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Entgeistert blickte Friederike Lagrange ihrer Enkelin hinterher: Madeline hatte sich ihre balinesische Maske unter den Arm geklemmt und damit den Faschingsball anscheinend für beendet erklärt.
George Lagrange fasste nach Friederikes Hand. „Keine Sorge, sie kommt gleich wieder.“ Er beugte sich zu ihrem Ohr, um sich gegen die wieder einsetzende Musik zu behaupten. Die Combo hatte den Klavierspieler abgelöst und nun wurde es laut. Ein Ball im Tanzclub Lietzensee war nicht zum Unterhalten gedacht. „In ihren ewigen Sandalen kommt sie bei dem Schnee nicht weit.“
„Da kennst du Madeline aber schlecht, Schorsch.“ Außerdem trug Madeline Stiefel zu ihrem Piratenkostüm.
Robert Merck, einstiger Tanzpartner von Madeline, setzte sich zu ihnen an den Tisch; auf den Platz, auf dem Madeline eben noch gesessen hatte. „Wirklich schade. Mit diesem ausländischen Ringelreigen verschwendet eure Enkelin ihre Begabung.“
Irritiert hob Friederike die Augenbrauen. „Die Square Dance-Gruppe bringt dem Verein immer wieder gutes Geld.“
„Robert, mir scheint, mit uns verschwendest du deine Zeit. Bist du nicht zum Tanzen hergekommen?“
„Ich habe auf Madeline gesetzt.“ Er grinste George an. „Ich will doch nicht den Verein wechseln. Aber ich habe noch keine feste Partnerin gefunden.“
„Dann solltest du jetzt erst recht tanzen“, sagte George. „Der beste Weg, eine neue Partnerin zu finden.“
Roberts Blick ging durch den Saal. „Ich will mich mit niemandem anlegen, indem ich mich zum Konkurrenten aufschwinge.“ Sein Blick blieb an Friederike hängen. Er seufzte. „Morgen würde ich auch kaum eine wiedererkennen.“
Was war das denn für ein Argument? Unwillkürlich schüttelte sie den Kopf.
George schüttelte ebenfalls den Kopf. „Darum solltest du dir keine Gedanken machen. Eine, die mit ihrem Partner zufrieden ist, wird ihn sicher nicht verlassen.“ Er drückte Friederikes Hand. „Ist ein bisschen wie verheiratet sein.“
„Ja, wenn das so ist ...“ Roberts Lächeln bekam plötzlich etwas Schalkhaftes. „Dann bist du mir sicher nicht gram, Schorsch.“ Er stand auf und verneigte sich formvollendet vor Friederike. „Darf ich zum Kriegstanz bitten, schöne Squaw?“
Sie lachte. Robert war amüsant; schade, dass Madeline nicht mit ihm ausgekommen war.
„Meine Frau tanzt nicht!“ George klang abweisend, hart.
Robert schnappte überrascht nach Luft. „Ist das wahr?“
„Ich möchte wirklich gerne tanzen. Aber das ...“ Friederike wies zur Tanzfläche, wo sich die Paare an einer heißen Samba abarbeiteten. „Das ist zu ermüdend für mich.“
Einen Augenblick schien Robert betroffen, aber dann streckte er mit einem Lächeln die Hand aus. „Dann warten wir auf einen der Langsamen Walzer. Hast du nicht auch eine Tanzkarte? Ich trage mich ein, wenn George noch etwas freigelassen hat.“
Jetzt war es an George, betroffen zu schauen. Er räusperte sich, aber bevor er etwas sagen konnte, schob