: Tausche Mann gegen Frau Ups... auf einmal Lesbisch?
: Goldfeder Verlag
: 9783905882223
: 1
: CHF 14.00
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: Familie
: German
: 212
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Ehefrau und Mutter erlebt nach ihrem Coming-out Schwieriges, aber auch Schönes - ein unspektakuläres und doch spektakuläres, tiefgründiges, humorvolles und süffig zu lesendes Buch! «Mami, man kann sich doch nicht aussuchen, in wen man sich verliebt!» Irgendwann machte er den Mund auf, vielleicht primär, um Luft zu holen, keine Ahnung, doch dann auf einmal waren einige Silben zu hören. «Es steht mir doch nicht zu, zu urteilen.» «Klar finde ich nicht gut, was da gerade bei dir läuft, aber findest denn du gut, was alles bei mir läuft?» «Das könnte ich mir also durchaus auch vorstellen.» Ich habe mir mehr als einmal überlegt, meinem Leben ein Ende zu setzen, weil ich all den Schmerz, den ich meinen Lieben durch mein Coming-out zufügen musste, nicht mehr aushalten zu können glaubte.

Nadja Reutemann, geboren 1974 Ein ganz normales Leben, oder doch nicht? Was ist bloss los? Mein Leben ist toll. Ich möchte es mit niemandem auf der Welt tauschen. (Ööhhm, da wäre doch noch diese Frau, die ...) Ich habe eine tolle Familie, und vor allem bin ich in der glücklichen Situation, einen Mann und zwei tolle Kinder zu haben. Grund zum Jammern hätte ich, wenn ich zwei Männer und ein Kind hätte! Aber dem ist ja nicht so, also! Warum kann ich trotzdem nicht mehr zufrieden und glücklich sein? Fehlt mir was, bin ich krank? Bin ich in einer Lebenskrise mit Mitte dreissig? Das liegt dann wohl also tatsächlich an den Genen. Meine Tochter «Extrem-früh-Pubertät» und ich nun «Extrem-früh-Lebenskrise»! Verloren? Hat mir mein verlorengegangenes Ich denn dermassen zugesetzt, dass ich mich nun so elend und alleine fühle, sag mal? Scheiss-Karma! Dann gibt es wohl nur eine Lösung, ich muss mein Ich wiederfinden, unbedingt! Das ist etwas, das sicher ist! Habe ich es gefunden? In den letzten acht verrückten, langen Jahren? Und ich liebe ... www.ballastlos.ch

Las Vegas und DER grosse Tag sind nicht mehr weit


Da in meinen Adern, im Gegensatz zu jenen meines Freundes, doch ein klein wenig romantisches Blut fliesst, möchte ich mir ein «Hochzeitskleid» organisieren. «Hochzeitskleid», wohlverstanden, in Gänsefüsschen geschrieben! Es ist eine ganz schöne Herausforderung, mit einem Bauchumfang von gut einem Meter einen einigermassen schönen Fummel zu finden. Notgedrungen muss ich einen Umstandsmodekatalog durchstöbern. Du kannst dir vorstellen, wie viele wunderschöne, figurbetonte Hochzeitskleider man darin findet. 1 A, sage ich da nur. AAA, triple A, würde da der Ami sagen …

Ich entscheide mich für ein blau-weiss gestreiftes Trägerkleid, das schönste von all den hässlichen Teilen, mit dem Risiko, darin auszusehen wie ein kleiner, fetter, inhaftierter Pottwal. Schon beim Wort Trägerkleid müssten eigentlich sämtliche Alarmglocken losgehen! Hast du schon einmal die Oberarme einer mit Wasser gefüllten, dicken, schwangeren Frau gesehen? Bei solch einem Anblick wird einem schlecht! Man könnte annehmen, das Kind mache sich breit bis in die Oberarme der Mutter! So dick sind die! In jedem Oberarm ein Beinchen des Babys. Einfach nicht schön! Was soll’s, das Pottwal-Kleid ist bestellt und wird auch angezogen – basta!

Unsere Familien, Freunde und Bekannten haben wir zu informieren «vergessen», dass wir dann mal schnell heiraten gehen. Alle gehen wohl davon aus, dass wir, bevor das Kind da ist, noch einmal Ferien in trauter Zweisamkeit geniessen wollen. Eigentlich hätte jeder Blinde gleich merken respektive sehen müssen,

dass das nur ein Fake sein kann, traute Zweisamkeit bei meinem doch sooo romantischen Freund … Lachkrampf lass nach … Wir ziehen, fliegen dann also mit meinem wunderschönen trägerlosen Hochzeitsfummel im Gepäck los nach Amerika, in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten …

Im Hotel angekommen, wollen wir uns gleich mal schlau machen, wie das denn so geht, wenn man hier heiraten möchte, und vor allem möchten wir uns auch informieren, wo man überhaupt heiraten kann. Die nette Dame am Empfang erklärt uns, dass wir gar nicht gross zu suchen brauchen, da sie im Hotel selber auch Trauungen vollziehen. Das klingt ja mal interessant. Irgendwie fast so romantisch wie der nie da gewesene Heiratsantrag …

Also nichts wie los in die «Trauungsetage», wir wollen uns ein Bild davon machen.

Eine schnuckelige, typisch amerikanische, fette (vielleicht auch schwangere) Dame begrüsst uns ziemlich unmotiviert und fragt: «Wollt ihr heiraten?»

Auf unsere Antwort «Wir möchten uns gerne mal informieren …» meint die schnukelige Dame: «Ihr könnt gleich hierbleiben, wir haben Zeit, ihr könnt gleich heiraten.» Ach, gäbe es den Romantik-Oscar, die Dame würde ihn – wie auch mein baldiger Mann – bestimmt bekommen.

Etwas perplex und übermüdet vom Flug stehe ich in meinen kurzen Latzhosen und den abgelatschten Turnschuhen da …

Ich fühle mich irgendwie ein wenig überfordert …

Mein Freund, nicht viel schöner als ich, mit seinen weissen, behaarten Beinen und den verwaschenen, hässlichen kurzen Hosen, scheint auch etwas überrumpelt zu sein. Ja, als Antiromantiker jetzt gleich soo viel Romantik auf einem Haufen …

«Moment … ich hole den Geistlichen», sagt sie mit ihrer klangvollen, absolut motivierten (romantischen) Stimme, hebt mühsam ihren Allerwertesten und geht zur Tür hinaus.

Wie zwei Vollpfosten starren wir uns mit grossen Augen an, sind wir im falschen Film?!

Plötzlich meint mein Freund: «Warum eigentlich nicht, lass uns doch gleich heiraten …»

Klingt so nach … Ach ja, klar doch, passt, dann haben wir es hinter uns … Soo viel Romantik auf einmal, ich glaube, ich muss mich übergeben!

Aber … «Was ist mit meinem Hochzeitskleid …?», schreit es antwortsuchend in meinem ausgekotzen Inneren!

«Jetzt … jetzt habe ich doch extra so einen Fummel bestellt (der noch nicht mal sehr billig war