Prolog
Brigs
Edinburgh, Schottland – Vor vier Jahren
»Es tut mir leid.«
Ich hatte es so oft einstudiert, dass ich dachte, die Worte würden nur so aus meinem Mund strömen, sobald ich ihn öffnete. Die ganze Rede. Das ganze Geständnis. Ich dachte, wenn ich es mir im Kopf immer wieder vorsagte, würde die grausame, befreiende Wahrheit leichter herauskommen, wenn die Zeit reif ist.
Aber so ist das nicht.
Ich kann mich nicht mal erklären. Ich falle lediglich auf die Knie, meine Beine zittern von dem ganzen Stress, dem Stress, den ich mir gemacht habe. Aber er verblasst angesichts dessen, was sie gleich fühlen wird.
Miranda sitzt auf der Couch, wie ich sie gebeten habe, ihre Teetasse steht ordentlich auf der Untertasse. Ich konzentriere mich auf den Dampf, der aufsteigt. Ich dachte, ich könnte mich angemessen verhalten und ihr in die Augen sehen, aber das kann ich nicht. Ich bin feige, will den Schmerz nicht sehen, die tiefen Wunden, die ich ihr zufüge.
»Was tut dir leid?«, fragt sie mit ihrer ruhigen Stimme. Sie ist immer so gelassen, übersteht jeden Sturm, dem ich sie aussetze. Die Tatsache, dass ich auf den Knien liege und wie ein Trottel zittere, hat an ihrem Ton nicht das Geringste geändert. Vielleicht trifft es sie doch nicht so schwer, wie ich gedacht habe.
Aber das ist verdammtes Wunschdenken.
Ich hole tief Luft und atme dann stoßweise wieder aus. Ich wünschte, der fallende Regen würde das Geräusch übertönen.
»Es tut mir leid«, wiederhole ich. Meine Stimme klingt hohl, wie eine Aufnahme auf einem verstaubten alten Tonband. »Ich muss dir etwas sagen.«
»Das sehe ich«, sagt sie, und jetzt bemerke ich eine gewisse Gereiztheit in ihrer Stimme. »Du hast mir gesagt, dass ich mich hinsetzen soll, und jetzt kniest du vor mir. Ich hoffe, du machst mir nicht noch mal einen Antrag.«
Alles wäre so viel einfacher, wenn das der Fall wäre.
Endlich wage ich es, ihr in die Augen zu sehen.
Meine Ehefrau ist wunderschön. Die wiedergeborene Grace Kelly. Ein Hals wie ein Schwan. Ich erinnere mich an unser erstes Date. Wir waren gerade erst mit der Highschool fertig, doch schon da hatte ich den Eindruck, dass sie voller Geheimnisse steckte. Sie war einfach perfekt. Ich bin mit meinem schäbigen Auto angekommen und habe sie ins Kino und zum Abendessen eingeladen, ins beste Restaurant, das ich mir leisten konnte, aber das Essen war trotzdem grauenhaft. Und sie hat das alles geduldig ertragen und nicht mal mit der Wimper gezuckt. Wenn ich mit ihr zusammen war, hatte ich das Gefühl, jemand zu sein, und vielleicht ist das der Grund, warum ich sie geheiratet habe. Sie war alles und ich nichts.
Sie ist immer noch alles, und ich bin nichts. Gerade jetzt könnte das nicht offensichtlicher sein.
»Brigs«, sagt sie mit gerunzelter Stirn. Sie hat kaum Falten, selbst wenn sie so das Gesicht verzieht. »Du machst mir Angst.«
Ich räuspere mich, doch es hilft nicht viel. »Ich weiß.«
»Geht es um Hamish?«, fragt sie, und ihre Augen weiten sich vor Panik.
Ich schüttele schnell den Kopf. »Nein, es hat nichts mit Hamish zu tun.«
Ich bin dankbar,