: Shannon Kirk
: Sterbetag Psychothriller
: Goldmann Verlag
: 9783641253769
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sie wollten ihr Kind, sie töten ihre Mutter. Doch der Tag der Rache ist nah.

Lisa war 16 und hochschwanger, als sie entführt wurde. Doch eines war sie nie: ein Opfer. Eine Fehleinschätzung, die ihre Entführer – brutale Handlanger eines internationalen Verbrecherrings – mit dem Leben bezahlten. 18 Jahre später ist aus dem Mädchen eine Frau geworden, ein eiskalter Racheengel, der nicht ruhen wird, bis diese Organisation vollständig zerschlagen ist. Lisa hat ihre Vergeltung minutiös geplant – und der Tag der Abrechnung naht: alle 20 Jahre unterwirft der Drahtzieher im Hintergrund zwei Frauen einem grausamen Ritual. Hier will Lisa ihn stellen. Doch dieses mörderische Spiel fordert einen hohen Einsatz: ihr Leben.

Shannon Kirk ist Anwältin, sie lebt und arbeitet in Massachusetts. Ihre Freizeit nutzt sie zum Schreiben: die Thriller um Ermittlerin und Racheengel Lisa Yyland, aber auch Gedichte und Romane in unterschiedlichen Genres. Shannon Kirk ist verheiratet und hat einen Sohn.

KAPITEL EINS


Ein neuer Zustand für Lisa Yyland, 34


In diesem Moment stelle ich infrage, wer ich bin, ob ich stehe, ob ich fliege, ob ich zerfalle. Ich überlege, ob ich nichts bin, vielleicht nur Schall oder Licht, abgetrennt von allem, was mich am Boden verankert. Doch das würde nicht erklären, woher ich weiß, dass ich sie im Arm halte. Also versuche ich, mich zu konzentrieren. Versuche, die Gefühle auszuschalten, die mich im Schock überwältigt haben.

Ihr Blut tropft von meinen Händen und bildet Netze in den Zwischenräumen meiner Finger. Ich habe gerade die Lache berührt, die sich unter ihr gebildet hat – das Blut stammt von ihrem Rücken, wo die lautlose Kugel wieder ausgetreten ist.

Herbstblätter bedecken die Erde und formen einen Teppich aus Rot, Orange, Braun und Gelb – denselben Farben, die sich in den noch vollen Baumkronen wiederfinden. Es ist mitten im Herbst, die Jahreszeit der Indian-Summer-Touristen. Die Luft ist spätsommerlich warm, aber vielleicht ist mir auch nur heiß von unserer Joggingrunde, die jäh unterbrochen wurde, als derSUV um die Ecke bog, einSUV, der aussah wie all die anderen Luxusschlitten in diesem Küstenort in Massachusetts.

Ich gehe die letzte Minute noch einmal in sämtlichen, mikroskopisch kleinen Details durch: Ein schwarzerSUV biegt von der Harbor Lane in die Beach Street ein, die hintere, getönte Scheibe auf der Fahrerseite ist heruntergefahren. Mein Blick wandert zu meiner Begleiterin, der Frau, die jetzt am Boden liegt, vor einer Minute jedoch noch aufrecht neben mir her joggte und dabei durch eine Playlist auf ihrem iPhone scrollte. Während ich kurz den Kopf zu ihr drehte und auf den Bildschirm ihres Handys blickte, entging mir offenbar der Lauf einer auf sie gerichteten Waffe im offenen Fenster des eingebogenenSUV. Dann sackte sie, ohne jedes Geräusch oder eine ersichtliche Ursache, seitlich nach hinten weg wie eine sterbende Giraffe. Während derSUV beschleunigte und stadtauswärts davonrauschte, glitt ihr das iPhone aus der Hand und landete irgendwo unter einem verblühten Hortensienstrauch, der jetzt gerade meine Achillessehne streift. Als ich ihr das iPhone letztes Jahr zu Weihnachten schenkte, stellte ich den Zeitraum, bis es sich von selbst verschlüsselt, auf drei Minuten ein, man kann das Gerät also drei Minuten lang bedienen, bevor man ein Passwort braucht. Wenn mir mein derzeitiger Schockzustand keinen Streich spielt, müsste es jetzt zwei Minuten her sein, dass meine Begleiterin zuletzt aufs Bedienfeld gedrückt hat.

Ich brauche ihr Handy. Darf nicht zulassen, dass es der Polizei oder jemand anderem in die Hände fällt.

Unglücklicherweise habe ich es versäumt, mir das Nummernschild des Tatfahrzeugs einzuprägen. Ein unverzeihlicher Fehler.Wären sie wirklich so dumm, mit Nummernschildern herumzufahren, die sich zurückverfolgen lassen? Vielleicht war mein Versäumnis doch nicht so unverzeihlich.

An der Vorderseit