Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme(Friedrich Schiller)
So schnell war ein halbes Jahr vorbei. Leo konnte es kaum fassen, schon heute Abend war das große Fest zum 100-jährigen Bestehen von Mediahouse. Und heute war auch zugleich der letzte Tag ihres Praktikums. Sie war aufgeregt und ein wenig traurig zugleich. Aufgeregt, weil der große Jubiläumsband rechtzeitig fertig geworden war und heute Abend bei der großen Feier vorgestellt werden sollte. Sie war als Co-Autorin genannt und mächtig stolz darauf. Traurig, weil sie die ihr so lieb und vertraut gewordene Umgebung des Mediahouse, ihre Kollegen und ihre Freunde, Joyce und Derek und auch Amyas für immer verlassen musste. Morgen Vormittag würde Peter in New York ankommen und sie würde ihn vom Flughafen abholen. Sie würden dann noch eine Woche in New York verbringen und dann gemeinsam wieder nach Hause fahren. „Nach Hause“, grübelte Leo. Sie fühlte sich hier auch zuhause, sie hatte sich an den Rhythmus dieser faszinierenden Stadt gewöhnt. Sie mochte ihre Arbeit, die Freunde, die sie hier gefunden hatte und auch ihr freies und unabhängiges Leben. Leo schluckte, als sie sich in ihrem Zimmer umblickte, sie hatte den größten Teil ihrer Sachen bereits gepackt, ein paar wenige Dinge lagen noch im Zimmer verstreut. Auch ihr Margeritenbäumchen stand noch beim Fenster und schien ihr aufmunternd zuzulächeln. „Wird schon alles gut kommen“, schien es ihr zu sagen. Leo hatte Joyce das Versprechen abgerungen, gut auf das Bäumchen aufzupassen. „Ich werde es hegen und pflegen – bis du wiederkommst“, hatte ihr Joyce hoch und heilig versprochen.
Leo schluckte nochmals, ihr Herz hämmerte wie verrückt – sie freute sich auf Peter, auf Wien und darauf, ihre Freunde und ihre Familie wiederzusehen. Aber all das hinter sich zu lassen, fiel ihr unendlich schwer. Wie würde sie sich wieder einfügen können? Was würde die Zukunft bringen? Was würde aus ihr und Peter werden? Was würde aus ihr und Amyas werden? Hier setzte ihr Herz für eine Sekunde aus – was würde aus ihr und Amyas werden! Sie versuchte die aufkommende Panik zu unterdrü