Kapitel 1 – Auf den ersten Blick
Das war kein Kerl für eine Nacht, sondern ein Partner fürs Leben. Das wusste Willow sofort, als der Mann den Club betrat und sie ihn das erste Mal erblickte. Er entsprach zu hundert Prozent ihrem Geschmack: groß, breite Schultern, aber nicht übermäßig muskulös, dunkles Haar, scharf geschnittene, streng wirkende Gesichtszüge. Er trug eine eng anliegende schwarze Hose und ein genauso enges weißes T-Shirt, weshalb jede Kontur seines attraktiven Körpers auf fast schon obszöne Weise zur Schau gestellt wurde.
Okay, heute Nacht hatte sie ihren Mechaniker-Overall gegen ein sündhaftes rotes Kleid mit tiefem Ausschnitt getauscht, weshalb auch bei ihr fast alles zu sehen war – mit Absicht! Sie fühlte sich noch fraulicher als sonst und wollte ganz altmodisch erobert werden. Sie hatte sich sogar, völlig untypisch, eine kleine Handtasche umgehängt, in der sich ihr dezenter Lippenstift und ein farbloses Puder befanden. Mehr Make-up trug sie nie, und sie schminkte sich auch sonst äußerst selten. Aber an diesem Abend war sie ein heißer Feger, also durfte sie nicht über das Outfit dieses perfekten Fahrgestells schimpfen. Dass jedoch wirklich jeder Gast in den Genuss kam, den heißen Körper des Mannes zu bewundern, gefiel ihr dennoch nicht. Sofort richteten sich die Blicke aller anwesenden Frauen auf ihn, doch er hatte nur Augen für sie, Willow.
Ihr Herz raste, und trotz der lauten Musik hörte sie den Puls in ihren Ohren klopfen. Der sexy Fremde hatte sie erwählt und sie ihn. Das war ihre Glücksnacht!
Bevor sie morgen Mittag zu einer neuen Mission aufbrach – über die sie kein Wort verlieren durfte –, wollte sie noch ein bisschen Spaß haben. Sie war kein Kind von Traurigkeit und vergnügte sich gerne mit einem schnuckligen Kerl, doch im Grunde ihres Herzens war sie schon seit Jahren auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Nach achtundzwanzig Jahren tickte ihre biologische Uhr von Tag zu Tag lauter. Zwar war es kein Problem, auch mit sechzig Mutter zu werden wie Tante Vi. Doch Willow wollte eine junge Mum sein – und sie wollte diesen Mann als Vater ihrer Kinder.
Sie drehte sich auf dem Hocker zum Tresen um, strich sich lässig eine ihrer kinnlangen Strähnen hinters Ohr und bestellte beim Barkeeper noch einen »Jupiter«. Der orangerote Drink hatte es in sich, aber sie musste sich noch etwas Mut antrinken, denn dieser sexy Kerl schlenderte direkt auf die Bar zu. Es ging los!
Ein wohliger Schauer durchfuhr sie, als er seinen strengen, aber interessierten Blick auf sie richtete und sich gleich auf den Hocker neben sie setzte. Er musterte sie, als würde er ausgestellte Ware begutachten, die er erst testen wollte, bevor er sie kaufte.
Willow unterdrückte ein Stöhnen. Genau nach solch einem Kerl suchte sie bereits ihr halbes Leben! Das mochte verrückt klingen, aber sie sehnte sich danach, sich einmal fallen lassen zu dürfen, alle Verantwortung abzugeben.
»Der Drink der Lady geht auf mich, Joe«, sagte das Objekt ihrer Begierde mit tiefer Stimme, die ein weiteres, köstliches Prickeln über Willows Rücken sandte. »Und ich nehme dasselbe.«
»Jawohl, Sir«, antwortete der jung aussehende Barkeeper schon fast untergeben. Der Android passte sich wohl automatisch seinen Kunden an. Viele humanoide Roboter wurden speziell darauf programmiert, die Menschen zufriedenzustellen. Joe schien ein brandneues Modell zu sein, denn er wirkte wahnsinnig echt – zumindest seine obere Körperhälfte, die in einem schicken Smokingjackett steckte. Der untere Teil bestand lediglich aus Metallgelenken und bewegte sich auf einer Schiene. Der arme Joe war lebenslang an seinen Arbeitsplatz gefesselt, was ihm garantiert nichts ausmachte.
Ihr heißer Fremder war wohl öfter hier anzutreffen, denn Joe reichte ihm unaufgefordert eine kleine Schüssel mit frischen grünen Naga-Nüssen. Ihr düsterer Fremder schob sich eine davon zwischen die sinnlichen Lippen und leckte sich ansch