: Michelle Frances
: Die Andere Sie hat deinen Job. Jetzt will sie dein Leben. - Spannungsroman
: Goldmann Verlag
: 9783641189433
: 1
: CHF 5.40
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Carrie und ihr Mann Adrian haben sich in London ein gemeinsames Leben aufgebaut. Sie ist erfolgreiche TV-Produzentin, er ein preisgekrönter Drehbuchautor. Kinder waren für sie nie ein Thema – bis Carrie plötzlich schwanger wird. Sie freut sich über das Baby, sieht der Elternzeit jedoch mit Sorge entgegen. Denn ihre Vertretung Emma ist jung, klug und ehrgeizig. Bald ist sie der neue Star in der Produktionsfirma und arbeitet eng mit Adrian zusammen. Zu eng. Carrie spürt zunehmend, dass Emma alle um sich herum manipuliert. Doch mehr und mehr isoliert von ihrem alten Leben und ihrem Mann steht sie mit ihren Ängsten allein da …

Michelle Frances arbeitet hauptberuflich bei der BBC Wales, wo sie unter anderem für Romanverfilmungen zuständig ist. Ihr Debüt »Das Gift der Seele« wurde zu einem internationalen Bestseller.

5

Mittwoch, 11. Oktober

»Sie ist blutjung, gerade einmal vierundzwanzig«, sagte Carrie und verlagerte ihr Gewicht auf dem Küchenstuhl. Ihr Rücken schmerzte. Es wäre klüger, es sich mit ein paar Kissen auf dem Sofa bequem zu machen, aber Adrian kochte, und sie genoss ihre abendlichen Unterhaltungen.

Er runzelte die Stirn. »Das ist wirklich jung. Und hat sie was drauf?«

»Wie’s aussieht, hat sie sich hier und da sehr hervorgetan«, antwortete Carrie verdrossen.

Adrian sah von den Kartoffeln auf, die er stampfte. »Du hast doch keine Angst, oder?«

Sie zuckte mit den Schultern. »Nicht mehr lange, dann muss ich meinen Traumjob zurücklassen.« Er antwortete nicht sofort. Sie wusste, was er dachte: Hätte sie sich nicht für das Baby entschieden, bräuchte sie das nicht zu tun. Seit Monaten ging es zwischen ihnen nur noch um »Die Entscheidung«, und das Leben hatte sich zu einem ständigen Balanceakt entwickelt.

»Aber nur für eine Weile«, gab er zurück.

»Die Leute in der Branche vergessen schnell.«

»Du bist ihre schärfste Neuerwerbung.«

»Dabei gehört der Titel doch eigentlich dir, oder?«

Einen Moment lang sonnte er sich in ihrem Lob, ehe ihm wieder einzufallen schien, wo er stand. »Ich bin nur der verlängerte Arm der renommierten Producerin, die gleich mehrere hochgelobte Doku-Dramas erschaffen hat.«

»Lange her.«

Adrian blickte sie ungläubig an. »So lange nun auch wieder nicht. Gerade mal ein paar Jahre. Außerdem macht sie das ja nicht weniger brillant. Wieso stellst du dein Licht so unter den Scheffel? Mal wieder?«

»Ach, du kennst mich doch. Ich denke immer, irgendwann merkt jemand, dass das alles bloß heiße Luft ist. Die Hälfte der Zeit komme ich mir wie eine Hochstaplerin vor. Wie zum Teufel habe ich eigentlich diesen Job bekommen?«

Sie sah ihm an, wie er sich bewusst entschied, nicht auf ihre Bemerkung einzugehen – weil er ihre Unsicherheit ein wenig anstrengend fand. Und er hatte durchaus recht damit. Sie musste zugeben, dass sie eine Reihe wirklich guter Sendungen produziert hatte, sehr guter sogar. Trotzdem lebte sie in der ständigen Sorge, dass sie ihren Erfolg lediglich Glück oder gutem Timing verdankte.

»Hast du dein Päckchen schon gesehen?« Er nickte in Richtung des großen Kartons in der Ecke. Sie stand auf, riss den Karton auf und nahm ein mit einer weißen Spitzendecke ausgeschlagenes Babykörbchen heraus.

»Wie findest du es?«

Er sah herüber. »Ja, sehr nett.«

»Das ist alles?«

Er sah ein zweites Mal hin. »Was willst du denn hören? Es ist ein Körbchen. Für ein Baby.«

»Fürunser Baby. Das in vier Wochen zur Welt kommt.«

Keine Begeisterungsrufe, keine leuchtenden Augen.

»Erbsen oder Bohnen?«

Enttäuscht verstaute sie das Körbchen im Karton. »Egal.«

»Dann beides. Mehr Vitamin C für dich … und das Baby.« Sie wusste, dass er ihr diesen Olivenzweig aus schlechtem Gewissen reichte. »Und du musst aufhören, dir wegen deiner Arbeit Sorgen zu machen«, fuhr er fort. »Keiner sägt an deinem Stuhl.« Carrie zuckte zusammen, woraufhin er ihr einen strengen Blick zuwarf. »Und falls doch, gehe ich gleich mit.«

Ihr war bewusst, dass dies vertraglich gar nicht möglich wäre, aber es war seine Art, sich bei ihr zu entschu