«, Will räusperte sich, »sie war für ein paar Wochen im Urlaub mit ihrer Großmutter. Ich hole sie am JFK ab.«

»Sagen Sie ihrhasta luego von mir. Dann sehe ich euch also wieder, oder? Sie sind nur für ein Jahr weg, nicht wahr?«

»Erst mal für ein Jahr.« Will steckte den Wohnungsschlüssel in einen Umschlag und klebte ihn zu. »Länger, wenn alles gut geht.«

»Sie sehen ein bisschen blass aus, Will. Brauchen Sie ein Glas Wasser?« Carlos legte besorgt die Stirn in Falten.

»Danke, es geht mir gut.« Will schüttelte ihm die Hand, sah sich ein letztes Mal um und trat hinaus.

Seine Tochter und seine Schwiegermutter warteten in der Halle für Inlandsflüge von Delta in Terminal 4. Maggie hatte Farbe bekommen, aber Alice’ Gesicht war unter ihrem ohnehin schon totenbleichen Make-up noch blasser. Sie