KAPITEL ZWEI
bo hanshu tansuo
Kollaps der Wellenfunktion
Fred folgte seinen beiden Aufpassern in einen schlauchförmigen Raum, der an eine U-Bahn-Station erinnerte und größtenteils von einer wartenden Bahn eingenommen wurde. Sie betraten ein Abteil, und kurz darauf verließ die Bahn den Raumhafen. Als sie fünfzehn Minuten später mit einem Zischen zum Stehen kam, stiegen sie auf Zehenspitzen aus und kamen in einen Saal mit einer langen Fensterfront, durch die das gleißende Sonnenlicht horizontal hereinfiel und lange schwarze Schatten erzeugte. Draußen ließen sich die niedrigen Gebäude, von denen die Gipfel des Ewigen Lichts übersät waren, im grellen Schein nur schwer ausmachen. Was Fred von der Umgebung sah, war eine raue Mischung schwarzer und weißer Flecken, ein Chiaroscuro; er hatte bereits begriffen, dass dies auf dem Mond Normalität war. Der Horizont war sehr unregelmäßig und seltsam nah – wie nah, ließ sich angesichts des hellen Lichts und der absolut klaren Sicht nur schwer abschätzen, aber anscheinend war er nur ein paar Kilometer entfernt. Bevor Fred den Anblick auf sich wirken lassen konnte, wurde er um eine Ecke und durch einen Flur geführt, bis sie eine Reihe Fenster erreichten, von denen aus man das Innere des Kraters sehen konnte.
Dieser Gipfel des Ewigen Lichts erhob sich über einem dazugehörigen Abgrund der ewigen Dunkelheit: Es handelte sich um den berühmten Shackleton-Krater. Die Sonnenstrahlen erreichten nie den Grund dieses Kraters, und auch nicht seine Innenwände. Als seine Augen sich angepasst hatten, konnte Fred im dunkelgrauen Zwielicht die steile, gekrümmte Innenwand des Kraters erkennen. Weiter unten gab es mehrere horizontale Fensterreihen in der Felswand. Es sah aus, als hätte man ein überlanges Kreuzfahrtschiff krumm gebogen und in die Kraterwand eingelassen. Im Licht der Fenster glitzerte der von Wassereisstaub bedeckte Grund des Kraters leicht. Der Krater war so groß, dass man seine gegenüberliegende Wand nicht sehen konnte; die Kraterwand, die unter ihm einen weiten Bogen beschrieb, erstreckte sich bis jenseits des Horizonts. Es war eine düstere, grauschwarze Welt.
Einer von Freds Führern erklärte, dass das Hotel Star sich hinter einer der Fensterreihen dort unten befand, direkt neben dem amerikanischen Konsulat. »Na dann mal los, ich folge Ihnen«, sagte er wagemutig und taumelte hinter den beiden sich anmutig bewegenden Chinesen her zu einer Rolltreppe, wo er sich zum Glück einfach am Geländer festklammern konnte und trotzdem vorankam. Rolltreppen waren eine tolle Sache. Die hier erinnerte ihn an die Londoner U-Bahn, sie ging einfach immer weiter abwärts. Als sie schließlich bei etwas angekommen waren, das Ebene 6 hieß, fiel er mit seinem ersten Schritt hin. Er rappelte sich auf und folgte seinen Aufpassern achtsam durch einen breiten, gekrümmten Korridor, der zu den Glastüren des Hotels führte. Er war seekrank, hatte leichte Kopfschmerzen, und ihm war schwindelig. Die Schwerkraft des Mondes fühlte sich nicht besser an als die Schwerelosigkeit im All. Genau genommen empfand er sie als sehr viel unangenehmer.
Der Eingang zum Hotel Star befand sich in der Innenkurve eines gekrümmten Korridors. Sein Zimmer erwies sich als nur wenig größer als sein Bett. Seine Fremdenführer ließen ihn allein und versprachen ihm, dass er zum Frühstück einen Weckanruf erhalten würde.
Er setzte sich aufs Bett; es kam ihm vor wie ein Trampolin. Wenn er wollte, hätte er bis zur Decke springen können. Dann, nachdem dr