1
Pauline war auf dem Rückweg vom Dorfbrunnen zur Schenke. Ihr Rücken schmerzte, denn die beiden randvoll mit Wasser gefüllten Holzeimer in ihren Händen wogen schwer. Das Mädchen war harte Arbeit gewöhnt, doch in diesem trockenen Sommer musste sie besonders oft zum Brunnen laufen, damit die Gemüsebeete ihrer Mutter nicht verdorrten.
Die Feldfrüchte auf dem Markt waren wegen des Kriegs sehr teuer. Daher war der große Gemüsegarten hinter dem Haus für die Gastwirtsfamilie immer wichtiger geworden.
Pauline gönnte sich eine kurze Pause, stellte die Eimer ab und blickte zum Horizont. Lörisfelden war von sanften bewaldeten Hügeln umgeben. Im ersten Moment glaubte die junge Frau an eine Sinnestäuschung, denn die Hitze flimmerte über dem Boden. Doch dann wurde die Befürchtung zur Gewissheit.
Eine große braune Staubwolke wallte an der Kimmung auf. Und es ertönte ein Grollen, das nicht von einem aufziehenden Gewitter stammen konnte. Der Himmel war nämlich immer noch tiefblau und wolkenlos.
Nein, der Lärm wurde durch zahlreiche Pferdehufe verursacht. Unwillkürlich bekreuzigte Pauline sich. Die Angst war ihr in die Glieder gefahren. Trotzdem schaffte sie es, ihre Eimer zu greifen und im Laufschritt zu ihrem Elternhaus zurückzukehren. Dabei verschüttete sie einiges an Wasser, aber das war ihr egal.<