: Lucy Vincent
: Tanzen macht nicht nur glücklich, sondern auch schlau Mit neuesten Erkenntnissen aus der Neurobiologie
: Goldmann Verlag
: 9783641247096
: 1
: CHF 8.00
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Gehirn im Viervierteltakt

Wir haben es immer gewusst, aber nun ist es wissenschaftlich belegt. Tanzen macht nicht nur glücklich, sondern auch schlau. Die Kombination aus Rhythmus, musikalischem Gehör, Choreographiearbeit, asymmetrischem Training von linker und rechter Körperhälfte, Koordinationsvermögen (alleine, als Paar oder in der Gruppe) und Ausdauertraining fördert und fordert unterschwellig den Denkapparat. Das lässt sich in der Gerontologie und Demenztherapie wunderbar umsetzen, aber auch im schulischen Kontext gibt es hiermit eine Alternative zum Geigenunterricht.

L cy Vincent, Neurobiologin, geboren in Wales, lebt seit vielen Jahren in Frankreich. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist sie Redakteurin für Sachthemen beiRadio France. Sie schrieb mehrere international erfolgreiche Bücher zu Aspekten der Neurobiologie im sozialen Miteinander. Sie ist verheiratet mit dem Neurobiologen Jean-Didier Vincent.

Wenn verallgemeinernd von »sportlichen Aktivitäten« die Rede ist, klingt das so, als wären sie untereinander austauschbar, das ist jedoch alles andere als zutreffend. Um joggen zu können, brauchen Sie ein gutes Herz-Kreislauf-Training, die Schrittfolge werden Sie aber keinesfalls vergessen haben. Das Gleiche gilt fürs Radfahren oder Schwimmen – man kann sich vielleicht über die Strategie Gedanken machen, nicht aber um den emotionalen Ausdruck. Und beim Tanzen? Nun, das Tanzen hebt sich dadurch von anderen Aktivitäten ab, dass es so viele unterschiedliche Fähigkeiten mobilisiert. Tatsächlich leisten dies nur wenige Sportarten. Gleichgewicht, Muskelarbeit im gesamten Körper, Koordination, Ausdruckskraft, Interaktion mit einem Partner bzw. einer Partnerin, Rhythmusgefühl: Wenn man darüber nachdenkt, gibt es kaum eine Körper- oder Gehirnfunktion, die nicht miteinbezogen wäre. Und als Krönung des Ganzen tanzt man, im Unterschied zu vielen anderen Aktivitäten, immer um des Vergnügens willen und nicht, weil man sich einredet, zum eigenen Wohl zu leiden. Ohne zu behaupten, dass der Tanz die einzige Sportart wäre, die der Mühe lohnt, drücken wir es lieber so aus: Das Tanzen bringt viele spezifische Vorteile mit sich, angefangen bei der kognitiven Arbeit. In diesem ersten Kapitel werden wir genauer darauf eingehen, wie die Körperbewegungen direkt auf unsere Neuronen einwirken, wenn wir tanzen.

DasBrain-Building

Die Auswirkungen eines Tanz-Lernprogrammes wurden mit denjenigen einer Folge wiederholter Sportübungen verglichen (Muller, Rehfeld u.a. 2017). 22 ältere Menschen zwischen 63 und 80 Jahren bei guter Gesundheit beteiligten sich über einen Zeitraum von 18 Monaten als Freiwillige. Bereits nach sechs Monaten bemerkte man, dass die Tänzer eine signifikante Zunahme an grauen Zellen im Gyrus precentralis (dem Teil der motorischen Rinde, der die Bewegungen steuert) verzeichnen konnten, was bedeutet, dass das Tanzen (und eben nicht die wiederholten Übungen) Gehirnmasse hervorbringt. Auf der anderen Seite zeigten die gleichen Tänzer eine Zunahme von neuronalen Wachstumsfaktoren, was wiederum belegt, dass die Verbindung zwischen Tanzen und Gehirn über den Weg der Hormone verläuft. Und schließlich konnte man bei ihnen auch eine Steigerung des Volumens des Parahippocampus beobachten (zentrale Struktur für das Funktionieren der Erinnerung), wodurch sich einigermaßen konkret das bestätigen lässt, was man über die Auswirkungen des Tanzens auf das Erinnerungsvermögen weiß. Daraus haben die Forscher den Schluss gezogen, dass ein Tanzprogramm mit konstantem Lernen neuer Schrittfolgen sinnvoller wäre als die simple Wiederholung von Bewegungen, um die Funktion des Gehirns zu verbessern.

Tanzen als höhere Gehirnfunktion

Ist das wirklich so erstaunlich? Wenn man darüber nachd