: William Makepeace Thackeray
: Henry Esmond
: Red Ediciones
: 9783957189608
: 1
: CHF 2.70
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: Erzählende Literatur
: German
: 772
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Thackeray schildert in seinem erstmals 1852 erschienenen historischen Roman vor dem Hintergrund der Englischen Restauration den frühen Lebensweg Henry Esmonds, einer Waise, die unter geflohenen französischen Hugenotten nahe London aufgewachsen ist. Im zarten Alter von zehn Jahren wird das Kind von Thomas Esmond, dritter Viscount Castlewood, nach Schloss Castlewood geholt, wo er jahrelang als Bediensteter lebt, obwohl man sich allgemein zuraunt, dass er der uneheliche Sohn des Viscounts sei. Als Thomas Esmonds Sohn nach dem Tod seines Vaters vierter Viscount Castlewood und bei einem Duell schwer verwundet wird, lässt er den jungen Mann an sein Totenbett holen und eröffnet ihm, dass Henry keineswegs unehelich geboren sei, sondern vielmehr Anspruch auf das Gut Castlewood erheben könne ... Der für seine beißende Satire gefeierte Thackeray, dessen Gesellschaftsportrait 'Jahrmarkt der Eitelkeiten' 2015 von einer Fachjury zu einem der bedeutendsten britischen Romane gekürt wurde, spart auch in 'Henry Esmond' nicht mit Sarkasmus und augenzwinkerndem Humor und beweist einmal mehr, mit welchem Scharfblick er die Menschen und ihre Beweggründe, ihre Schwächen, Torheiten und ihre Doppelmoral zu entlarven verstand. Anthony Trollope, der Thackeray für den größten Schriftsteller seiner Zeit hielt, bezeichnete 'Henry Esmond' als dessen Meisterwerk.

Vorrede.
Die Esmonds aus Virginia.


Das Gut Castlewood in Virginia, das unseren Ahnen von König Karl I. als eine kleine Vergütung für die vielen Opfer geschenkt wurde, die die Familie Esmond für die Sache Seiner Majestät gebracht hat, liegt in der Grafschaft Westmoreland, zwischen den Flüssen Potomac und Rappahannock, und war einst so groß wie ein englisches Fürstentum, wenn es auch in den frühesten Zeiten nur unbedeutende Gewinne abwarf. Denn fast achtzig Jahre, nachdem unsere Vorfahren von Grund und Boden Besitz ergriffen hatten, befanden sich unsere Pflanzungen in den Händen von Agenten, die sich einer nach dem anderen bereicherten, obwohl einige Dutzend Fässer Tabak sämtliche Produkte darstellten, die unsere Familie noch lange nach der Restauration aus ihren virginischen Ländereien bezogen.
Mein teurer und verehrter Vater, Oberst Henry Esmond, dessen von ihm selbst verfaßte Geschichte in den vorliegenden Bänden enthalten ist, kam im Jahre 1718 nach Virginia, baute sein Haus Castlewood und ließ sich dort dauerhaft nieder. Nach einem langen, stürmischen Leben in England verlebte er den Rest seiner vielen Jahre in Ehren und Frieden in diesem Land – wie geliebt und geachtet von allen seinen Mitbürgern, wie unaussprechlich teuer seiner Familie, brauche ich nicht erst zu sagen. Sein ganzes Leben war eine Wohltat für alle, die mit ihm in Verbindung standen. Seinen Freunden gab er das beste Beispiel und den besten Rat, wie er auch die grenzenloseste Gastfreundschaft ihnen gegenüber übte; für seine Untergebenen sorgte er aufs zärtlichste, und denjenigen, die unmittelbar zu seiner Familie gehörten, ließ er eine solche Fülle väterlicher Liebe und segensvollen Schutzes angedeihen, daß wenigstens wir nie ohne Verehrung und Dankbarkeit daran zu denken vermögen, und die Kinder meines Sohnes, mögen sie nun hier in unserer Republik ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben oder daheim in dem stets vielgeliebten Mutterland, von dem uns unsere jüngsten Streitigkeiten getrennt haben, dürfen gewiß stolz darauf sein, daß sie von einem Mann abstammen, der in jeder Hinsicht so wahrhaft edel war.
Meine teure Mutter starb im Jahre 1736, kurze Zeit nach unserer Rückkehr aus England, wohin mich meine Eltern um meiner Erziehung willen brachten und wo ich Mr. Warrington kennenlernte, den meine Kinder nie sahen. Als es dem Himmel gefiel, ihn in der Blüte der Jugend und nach nur wenigen Monden einer überaus glücklichen Ehe von mir zu nehmen, verdankte ich es hauptsächlich der Zärtlichkeit meines teuren Vaters sowie später dem Segen und der Wonne, die mir durch die Geburt meiner zwei geliebten Söhne zuteil wurde, daß ich dem Gram nicht unterlag, den mir dieses Unglück verursachte. Ich weiß, daß die unheilvollen Differenzen, die sie in der Politik trennten, nie ihre Herzen verunreinigten, und wie ich beide lieben kann, obgleich der eine die königlichen Farben, der andere die der Republik trägt, so bin ich sicher, daß sie mich, und einander, und vor allem ihn, meinen und ihren Vater, den teuerster Freund ihrer Kindheit, den edelgesinnten Mann lieben, der sie von ihrer zartesten Jugend an Wahrheit, Liebe und Ehre kennen und leben lehrte.
Meine Kinder werden die äußere Erscheinung ihres verehrten Großvaters nie vergessen, und ich wünschte, ich wäre in der Zeichenkunst erfahren (die mein Vater so bis zur Vollendung beherrschte), so daß ich unseren Nachkommen ein Portrait von dem hinterlassen könnte, der so gut und so geachtet war. Mein Vater hatte eine dunkle Gesichtsfarbe, eine sehr große Stirn und dunkle, nußbraune Augen, die von Brauen überschattet wurden, die selbst dann, als sein Haupthaar bereits weiß war, noch lange schwarz blieben. Seine Nase war