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Ich traute Harry Bishop trotz seines strahlenden Zahnpasta-Lächelns nicht über den Weg.
Wenn man ihm die Hand gab, empfahl es sich, hinterher die eigenen Finger nachzuzählen. Es hätte sein können, dass er einen davon klaute. Und wer ihm den Rücken zudrehte, musste damit rechnen, ein Messer zwischen die Schulterblätter gerammt zu bekommen.
Für diese Art von Kerl hielt ich Bishop. Auf meine Menschenkenntnis kann ich mich verlassen.
Weshalb ich mich dann trotzdem mit dem Hurensohn abgab, Freunde?
Weil ich mal wieder dringend ein paar knisternde Dollarscheine in der Tasche brauchte. Die Zeiten waren hart und miese kleine Privatschnüffler gab es wie Sand am Meer.
Zumindest in New York City.
Ich hätte also dankbar dafür sein können, dass sich ein reicher Protzer in mein bescheidenes Büro verirrt hatte. Bishop trug einen Maßanzug, hatte dicke Goldringe an seinen Wurstfingern.
Und seine Gattin, die auf meinem zweiten Besucherstuhl Platz genommen hatte, war die Wucht in Tüten.
Bishops Ehefrau hörte auf den liebreizenden Namen Lydia. Über ihrem flaschengrünen Kleid nach neuester Pariser Mode trug sie ein Pelzjäckchen. Lydia rauchte eine Zigarette aus einer langen schwarzen Spitze und ließ den Rauch zwischen ihren kirschroten Lippen langsam zur Zimmerdecke steigen. Sie musterte mich, als ob ich ein Insekt unter dem Mikroskop eines verrückten Wissenschaftlers wäre.
Ich zwang mich zu einem geschäftsmäßigen Lächeln.
„Was kann ich für Sie tun?“, wandte ich mich an B