1. KAPITEL
Leila Verughese überlegte gerade, was wohl passieren würde, wenn ihre Parfümvorräte ganz ausgingen, als sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Froh um die Ablenkung, die sie aus ihren dunklen Gedanken riss, drehte sie sich um.
Ein eleganter schwarzer Wagen hielt vor ihrem kleinen Haus an der Place Vendôme in Paris. Das Haus hatte sie von ihrer Mutter geerbt, zusammen mit der Parfümerie im Erdgeschoss. Als sie näher hinsah, bemerkte sie eine ganze Flotte schwarzer Autos. Der vorderste Wagen war mit Flaggen bestückt, doch Leila konnte nicht sagen, zu welchem Land sie gehörten. Obwohl sie oft genug in ihrem Leben zu dem weltbekannten Hotel Ritz hinübergesehen und beobachtet hatte, wer dort ein und aus ging.
Jetzt stieg ein Mann aus dem Wagen, offenbar ein Bodyguard mit einem Ohrhörer. Er sah sich um, ehe er die hintere Tür öffnete. Leilas Augen weiteten sich, als sie beobachtete, wer ausstieg.
Es war ein Mann – ein ausgesprochen maskuliner, energiegeladener Mann in einem langen schwarzen Mantel. Zuerst sah es so aus, als wollte er auf ihren Laden zusteuern, dann blieb er plötzlich stehen. Leila bemerkte, dass er für einen Moment verwirrt wirkte, ehe er sich umdrehte und mit jemandem hinten im Wagen sprach. Einer Frau? Einer Freundin?
Als der Mann sich wieder aufrichtete, erhaschte Leila einen Blick auf ein langes gebräuntes Bein und blonde Haare. Dann drehte er sich um und kam auf den Laden zu, flankiert von seinen Leibwächtern.
Erst jetzt sah Leila sein Gesicht. Noch nie in ihrem Leben hatte sie etwas so Schönes gesehen. Die Haut von einem dunklen Oliv – was vielleicht auf arabische Herkunft hindeutete –, dazu hohe Wangenknochen und ein sinnlicher Mund. Tiefliegende Augen, dichte Brauen und ein entschlossenes Kinn. Wieder der verwirrte Blick, während seine Kiefer fest zusammengepresst waren. Seine dunklen Haare waren sehr kurz geschnitten.
Wie angewurzelt blieb Leila stehen, als er immer näher kam. Kurz bevor die Ladentür sich öffnete, fing er ihren Blick auf, und sie hatte die seltsame Vorstellung, sich einem Raubvogel gegenüberzusehen, der gleich auf sie herniederstürzen, sie mit seinen Klauen greifen und mit ihr davonfliegen würde.
Alix Saint Croix bemerkte die dunkelhaarige Verkäuferin, die er durch das Ladenfenster sah, nur am Rande, als er zu der Parfümerie ging.Lass dir etwas einfallen. Sein Mund wurde schmal. Wäre die letzte Nacht angenehmer verlaufen, wäre er eher geneigt, sich für seine Geliebte etwas einfallen zu lassen. Er war es nicht gewohnt, irgendwelchen Befehlen zu gehorchen, und hatte Carmens plötzlicher Laune nach einem Parfüm nur nachgegeben, um von ihr wegzukommen.
Sie war am Abend zuvor in seiner Suite gewesen,