: Jörg Rutz
: Tatort Madast Dunkle Schatten über der Bündner Herrschaft
: Driftwood
: 9783907178027
: 1
: CHF 8.70
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: Erzählende Literatur
: German
: 256
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als im Sommer 1999 ein Teil der Jeninser Weinberge durch einen Unbekannten vergiftet und im Herbst der junge Winzer Hannes Simonet erschossen wird, gerät sein Freund Thomas Johanni unter Mordverdacht. Trotz vieler Anfeindungen im Dorf beginnt Johanni auf eigene Faust, nach dem Mörder zu suchen. Gleichzeitig wird Kommissar Pius Cathomas bei seinen Ermittlungen mit Brauchtum, Stolz und einer alten Geschichte vom «schwarza Maa» konfrontiert. Als diese dunkle Gestalt dann tatsächlich in Jenins auftaucht, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Teil 2


Montag, 10. Januar


Es war kurz nach sieben, als Pius Cathomas seine Wohnung in der Altstadt verliess. Der Föhn brauste wie ein heulendes Gebläse durch die Gassen und hatte den Schnee über Nacht weggeputzt. Schweigend schlenderte er zum Bäcker an der Ecke. Der Duft von frischem Brot lag in der Luft. In der Bäckerei bestellte er einen Kaffee und setzte sich an einen kleinen Tisch. Die Menschen um ihn herum trugen ihre Montagsgesichter. Das vergangene Wochenende beschäftigte ihn, obwohl es so leise begonnen hatte. Seine Frau hatte ihm am Sonntag das Frühstück gemacht, die Kaffeemaschine eingeschaltet und sich danach mit einem Kuss von ihm verabschiedet. Nachdem er ausgiebig gefrühstückt hatte, war er an den Rhein gefahren und Richtung Haldenstein gelaufen. Der bräunliche Strom hatte einen hohen Pegel erreicht, es war aber noch lange nicht bedrohlich gewesen. Seine Gedanken hatten wieder und wieder versucht, das Wesentliche zu erfassen. Am späten Nachmittag hatte er sich ein Unihockeyspiel seiner beiden Söhne Rolf und Nils angeschaut. Die Eltern vor und hinter ihm hatten lautstark mitgefiebert, ihre Erregung war freudig gewesen, hatte aber immer häufiger in Missgunst umgeschlagen. Cathomas hatte nicht mehr gewusst, wer mehr Tore geschossen hatte, als sein Handy vibrierte und er kurz darauf vor der Turnhalle Sand in sein Auto gestiegen und weggefahren war.

Im Büro sass ein überaus hübsches, junges Mädchen. Ihre klaren, blauen Augen aber verrieten ihm, dass sie Angst hatte. Er wollte nicht einschüchternd wirken, dennoch verlor er kurz die Beherrschung, als sie ihm erzählte, dass sie den Mörder kenne. Anja Nett zuckte zusammen und er entschuldigte sich sogleich.

Reto Spadin sagte nichts dazu, blickte ihn aber fragend an. Sie sei an jenem Herbstfest mit Hannes Simonet zusammengewesen, eigentlich hätten sie sich auf dieses Fest gefreut, aber dann sei alles ganz anders gekommen. Hannes sei an diesem Abend für längere Zeit weggewesen, wo wisse sie nicht. Gegen zwei Uhr sei er plötzlich neben ihr an der Bar gestanden und habe ihr befohlen mitzukommen, da er nach Hause wollte. Sie aber wollte nicht und blieb bei Roman.

Roman habe sie dann nach Hause gefahren. Im Auto sei eine Flinte auf dem Rücksitz gewesen, da sei sie sich ganz sicher. Dann hätten sie die Nacht miteinander verbracht, was eigentlich nicht hätte geschehen dürfen. Gegen sechs Uhr früh habe Roman das Haus verlassen. Ihre Eltern hätten nichts von alldem mitbekommen. Sie habe dem Auto nachgesehen, das bis ans Ende der Strasse gefahren und dann Richtung Unterdorf statt nach Hause ins Oberdorf gefahren sei.

Spadin machte sich einige Notizen, Cathomas suchte währenddessen nach der nächsten Frage.

Wohin Roman wirklich gefahren sei, habe sie nicht sehen können, gab sie ihm darauf zur Antwort. Spadin zweifelte. Das Ganze war nicht hieb- und stichfest, zu viele Fragen blieben unbeantwortet. Warum sie so