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Der Minutenzeiger der Wanduhr im Büro rutschte gerade auf zehn Minuten vor zwölf. Kritisch ließ ich noch einmal einen Blick über die Daten auf dem Bildschirm wandern.
„Ok, alles klar, kann ich so speichern. Und Klick!“ Erleichtert ließ ich mich gegen die Rückenlehne meines Stuhls sinken.
Eine anstrengende Arbeitswoche lag hinter mir. Durch den erhöhten Krankenstand, den wir diesen Monat hatten, war durch die Vertretungen einiges an zusätzlichen Aufgaben auf mich zugekommen.
Doch heute war Freitag, endlich Wochenende! Punkt zwölf schnappte ich mir meine Tasche, schloss die Bürotür hinter mir ab und machte mich auf den Weg zur Stechuhr.
„Mach’s gut, Hans, und ein schönes Wochenende!“, grüßte ich winkend den Pförtner, ließ dasPiep! der Stechuhr ertönen und verschwand Richtung Parkplatz.
Vor zwei Jahren wechselte ich von einer Stadtverwaltung im Ruhrpott an diese kleine Gemeindeverwaltung an der Nordsee. Es war pures Glück gewesen, dass ich damals während eines Urlaubs die Stellenausschreibung gesehen und mich spontan dazu entschieden hatte, eine Onlinebewerbung einzureichen. Dass es aber am Ende der zwei Wochen Urlaub tatsächlich noch zu einem Gespräch mit dem Personalleiter gekommen war, konnte ich bis heute kaum glauben.
Ein halbes Jahr später zog ich dann um und trat meine Stelle in meinem ursprünglichen Urlaubsort an. Damals war ich der Hektik und dem Stress der Großstadt überdrüssig gewesen und brauchte dringend die Entschleunigung. Eine gescheiterte Beziehung reihte sich auch nochan. Also alles in allem eine Flucht nach vorn.
Auf meinem Heimweg hielt ich wie jeden Freitag beim Skymarkt. Bis ich damals in diesem Ort Urlaub machte, wusste ich gar nicht, dass es noch Coop-Produkte gab. Die Coop-Märkte in meiner Heimat waren schon vor über fünfundzwanzig Jahren verschwunden. Bei dieser Zahl lief es mir eiskalt den Rücken runter. Ich jammerte rum wie eine alte Frau! Aber nun war ich zweiunddreißig und konnte mich kaum noch an diese Läden erinnern.
Ich flitzte mit dem Einkaufswagen durch den Skymarkt, der den Einheimischen und den Touristen gleichzeitig zum Einkaufen diente und daher immer gut besucht war – mit Ausnahme von heute. Die unerbittliche Erkältungswelle, die auch vor der Gemeindeverwaltung nicht Halt gemacht hatte, schien nun auch einige Touristen zum Urlaubsabbruch zu zwingen.
„Moin, Astrid“, grüßte mich die Kassiererin.
„Moin, Maren“, grüßte ich zurück. Ich sprach nach wie vor nicht das nordische Platt, aber an gewisse Floskeln wie das bekannteMoin gewöhnte man sich schnell.
„Du siehst aber nicht danach aus, als hätte es dich auch schon erwischt“, näselte die Kassiererin, neben deren Kasse ein Päckchen Taschentücher und Schnupfenspray lag.
„Nein“, raunte ich ihr zwinkernd zu, „bislang zum Glück nicht. Aber besser nicht so laut sagen!“
Die Verkäuferin