: Sebastian Schaefer
: Der letzte Kolonist
: Eridanus Verlag
: 9783946348207
: 1
: CHF 4.40
:
: Science Fiction
: German
»Kleiner, hättest du Lust, einmal in deinem Leben etwas wirklich Großes zu tun? Dann komm mit mir!« Der Alltag von Ben Kramer besteht seit jeher aus dem Eintippen komplexer Zahlenabfolgen in einen klobigen Nummernblock. Nur durch Zufall entdeckt der Kolonist, dass sich hinter dieser Aufgabe eine schreckliche Wahrheit verbirgt - mit unumkehrbaren Folgen für alle! Ungerührt davon tragen andernorts die Völker der Galaxien weiter ihre zerstörerischen Konflikte aus. Zeitgleich breitet sich eine unheilvolle 'Düsternis' im Universum aus, die die Existenz allen Lebens bedroht. Doch die finstere Kraft richtet nicht nur Chaos an. Ihr Wirken führt auch sieben in jeglicher Hinsicht vollkommen verschiedene Charaktere zueinander. Sie alle stellen sich ihren Herausforderungen, nur um irgendwann festzustellen, dass ihre Rolle in diesem Abenteuer schon längst vorbestimmt ist. Und was, wenn nicht das Gepp, dieses mysteriöse Nagetier mit seinen so einzigartigen Fähigkeiten, stünde bereit, auch die letzten losen Schicksalsfäden aufzunehmen und zu verknüpfen? Sebastian Schaefers Sciencefiction-Spektakel fesselt mit furiosen Raumschlachten, fremdartigen Technologien, einer schillernden Weltenvielfalt und ungewöhnlichen Helden, die zur Rettung des Universums über sich hinauswachsen.

Sebastian Schaefer wurde im Sommer 1977 in Münster geboren, lebt aber seit jeher in der Stadt Essen. Er ist verheiratet, Volljurist, Schriftsteller und Abenteurer. Schaefer liebt seine Frau und sein trautes Heim, die See und das Erzählen von Geschichten. Im Literarischen hat er sich mit Gedichten, Kurzgeschichten und Romanen insbesondere im Sciencefiction- und Fantasybereich umgetan.

Die Tiefen

 

Ein dunkler Schatten fiel über den honiggelben Ast der Quar-Weide und instinktiv huschte das Gepp in die Deckung ihrer dichten traubenförmigen Blätter. Das schrille Kreischen, das nun ertönte und über etliche Meilen hinaus noch zu vernehmen war, entsprang der knöchernen Kehle eines einsamen Laabflüglers, von denen es selbst in den unergründlichen Wäldern der Tiefen nicht mehr viele gab. Das Gepp, das seinen durchscheinenden Greifschwanz geschickt und schnell um die feuchte Rinde der Weide geschlungen hatte und dem verschwindenden Schatten nachblickte, während es selbst für die Augen der Raubechse unsichtbar zwischen den klebrigen Blättern herunterhing, gab ein beruhigtes Schnurren von sich. Trotzdem wartete der nur faust­große Nager noch eine ganze Zeit, bis er sich erneut auf den vor ihm liegenden Weg durch die dichten Wipfel des Dschungels machte. Die drückende Hitze machte einem Gepp genauso wenig aus, wie die enorme Luftfeuchtigkeit, die hier zu jeder Jahreszeit herrschte. Sein kurzer farbiger Pelz sog sie förmlich auf und ließ sie zu einem Mantel aus klaren Wassertropfen werden, der ihn funkelnd und Kühle spendend kleidete. Flink huschte das Gepp weiter, wobei es seinen Schwanz dazu nutzte, das Gleichgewicht zu halten, während es über rutschiges Holz und dünne Zweige kletterte oder dann und wann einen waghalsigen Sprung von einem Baum zum anderen machte. Die Pflanzen der Tiefen waren allesamt groß und urwüchsig. Die Quar-Weiden beispielsweise waren gigantisch und erstreckten sich in solche Höhen, dass man von dort, wo das Gepp gerade mit einem geschmeidigen Sprung die beachtliche Entfernung zwischen zweien der gewaltigen Weiden überbrückt hatte, die Ruinen der versunkenen Stadt nicht einmal mehr erahnen konnte. Die geschmolzenen Trümmer der Vergangenheit waren älter als die Tiefen, viel älter. Aber dennoch war es den über Jahrtausende wild wachsenden Wäldern nicht gelungen, sämtliche Spuren der Vorzeit zu verwischen und ihre Zeugnisse vollends auszulöschen. Zwar wucherte undurchdringliches Dickicht über dem, was einmal gewesen war, kletterten dunkelgrüne Schlingpflanzen über weißen Marmor, sprossen blaue und dunkelrote Sporenpilze direkt aus dem geschundenen Metall von Maschinen, deren einstmaliger Zweck längst vergessen war, und zersetzte das üppige Meer von Shoi-Moos nahezu alles, was es in seinem schier unstillbaren Hunger auch nur erreichen konnte, aber das, was vor Äonen erschaffen worden und untergegangen war, schien letztendlich nicht vergehen zu wollen.

Das Gepp unterbrach seinen Lauf. Es setzte sich auf und reckte seinen gedrungenen Körper in die Luft, um mit seiner beweglichen Schnauze leise zu schnuppern. Seine wachen Knopfaugen blitzten im satten Purpurrot der Sonne und sein nasser Pelz flimmerte. Die Farbe wechselte und das Fell glich sein Äußeres erneut an die Umgebung an. Ein Gepp war zwar klein und genauso schwer auszumachen, wie es zu fangen war, aber seine natürliche Vorsicht und angeborene Vernunft sorgten dafür, dass es nichts dem Zufall überließ und lieber etwas mehr tat, als zu wenig, um nicht die Beute eines Laabs oder noch Schlimmerem zu werden. Die Luft war nicht nur erfüllt von den verschiedensten Geräuschen, von Rauschen, Zischen, Wispern, Kreischen und Schreien. In den Wipfeln der Tiefen war sie auch zum Schneiden dick und voller unterschiedlicher Düfte und Ausdünstungen. Das Gepp schmeckte die Lockstoffe der Quar-Weiden, die auch noch Wochen nach der Treibzeit mit den Pheromonen der Sincelschnecken vermischt war. Die etwa unterarmlangen Tiere waren weiter gezogen, nachdem sie im ewig anmutenden Kreislauf der letzten Jahrhunderte das Ihre erneut dazu beigetragen hatten, dass der Fortbestand der turmhohen Bäume gesichert war. Wie viele andere Wesen in den Tiefen und bisweilen auch ein Gepp erfreuten sich die Sincelschnecken an dem harzigen Ausfluss des Quar-Holzes, der in der Treibzeit eine kaum noch erträgliche Süße annahm. Während sich die Schn